Messe Magazin

Wenn heute auf der Leipziger Messe Tausende Besucher durch moderne Hallen strömen, ahnt kaum jemand: Der Grundstein für das bunte Messegeschehen wurde vor 860 Jahren gelegt. Im Jahr 1165 besiegelte ein mächtiger Mann die Zukunft Leipzigs in einem kurzen Dokument, das heute als Stadtbrief von Otto dem Reichen bekannt ist.

Ein Schriftstück, das Geschichte schrieb

Die Urkunde ist ungefähr so groß wie DIN A5 und trägt ein Reitersiegel, das kurioserweise auf dem Kopf steht. Wichtiger als jenes Detail ist jedoch der Inhalt des Dokuments. Otto bestätigte Leipzig darin nicht nur das Stadtrecht und damit das Recht, einen Markt abzuhalten. Er versprach auch, die neuen Bürger von Abgaben weitgehend zu verschonen. Nur im absoluten Notfall, etwa bei einem Kriegszug über die Alpen, durfte eine geringe Abgabe erhoben werden.

Ein besonders schlauer Schachzug: Otto verbot Konkurrenzveranstaltungen im Umkreis von einer Meile rund um die Stadt, was vermutlich einem Radius von 7,5 Kilometern entsprach. Dieser Schutzbereich, die sogenannte Bannmeile, sicherte Leipzig einen entscheidenden wirtschaftlichen Vorteil. Auch wenn in der Urkunde noch nicht ausdrücklich das Wort „Messe“ fiel: Sie gilt als die Geburtsstunde des Leipziger Handelsplatzes.

Fotografie eines Leipziger Stadtbriefes mit Stadtsiegel, ausgestellt 1156 bis 1170.
Bildnachweis: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig/Inv.-Nr. F/X/3

Der Stadtbrief selbst ist nicht datiert. Er entstand vermutlich erst zwischen 1170 und 1216. Trotzdem gilt seit den 1950er-Jahren offiziell 1165 als das Jahr, in dem Leipzig das Marktrecht erhielt. Warum? Weil die Stadt spätestens seit diesem Zeitpunkt nachweislich als Handelsplatz wuchs.

Ein Standort mit strategischem Vorteil

Leipzig hatte damals einen unschlagbaren Vorteil: die Lage an der Kreuzung zweier wichtiger europäischer Handelsstraßen, der Via Imperii und der Via Regia. Die Via Imperii verband Rom mit der Ostsee. Die Via Regia zog sich von der iberischen Atlantikküste bis nach Kiew und Moskau. 

 

Wer von Süd nach Nord oder von West nach Ost wollte, kam unweigerlich nach Leipzig. Die Kreuzung war ein Magnet für Händler. Sie brachten Waren, Ideen und Nachrichten in die Stadt und schnell wuchsen die Märkte. Der Stadtbrief wiederum schuf einen rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmen und ebnete so den Weg, dass Leipzig sich zu einem bedeutenden Umschlagplatz entwickeln konnte.

Von der Messe zum Jahrmarkt zur Messe

Im Mittelalter fielen Jahrmärkte und Messen oft zusammen. Kaufleute reisten von weither an und boten ihre Waren rund um die Kirchen an – meistens nach der christlichen Messe. Daher auch der Name „missa“. Ursprünglich bezeichnete das lateinische Wort den Moment, in dem der Priester die Gemeinde nach dem Gottesdienst mit „Ite, missa est“ (dt. „Geht hin, es ist die Aussendung“) entließ. Im Anschluss sammelten sich Gläubige und Händler an den Marktständen vor den Kirchentoren. So kam es, dass der einst rein kirchliche Begriff nach und nach zum Synonym für das Marktgeschehen wurde.

Blick auf den Nikolaikirchhof mit Markständen, Händlern und Käufern. Um 1850.
Bildnachweis: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Inv.-Nr. 2130

Was vom Stadtbrief geblieben ist

Heute ist Leipzig ein globaler Messestandort und die Leipziger Messe ein international agierendes Unternehmen. Geblieben ist die Idee, die Otto der Reiche einst auf Pergament bannte: Schutz, Förderung und Freiheit für Handel und Wandel.

Aber was ist Crowd Management eigentlich? Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem IOSB? Und was kann sich daraus entwickeln? Antworten gibt Johannes Graubner, Leiter der Abteilung für Sicherheit und Verkehrsorganisation bei der Leipziger Messe.

Johannes Graubner, Leiter der Abteilung für Sicherheit und Verkehrsorganisation bei der Leipziger Messe
Foto: Leipziger Messe

Herr Graubner, was bedeutet Crowd Management eigentlich? 

