Messe Magazin

Jede Menge Raum für große Sprünge

Warum HALLE:EINS? Für Jacqueline Schreiber, Eventmanagerin der Night of Freestyle, ist die Antwort vor allem in technischer Hinsicht klar: „Wir schauen uns immer ganz genau an: Ist die Halle lang genug? Breit genug? Hoch genug?“, sagt sie. „12 Meter Hallenhöhe sind das Minimum, 14 Meter sind gut. 16 Meter sind besser.“ Die Fahrer erreichen bei ihren Sprüngen Höhen von bis zu 15 Metern. In vielen Arenen verlaufen Stahlträger oder Balken genau dort, wo eigentlich die Flugkurve liegt. „Da müssen wir teilweise so bauen, dass wir exakt zwischen zwei Balken springen. Das geht – aber es ist natürlich nicht optimal.“ HALLE:EINS bietet in der Mitte rund 16 Meter Höhe und einen stützenfreien Innenraum von 75 mal 75 Metern. Auch die 19.200 Quadratmeter Fläche sind entscheidend. „Hier haben wir jede Menge Platz. Wir können uns ausbreiten, wie wir möchten“, so Schreiber.

 

Nicht zuletzt muss auch die Tragfähigkeit des Hallenbodens passen. Mit 33 Kilonewton pro Quadratmeter erfüllt HALLE:EINS die Traglast weit mehr als nötig. Kurz gesagt: Die Stahlkonstruktionen und Fahrzeuge der Night of Freestyle sind für diesen Boden keine große Herausforderung.

Jaqueline Schreiber, Eventmanagerin der Night of Freestyle
Foto: Leipziger Messe

Von Anfahrt bis Abdunklung: So punktet HALLE:EINS für die Night of Freestyle

Am Aufbautag rollen sechs Sattelzüge auf das Gelände. Der Aufbau für die Night of Freestyle startet. Die Produktionscrew mit Technikern, Pyro-Profis, Licht- und Tonspezialisten macht sich an die Arbeit. Zwölf unterschiedliche Rampen werden gestellt, Airbags aufgeblasen, die LED-Wand installiert, Pyrotechnik vorbereitet, Traversen bestückt. Was für den Laien nach einer wilden Show aussieht, ist unter den Bedingungen der HALLE:EINS vor allem eines: planbar.


Zehn ebenerdig befahrbare Hallentore erleichtern Anlieferung und Aufbau. Über ein flächendeckendes Unterflursystem gibt es an jeder Position Strom, Wasser, Daten. Backstage- und Produktionsräume schließen direkt an den Innenraum an. Für komplexe Produktionen bedeutet das: kurze Wege und verlässliche technische Rahmenbedingungen.


Am Ende geht es auch um vermeintliche Kleinigkeiten
: „Wir machen viel mit Pyro, Licht und Laser. Für uns ist es ideal, wenn wir komplett abdunkeln können“, sagt Schreiber. Eine Abdunklung von HALLE:EINS – kein Problem. So erleben auch die Besucher der Nachmittagsshow der Night of Freestyle die volle Pracht von Licht, Pyro- und Lasershow.

Abwechslung in der Eventhalle der Leipziger Messe

Die Leipzig-Premiere der Night of Freestyle war ein voller Erfolg. Bei zwei Shows folgten 8.000 Menschen begeistert dem atemberaubenden Geschehen. Die nächste Leipzig-Show für 2027 ist bereits in Planung. „Das erste Mal ist immer am schwierigsten“, sagt Schreiber. „Aber wenn alles passt, bleibt man. Und hier passt das Gesamtpaket.“

 

Und während HALLE:EINS gerade noch Freestyle-Arena war, wurde sie Anfang März zur Kulisse für Disney on Ice und wird im Juni 2026 beim Impericon Festival zur Konzerthalle mit zwei großen Bühnen. Damit zeigt HALLE:EINS immer wieder, was sie zur flexibelsten Eventlocation Mitteldeutschlands macht. Sie bietet nicht nur Quadratmeter, sondern Spielraum für Ideen.

Impressionen der Night of Freestyle 2026

Es ist das Jahr 2001. Premiere für die „therapie LEIPZIG“ – damals noch in einem Verbund mehrerer Medizinmessen. Im Fokus: die deutschsprachige Therapiewelt. Anfangs sind es nur wenige Aussteller, ihre Exponate teilweise noch auf Tapeziertischen präsentiert. 24 Jahre später zählt die therapie LEIPZIG knapp 400 Aussteller und begrüßt im Mai 2025 19.400 Besucherinnen und Besucher. Und auch wenn die Messe enorm gewachsen ist – ihren Kern hat sie bis heute nicht verändert: Bei der therapie LEIPZIG treffen sich Therapeutinnen und Therapeuten verschiedener Professionen, entdecken aktuelle Trends, probieren in der interaktiven Fachausstellung neue Methoden aus, lauschen bei Vorträgen Expertinnen und Experten oder besuchen den begleitenden Kongress rund um Therapie, medizinische Rehabilitation und Prävention.

Entdecken und ausprobieren bei der therapie LEIPZIG
Foto: Leipziger Messe

Ronald Beyer ist Schöpfer der Messe. Als Impulsgeber und Wegbereiter hat er – gemeinsam mit der langjährigen Kollegin Birgit Pohle – nicht nur die therapie LEIPZIG, sondern auch zahlreiche andere Medizinmessen bei der Leipziger Messe entwickelt, bevor er das erfolgreiche Projekt an Birgit Mücklich übergab. Sie ist seit sechs Jahren Projektdirektorin und brennt für dieses Thema. Es ist für sie nicht nur ein Job, sondern echte Begeisterung für ein wichtiges Feld – und für eine Veranstaltung mit viel Potenzial.

Birgit Mücklich, Projektdirektorin der therapie-Messereihe
Foto: Leipziger Messe

Immer in Bewegung bleiben

„Die Therapiebranche steht vor zahlreichen Herausforderungen – und zugleich spürt man eine große Offenheit für Neues“, sagt Birgit Mücklich. Digitalisierung ist ein zentrales Stichwort, ebenso der Fachkräftemangel, die Überalterung der Gesellschaft und damit der steigende Bedarf an therapeutischen Leistungen. Ansätze wie Gamification helfen, um Patientinnen und Patienten langfristig zu motivieren. „Es ist total spannend, wie beweglich Therapeutinnen und Therapeuten sind – immer zwischen recht schweren Themen und gleichzeitig viel Leichtigkeit.“

 

Genau dieser Spirit prägt die therapie-Messen: Die Stimmung ist positiv, an jedem Stand wird ausprobiert, gelacht, unterstützt – und immer steht der Mensch im Mittelpunkt. Der positiven Stimmung steht jedoch die Termindichte in den Praxen gegenüber. Viele Therapeutinnen und Therapeuten können sich nur schwer für mehrere Tage aus ihrem Praxisalltag lösen – eigentlich keine gute Nachricht für eine Messe, die wachsen will. Für das Team um Birgit Mücklich war das jedoch eher Chance als Hindernis. „Wenn die Therapeuten nicht zu uns kommen können, kommen wir eben zu ihnen.“

 

Gemeinsam mit dem Ausstellerbeirat entstand so die Idee, an anderen Standorten eigene Veranstaltungen umzusetzen. Ab 2019 wurden in Düsseldorf, Hamburg und München eigenständige therapie-Messen aufgebaut – „unsere therapie-Familie“, wie Birgit Mücklich sie stolz nennt. Den Anfang machte 2019 die therapie HAMBURG. „Und diese hat direkt von Beginn an richtig gut funktioniert. Wir hatten eine große Nachfrage!“ erinnert sich Mücklich.

therapie HAMBURG
Foto: Leipziger Messe

Vier Messen - ein Team

2020 folgte die therapie DÜSSELDORF – ursprünglich als Präsenzveranstaltung geplant, coronabedingt jedoch nur als digitaler Kongress umgesetzt. Im September 2022 konnte die Messe dann endlich vor Ort stattfinden. Wenige Wochen später – Ende Oktober – ging bereits die dritte Auflage in Hamburg an den Start, im November feierte die therapie MÜNCHEN Premiere. Drei Messen in nicht einmal drei Monaten, wie kann das funktionieren? „Wir können an den anderen Standorten natürlich auf unsere langjährigen Erfahrungen aus Leipzig und die Partner der Leipziger Messe Unternehmensgruppe zurückgreifen. Wir kennen die Aussteller und wissen, wie wir Fachbesucher ansprechen – und ich habe ein großartiges, engagiertes Team“, erklärt Birgit Mücklich.