 

Crowd Management umfasst bei der Leipziger Messe das Management von großen Personenmengen bei den Veranstaltungen. Das heißt: die komplette Planung und Steuerung der Besucherströme von der Anreise bis zur Abreise mit Blick auf Sicherheit und Servicequalität. Unser Ziel ist ein reibungsloser und sicherer Messebesuch.  Das beginnt bei der richtigen Kommunikation der Anfahrtswege und Einlasszeiten, geht über die Steuerung der Besucherbewegungen auf dem Gelände durch Ausschilderungen bis hin zur Notfallplanung. Die konkreten Bewegungen von Menschenmengen sind schwer vorhersehbar, daher setzen wir auf Konzepte, die auf menschliches Verhalten und Bedürfnisse eingehen, um Sicherheit und Komfort zu gewährleisten.

 

 

Welche Konzepte sind das beispielsweise?

 

Ein wichtiges Konzept im Crowd Management ist die „Customer Journey“. Wir betrachten den gesamten Weg des Besuchers von der Anreise bis zur Abreise. Wir analysieren, welche Informationen er benötigt und wie er diese effektiv bekommt. Dadurch vermeiden wir im besten Fall Staus und sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Ein weiteres Konzept zur Analyse und Strukturierung von Maßnahmen für Veranstaltungen mit großen Menschenmengen ist die „DIM Matrix“. Das ist im Grunde eine Tabelle, die den Ist- und den Soll-Zustand der jeweiligen Veranstaltung abbildet, gegliedert in die Bereiche Design/Infrastruktur, Information und Kommunikation sowie Management/Organisation. Wir betrachten diese Aspekte in Phasen wie Einlass, Aufenthalt und Auslass. So können wir gezielt planen und auf mögliche Probleme reagieren.

 

Haben Sie Beispiele, welche Maßnahmen für effektives Crowd Management während einer großen Veranstaltung der Leipziger Messe geplant werden könnten?

 

Solche Maßnahmen sind natürlich auch das Ergebnis von Erfahrungen und Lernprozessen. Wir wollen die Herausforderung langer Schlangen an den Eingängen beispielsweise in Zukunft durch ein Leitsystem lösen. Statt einer geraden Warteschlange wird es dann eine mäanderförmige Wegeführung geben, wie man sie aus Freizeitparks oder von Flughäfen kennt. Außerdem sollte die Beschilderung bei großen Besuchermengen höher gehangen werden, damit sie über viele Köpfe hinweg sichtbar bleibt. So finden Aussteller und Besucher ihren jeweiligen Eingang schneller. Was wir bei der Leipziger Buchmesse bereits machen: In den Glasröhren zwischen Glashalle und Messehallen gibt es Geländer als räumliche Teilung, die eine Kollision von Besucherströmen verhindern.

Besucher in der Eingangshalle Ost der Leipziger Messe zur Leipziger Buchmesse
Foto: Leipziger Messe

Crowd-Management-Maßnahmen, die Veranstaltungen angenehmer und sicherer machen – ein Überblick:

  1. Optimierte Besucherführung: Durch mäanderförmige Warteschlangen wie an Flughäfen kann die Wartezeit angenehmer gestaltet werden. Besucher haben klare Wege und drängeln deutlich weniger.
  2. Bessere Kommunikation: Überkopfbeschilderung hilft, dass Informationen auch bei großen Menschenmengen sichtbar bleiben. Das kann verhindern, dass Besucher sich verlaufen oder falsche Eingänge nutzen.
  3. Personaleinsatz vor Ort: Servicepersonal, das mit Flyern und wichtigen Informationen ausgestattet ist, kann vor Ort Fragen direkt beantworten und Orientierung bieten.
  4. Technologie-Einsatz: Systeme, die Warteschlangen und Besucherströme automatisch erkennen und analysieren, können helfen, Engpässe frühzeitig zu identifizieren und Maßnahmen zu ergreifen.
  5. Service-Level-Optimierung: Der Veranstalter sorgt dafür, dass die Besucherdichte angenehm bleibt, damit sich Besucher frei bewegen können und sich nicht gedrängt fühlen. Dies erhöht die Aufenthaltsqualität und Zufriedenheit.