FAIRNET - mehr als nur Partner für den Standbau

FAIRNET ist bei den therapie-Messen in Düsseldorf, Hamburg und München weit über den klassischen Standbau hinaus präsent – nämlich als 360-Grad-Dienstleister. „Normalerweise sprechen Aussteller für Dienstleistungen wie Strom, Hängepunkte, Hostessen oder Parkplätze bei einer Messe mit verschiedenen Partnern“, sagt Christian Merkel, Abteilungsleiter Projektmanagement Messen & Kongresse bei FAIRNET. „Bei den therapie-Messen übernehmen wir dies gesammelt. So hat der Aussteller im besten Fall nur einen Ansprechpartner im Projektteam und einen bei der FAIRNET.“ Für die Aussteller bedeutet das: deutlich weniger Aufwand – und auch finanzielle Vorteile. „Ein Aussteller, der an allen therapie-Standorten präsent ist, bekommt von uns viermal den exakt gleich gebrandeten Messestand. Grafiken und andere Elemente werden also nicht mehrfach produziert.“

Für die therapie-Messen gibt es deutschlandweit die bewährten Services der Leipziger Messe Unternehmensgruppe
Foto: Leipziger Messe

Der Spirit von Leipzig

Der Rhythmus der therapie-Messen ist mittlerweile fest etabliert: Alle zwei Jahre wird jeder Standort bedient – in den geraden Jahren Hamburg und München, in den ungeraden Jahren Leipzig und Düsseldorf. „Die therapie LEIPZIG ist und bleibt die führende Messe im Markt. Hier gibt es die größte Ausstellung, den größten Kongress und ja, zum Beispiel auch nur hier die Messeparty“, sagt Birgit Mücklich. Doch auch an den anderen Standorten ist das Leipzig-Gefühl spürbar. „Uns wird immer wieder zurückgemeldet, dass wir die Branche wirklich verstehen. Wenn es Sorgen gibt, hören wir zuerst zu und suchen dann gemeinsam nach Lösungen.“
Dass dieser Geist an allen Standorten erlebbar ist, verdankt die Messe dem engagierten Team um Birgit Mücklich. Sechs Mitarbeitende organisieren die Messen. „Wir sind ein tolles Team, alle sprühen vor Ideen und fühlen sich verantwortlich für unsere therapie-Familie. Es macht einfach Spaß – anders wären vier Messen in gerade einmal zwei Jahren auch nicht zu schaffen.“
Die therapie-Messereihe lebt an allen Standorten von einem besonderen Leipzig-Gefühl
Foto: Leipziger Messe

Die Zukunft der therapie-Messen: Wohin geht’s?

„Beim Thema Therapie liegt noch so viel Potenzial auf der Straße, wir müssen gut überlegen, welche nächsten Schritte wir angehen wollen“, sagt Birgit Mücklich. Man spürt bei diesem Satz ihre Begeisterung – ein kleines Kribbeln inklusive. Noch mehr Standorte? „Wir sehen viele Möglichkeiten, auch in Richtung Internationalisierung“, erklärt sie. Von einem besonders inspirierenden Moment erzählt sie ebenfalls:
Bei einem Besuch der FISIOEXPO, einer Physiotherapiemesse in Madrid, traf sie deren Projektleiter. „Gleich zu Beginn sagte er: ‚Klar kenne ich die therapie LEIPZIG – sie war das Vorbild für unsere Messen.‘“ Wenn also Madrid nach Leipzig blickt, dann kann es eigentlich nur weitergehen. Wohin genau? Das wird die Zukunft zeigen.

Übersicht der Aussteller und Besucher der therapie-Reihe
Grafik: Leipziger Messe
Die Termine der nächsten therapie-Messen im Überblick:
therapie MÜNCHEN – 19. & 20. Juni 2026
therapie HAMBURG – 6. & 7. November 2026
therapie LEIPZIG – 27. bis 29. Mai 2027
therapie DÜSSELDORF – September 2027

Knapp 25.000 Kinder unter 15 Jahren leben in Leipzig. 25.000 junge Menschen, die sich eine lebenswerte, bunte und vielfältige Stadt wünschen. Dafür haben Leipzigs Bürgerinnen und Bürger jede Menge Ideen. Mit dem Familienfreundlichkeitspreis bekommen diese Ideen eine Bühne – und die Leipziger Messe unterstützt den Preis von Anfang an, finanziell und ideell. Steffi Schneider aus dem Team Unternehmenskommunikation ist Mitglied der Jury und setzt sich jedes Jahr intensiv mit den eingereichten Ideen auseinander. „Unsere Jury besteht aus verschiedenen Erwachsenen. Das Wunderbare am Preis: Auch Kinder sind dabei. Sie prüfen die Ideen auf Herz und Nieren“, erzählt sie. Das heißt aber nicht nur Projektpapiere lesen: Drei Projekte werden in Online-Interviews geprüft, drei weitere vor Ort besichtigt. „Uns ist wichtig, wirklich zu sehen, was die Projektpartner mit dem Geld vorhaben.“

Verleihung des Familienfreundlichkeitspreises 2025 im Neuen Rathaus der Stadt Leipzig
Foto: Leipziger Messe

Familienfreundlichkeitspreis: Die Stadt durch Kinderaugen sehen

Besonders wertvoll sind die Fragen der Kinder: Was passiert mit dem Geld? Wie sieht das Projekt am Ende aus? Und was haben wir Kinder davon? „Diese direkte Art ist unglaublich hilfreich“, sagt Steffi Schneider. In den vergangenen Jahren wurden so etwa ein Verein ausgezeichnet, der „Leih-Großeltern“ vermittelt, sowie eine Familienolympiade und das Angebot „Kochen verbindet“, bei dem Menschen verschiedener Generationen und Kulturen gemeinsam kochen. Im vergangenen Jahr fand die Preisverleihung im Rahmen eines Familienspielfestes statt – „eine schöne Umsetzung, denn so wurden die Projekte direkt für ihre Zielgruppe sichtbar.“ Trotz des Aufwandes ist die Juryarbeit für Steffi Schneider ein Herzensprojekt. „Wenn man sieht, wie sich Menschen – meist ehrenamtlich – für unser Miteinander einsetzen, ist man manchmal fast ehrfürchtig.“

Das Messemännchen zu Gast beim Familienspielfest 2025 vor dem Neuen Rathaus in Leipzig
Foto: Leipziger Messe

Forschungsprojekt KRIDEM: Wie nachhaltig kann Messe sein?

Um Nachhaltigkeit bei Veranstaltungen dreht sich alles bei KRIDEM. Hinter dem zunächst kryptisch klingenden Namen steckt eine klare Idee: die Beobachtung der Kreislaufwirtschaft in der Messewirtschaft. Unter der Leitung der Hochschule Osnabrück wird untersucht, wie es bei Messen und Kongressen gelingen kann, möglichst viele Produkte und Materialien im Kreislauf zu halten – also wiederzuverwenden, statt sie zu entsorgen. Blaupause des Projekts ist die OTWorld, Weltleitmesse für die moderne Hilfsmittelversorgung. „Die Veranstaltung eignet sich hervorragend, da sie Messe und Kongress verbindet, zu den größten Fachmessen gehört und eine große Fläche bespielt“, erklärt Michel Ghattas-Kämpfner. Als Nachhaltigkeitsmanager bei der Leipziger Messe ist er Teil des KRIDEM-Projektteams. Neben der Hochschule gehören auch das Messe- und Architekturunternehmen imb Troschke, die Agentur 2bdifferent, der Messeverband AUMA und die Fachzeitschrift tw tagungswirtschaft dazu. Sie alle bringen ihre Expertise ein, um möglichst viele Aspekte der Nachhaltigkeit in einem Circular Scan zu betrachten.