Ein Baustein des Crowd Managements ist das Crowd Monitoring, also die Auswertung der konkreten Verteilung von Besuchern auf der jeweiligen Fläche. Über diese Verteilung sagt die Zahl der Zutritte allein noch nichts aus, wie beispielsweise der Blick auf ein Konzert zeigt, wo die Besucherdichte in den ersten Reihen wesentlich höher ist als im restlichen Raum. Crowd Monitoring mittels Kameraeinsatz und Sichtkontrolle auf Monitoren ist gerade bei großen Veranstaltungen eine Herausforderung und erfordert langjährige Erfahrung. Und doch bleibt der Blick auf die Monitore stets ein subjektiver. Bei der Frage, wie KI beim Crowd Monitoring eingesetzt werden kann, kommt das Fraunhofer IOSB ins Spiel.

 

 

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut und worum geht es bei der Kooperation?

 

Der Kontakt zum Fraunhofer-Institut entstand direkt nach der UEFA EURO 2024. Auf der Fan Zone Augustusplatz in der Leipziger Innenstadt haben wir das KI-gestützte Crowd-Monitoring-System das erste Mal im Einsatz gesehen und fanden es sehr gut. Die Wissenschaftler des Fraunhofer IOSB waren begeistert, mit der Leipziger Messe zusammenarbeiten zu können und sind es noch heute. 

Fraunhofer IOSB – Crowd Monitoring
für Großveranstaltungen

Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) entwickelt innovative Assistenzsysteme für die Sicherheit bei öffentlichen Veranstaltungen. Durch den Einsatz von Videoauswertung und künstlicher Intelligenz werden Menschenmengen analysiert und Gefahren frühzeitig erkannt. Kennzahlen wie Personenverteilung und Bewegungsverhalten helfen, Engstellen und Stauungen zu identifizieren. Dabei steht der Datenschutz im Fokus: Privacy by Design minimiert die Erfassung personenbezogener Daten. Ziel ist es, Veranstaltern und Einsatzkräften wertvolle Unterstützung zu bieten und gefährliche Situationen bereits in der Planungsphase zu verhindern.

Was genau macht das System?

Das Monitoring-System greift auf die Daten unserer existierenden Kameraüberwachung zu, um die Personendichte und -verteilung auf der Veranstaltung zu analysieren. Die KI erkennt und zählt Köpfe – ohne Gesichtserkennung und ohne das Erfassen biometrischer Daten. Die KI erfasst quasi in Echtzeit die Anzahl von Köpfen pro Quadratmeter und berechnet die Besucherdichte. Auf dem Monitor werden uns dann grüne, gelbe und rote Bereiche angezeigt. Ein durchschnittlicher Wohlfühl-Wert liegt bei zwei Personen pro Quadratmeter – das wäre grün. Ein kritischer Schwellenwert sind fünf Personen pro Quadratmeter. Das Ergebnis ist eine Art bunte Kartendarstellung, die kritische Bereiche sofort erkennen lässt. 

Darstellung der ankommenden Besucher vor der Glashalle nach KI-Erkennung
Quelle: Fraunhofer IOSB

Wie steht es dabei um den Datenschutz?

Die Arbeit mit dem System ist hundertprozentig datenschutzkonform, da weder Informationen gespeichert noch Personen identifiziert oder individuelle Bewegungen verfolgt werden. Unser betrieblicher Datenschutzbeauftragter hat die Einführung des Systems begleitet und sehr genau auf diese Aspekte geachtet.

Was haben Sie bisher aus der Kooperation mit dem Fraunhofer IOSB gelernt?

Für uns war es äußerst spannend, bei einem Testlauf während der Manga-Comic-Con in Halle 1 die Besucherdaten in Echtzeit analysieren zu können. Das System hat uns gezeigt, welche Areale besonders stark frequentiert sind und wo es potenzielle Engpässe gibt. Diese Erkenntnisse helfen uns, die Sicherheit und den Komfort der Besucher weiter zu verbessern. Zudem erlauben sie datenbasierte Analysen und wir können beispielsweise nachweisen, dass zu keiner Zeit kritische Personendichten erreicht wurden. Dem subjektiven Empfinden können wir konkrete Daten gegenüberstellen.

Und was kann aus Ihrer Sicht in Zukunft aus der Arbeit mit der KI entstehen?

Wir haben großes Interesse daran, das System weiterzuentwickeln und zu optimieren. Ich könnte mir vorstellen, dass wir beispielsweise die Auswertung noch detaillierter gestalten, um die Frequenz an bestimmten Ständen zu erfassen und daraus Rückschlüsse auf die Platzierung von Ausstellern zu ziehen. Außerdem wäre es möglich, das System so zu erweitern, dass es automatisch Warteschlangen erkennt und uns frühzeitig warnt. So könnten wir die Besucherströme noch besser steuern und den Veranstaltungsbesuch für jeden Einzelnen zu einem angenehmen Erlebnis machen.