Circular Scan für alle Aspekte der Kreislaufwirtschaft

Wie genau die Forschungsarbeit bei KRIDEM aussieht? In einem Leistungskatalog werden unterschiedliche Aspekte einer optimalen Kreislaufwirtschaft gebündelt. „Das ist ein Rundumblick auf die Messe – von Abfall über Catering bis hin zum Stromverbrauch“, so Ghattas-Kämpfner. Die Liste ist entsprechend lang. Einige Daten können schon vor der Messe erhoben werden. Andere werden direkt während der Laufzeit untersucht, indem Abläufe beobachtet und Materialien geprüft werden. Neu ist, dass nach der OT World der entstandene Abfall erstmals detailliert getrennt wird. „So sehen wir genau, welche Materialien eingesetzt wurden und welche recycelbar sind. Das passiert bislang viel zu selten“, so Ghattas-Kämpfner. „Wir wollen zeigen, wo man trotz Zeitdruck nachhaltiger werden kann.“

Das Team des Forschungsprojektes KRIDEM auf der Leipziger Messe
Foto: KRIDEM

Public Value Award: Gemeinwohl meets Start-up

Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema des Public Value Award for Start-ups. Der Preis zeichnet gemeinwohlorientierte Gründungen aus, die einen messbaren Nutzen für die Gesellschaft stiften. Dr. Andreas Knaut, Unternehmenssprecher und Bereichsleiter Kommunikation der Leipziger Messe, ist Mitglied der Jury. „Hier verbinden sich gesellschaftlich relevante Ideen mit wirtschaftlichem Spirit“, sagt er. Die Bandbreite der Themen reicht vom nachhaltigen Bauen über Bildungsinitiativen bis zu Gesundheit und IT – „und sie ist ein gesellschaftlicher Gradmesser, denn die Projekte geben Antworten auf aktuelle Herausforderungen: begrenzter Wohnraum oder die Überalterung der Gesellschaft.“

 

Bei der Preisverleihung in der KONGRESSHALLE am Zoo Leipzig ging der erste Preis 2025 an „TRIQBRIQ“ aus Stuttgart, ein modulares Holzbausystem aus Industrie- und Restholz. Auf den weiteren Plätzen folgten „Perspective Care“, eine intelligente Pflegeunterstützung, sowie „coobi“, eine medizinisch zertifizierte Plattform zur Nachsorge bei Suchterkrankungen.

Public Value Award for Start-ups 2025 in der KONGRESSHALLE am Zoo Leipzig
Foto: Leipziger Messe

Messen als Plattform für Start-ups

„Die Einreichungen sind für uns immer ein spannendes Beobachtungslabor“, so Knaut. „Hier werden Themen und Trends früh sichtbar, die auch für kommende Messen interessant sein könnten.“ Start-ups sind der Leipziger Messe nicht fremd. Viele Veranstaltungen verfügen über eigene Start-up-Areale. „Wer weiß, vielleicht treffen Preisträgerinnen und Preisträger und unsere Messekonzepte einmal ganz real aufeinander.“ Die Auswahl wäre in jedem Fall groß. Denn der Public Value Award hat sich seit 2016 in der Start-up-Szene fest etabliert. Insgesamt wurden in den vergangenen Jahren rund 600 Einreichungen gezählt. Zunehmend gibt es auch internationale Bewerbungen. Mehr als 80 Prozent der Preisträger haben sich bis heute am Markt etabliert. „Denn auch darauf legt der Preis Wert: auf wirtschaftliche Tragfähigkeit. Gemeinwohl braucht schließlich starke finanzielle Partner.“

Start-up-Area auf der OTWorld 2024
Foto: Leipziger Messe

Runder Tisch Gemeinwohl: Ideen für ein lebenswertes Leipzig

Wie wird Leipzig zu einer lebenswerten Stadt, in der gesellschaftliches Miteinander gefördert wird und funktioniert? Dieser Frage widmet sich der Runde Tisch Gemeinwohl. Initiiert von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung bringt er seit 2022 rund 45 Leipziger Unternehmen und Institutionen zusammen, die das Stadtleben maßgeblich prägen. Neben der Leipziger Messe gehören dazu BMW, die Leipziger Stadtwerke, aber auch Feuerwehr, Polizei oder die Verbraucherzentrale. „Die Beteiligung am Runden Tisch war für uns sofort klar“, sagt Andreas Knaut. „Denn der Gedanke des Gemeinwohls ist fest in der DNA der Leipziger Messe verankert.“ Jede Messe leistet ihren Beitrag, schon dadurch, dass sie wirtschaftliche Impulse in die Region bringt – ob für Restaurants, Hotels oder den ÖPNV. Darüber hinaus unterstützt die Leipziger Messe zahlreiche Projekte und Akteure der Stadt, etwa den Handballbundesligisten SC DHfK. „Und die Messe ist ein Ort, an dem gesellschaftliche Themen verhandelt werden und Impulse entstehen – auch das ist ein wichtiger Beitrag für Leipzig.“

Premiere für das Gemeinwohlparlament der Stadt Leipzig
Foto: Runder Tisch Gemeinwohl / Anika Dollmeyer

Premiere für das Leipziger Gemeinwohlparlament

Der Runde Tisch Gemeinwohl hat zuletzt das Gemeinwohlparlament Leipzig an den Start gebracht. Im Dezember 2025 stimmte das Parlament erstmals demokratisch darüber ab, wofür die gesammelten Fördergelder aus dem Gemeinwohltopf eingesetzt werden. „Gemeinwohl wird hier durch direkte Bürgerbeteiligung erlebbar.“ Andreas Knaut sieht darin eine große Chance für Leipzig. „In dieser Stadt steckt enorm viel Entwicklungspotenzial, welches im Miteinander noch stärker zum Leuchten kommt.“

Abstimmung im Gemeinwohlparlament
Foto: Runder Tisch Gemeinwohl / Anika Dollmeyer

Was Kinder essen, prägt ihr Leben – in jeder Kita, an jeder Schule, jeden Tag. Die Fachtagung Future Food auf der ISS GUT! 2025 verwandelte diese großen Fragen der Gemeinschaftsverpflegung in konkrete Antworten. Erzieherinnen trafen Küchenprofis. Landwirte kamen mit kommunalen Entscheidern ins Gespräch. Cateringunternehmen diskutierten mit Politik und Verwaltung. Alle einte ein Ziel: digitale Lösungen für eine gesunde, regionale und zugleich bezahlbare Verpflegung zu finden. Formate und Räume der ISS GUT! machten diesen Austausch möglich. „Wenn wir Ernährung neu denken wollen, müssen wir alle an einen Tisch bringen – Politik, Verwaltung, Produzenten und Küchen“, forderte Thomas Marbach, Leiter der ANSTALT für Koch- und Lebensmittelkultur. Für ihn war die ISS GUT! genau dieser Tisch.

Beim Gastro-Speed-Dating sitzen Landwirte und Köche gemeinsam an einem Tisch.
Foto: Leipziger Messe

Technik, die das Kochen leichter macht

Wie digitale Werkzeuge Küchen bei Einkauf, Planung und Umsetzung unterstützen können, wurde auf der ISS GUT! ganz konkret gezeigt:

United Against Waste machte mit Abfallanalysen sichtbar, wo in Großküchen Lebensmittel verloren gehen. Auf dieser Basis entstehen smartere Speisepläne, die Verschwendung verringern und Abläufe effizienter machen.

Einen anderen Ansatz verfolgt der Robotic Kitchen Assistant von GoodBytz: Er bereitet täglich bis zu 3.000 Gerichte mit klassischen Kochtechniken zu. So bleibt Küchenkräften Zeit für kreative Aufgaben, während der Roboter repetitive Tätigkeiten übernimmt.

Der regionale Saisonkalender des FoodHub Leipzig beantwortet eine weitere wichtige Frage: Wie lassen sich regionale Produkte zuverlässig in die Speisepläne integrieren? Das digitale Tool zeigt, welche Lebensmittel in der Region gerade Saison haben, wer sie produziert – und wie sie in die Küchen gelangen. Auch Zubereitungstipps sind hinterlegt. So können Küchen saisonal im Voraus planen und Landwirte verlässlich liefern.

Eine weitere Perspektive brachte Ernährungsexpertin Sarah Schocke ein. Sie wirbt für „Speisepläne mit Mitbestimmungsfunktion“. Kinder sollen selbst entscheiden können, was sie essen – nur so entsteht Akzeptanz für gesundes Essen und ein spielerischer Zugang zu Ernährungskompetenz.

Auch die kommunale Verwaltung erhielt konkrete Argumente: Investitionen in digitale Küchenstrukturen sparen langfristig Kosten, verbessern Abläufe und bringen mehr Qualität auf die Teller.
9.800 Fachbesucher nutzten die Angebot der ISS GUT!. Mehr als 180 Teilnehmende diskutierten bei der Fachtagung aktuelle Themen.
Foto: Leipziger Messe

Wenn die Bäuerin den Koch trifft

Wie regionale Versorgung heute funktionieren kann, demonstriert der FoodHub Leipzig. Die Plattform bringt Produzenten, Handel und Großküchen zusammen, um Lebensmittel aus einem Umkreis von unter 100 Kilometern planbar zur Verfügung zu stellen.

„Wir bringen Küche und Landwirtschaft in direkten Kontakt“, erklärt Thomas Marbach. „Daraus entstehen nicht nur neue Rezepte, sondern auch neue Wertschätzung.“ Neben digitalen Tools wie Saisonkalender und Großanzeigen-Marktplatz gehören auch analoge Formate wie Speed-Datings und die „Köche Safari“, die professionelle Köchinnen und Köche zu Produzenten im Leipziger Umland führt, dazu. Sie schaffen Vertrauen – und kurze Wege.

In Kitas und Schulen zeigt sich die Wirkung unmittelbar: Kinder erkennen Zutaten wieder, fragen nach Herkunft und Verarbeitung und essen bewusster. Regionale Küche wird zum Lernmoment.

ISS GUT!
Gemeinsam kochen, ausprobieren und lernen: Auf der ISS GUT! wird Ernährung für Kinder erlebbar. Foto: Leipziger Messe

300 Kilogramm Edamame-Bohnen gerettet

Wie Regionalität im Großen gelingen kann, zeigte die Leipziger Messe auch selbst. Mit fairgourmet nutzt sie Strukturen, die auf der ISS GUT! diskutiert werden, im eigenen Betrieb – und macht sie so erlebbar.

Ein Beispiel machte auf der ISS GUT! die Wirkung digitaler Vernetzung greifbar: Ein Landwirt stellte über den Großanzeigen-Marktplatz 300 Kilogramm Edamame ein, die er nicht verkaufen konnte. fairgourmet übernahm die Bohnen, verarbeitete sie in der Messeküche – und rettete sie so vor der Abfalltonne.

„Die Leipziger Messe hat verstanden, dass Regionalität nur funktioniert, wenn man Menschen zusammenbringt“, lobte Marbach. „Und genau das macht sie möglich.“

Was bleibt: Regionalität in der Praxis

Die ISS GUT! ist mehr als eine Messe. Sie ist Treffpunkt, Labor und Ideenwerkstatt für zukunftsfähige Ernährung. Auf der Fachtagung zur Kita- und Schulverpflegung entstanden aus Gesprächen konkrete Lösungen – von digitalen Tools über regionale Strukturen bis hin zu neuen Formen der Beteiligung.

Der FoodHub Leipzig zeigt, wie Regionalität in der Praxis gelingt. Die Leipziger Messe geht voran und beweist: Nachhaltigkeit beginnt am eigenen Standort – und wirkt weit über das Messegelände hinaus.

Die nächste ISS GUT! findet im November 2027 auf der Leipziger Messe statt.