Herr Graubner, vielen Dank für das Gespräch.  

1925 – Untergrundmessehalle

Wer den Leipziger Marktplatz kennt, staunt sicher nicht schlecht über dieses Bild. Ein riesiges Loch direkt vor dem alten Rathaus. Was war da los?

Für die erste Frühjahrsmesse nach dem Ersten Weltkrieg hatte der Stadtrat im Jahr 1919 hölzerne Stände auf dem Marktplatz genehmigt. Diese Genehmigung war allerdings befristet bis zur Herbstmesse 1924. Doch auch danach sollte der attraktive Messeplatz im Herzen Leipzigs erhalten bleiben. Die Stadt machte aus der Not eine Tugend und so entstand zwischen 1924 und 1925 das erste unterirdische Ausstellungsgebäude der Welt – die Untergrundmeßhalle. Die Architekten Otto Droge und Carl Crämer planten diese Mammutaufgabe und das Leipziger Unternehmen Eduard Steyer setzte sie in Rekordzeit um.

Übrigens: Mit dem Bau des City-Tunnels waren die Messen unter dem Marktplatz Geschichte, aber seitdem dient das alte Porphyr-Portal als Eingang zur S-Bahn-Station „Markt“.

1441 – die Schaustellerei zu den Leipziger Messen

Bereits in der frühen Neuzeit war es üblich, dass nicht nur der Handel im Mittelpunkt stand, wenn im Frühjahr und Herbst die Geschäftsleute zu den Leipziger Messen kamen. Seit jeher hatte dann auch das kunterbunte Treiben der Schaustellerei einen wichtigen Platz in der Stadt und sorgte für Erstaunen und Unterhaltung. Die ersten Gastspiele zur Messezeit verzeichnen die Chroniken zwar erst 1441, doch Gaukler, Akrobaten und andere Künstler kamen schon seit dem Mittelalter von den Höfen in die Städte und präsentierten ihre Darbietungen auf den Jahrmärkten.

Spektakel speciale – Beispiele der Schaustellkunst

Lange Zeit fester Bestandteil der Leipziger Messen, heute ein separater Veranstaltungsort am Cottaweg – die Leipziger Kleinmesse. Hier ein Plakat aus dem Jahr 1958, Bildnachweis: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Inv.-Nr. PL 58/1

Belege der Spektakel zu den Messen im Zentrum der Stadt gibt es viele. Bei manchen sucht man aber vergebens die Verbindung zu Handel und Gewerbe.

 

1570 zum Beispiel balancierte ein wagemutiger Akrobat auf einem Seil vom Rathausturm bis zum Haus des Bürgermeisters. Im 17. Jahrhundert demonstrierten Muskelmänner übermenschliche Kräfte und Feuerspucker beeindruckten das Publikum mit ihrem Mut. Und dann noch das: 1701 ist die Vorführung eines „Mannes mit unglaublich festem Magen“ dokumentiert. Er soll ganze Schafe samt Fell und sogar Steine verschlungen haben.

 

Als der Platz im Stadtzentrum knapp wurde, zogen die Schausteller an den Stadtrand. Ihre Tradition lebt bis heute in der Kleinmesse fort, die zweimal jährlich als Volksfest stattfindet – ein lebendiges Stück Messegeschichte, das sich durch alle Epochen hindurch erhalten hat.

1525 – Auerbachs Keller wird eröffnet

Die Mädler-Passage wird heute nicht mehr als Messehof genutzt, doch das Messemännchen schaut immer noch gern bei Auerbachs Keller vorbei, Foto: Leipziger Messe

Eines der wohl berühmtesten Restaurants Sachsens feiert dieses Jahr 500-jähriges Jubiläum. 1525 öffnete der Arzt und Universitätsprofessor Heinrich Stromer von Auerbach seinen Weinkeller als Gaststube – vor allem für Studenten. Nur drei Jahre später lässt er das alte Haus zu einem modernen Wohn- und Messehaus ausbauen. Ab da boomt der Umsatz. 1534 zahlt Stromer fast ein Drittel der gesamten Weinsteuer der Stadt.

Im Laufe der Jahrhunderte besuchten zahllose berühmte Persönlichkeiten wie Johann Wolfgang Goethe, E. T. A. Hoffmann oder Lene Voigt die Gaststube – viele von ihnen nach einem Messebesuch in den angrenzenden Messehäusern.

Die Geschichte, die Auerbachs Keller weltberühmt gemacht hat, ist die Tragödie „Faust“ von Johann Wolfgang Goethe. Darin reitet Doktor Faustus zusammen mit dem Teufel auf einem Weinfass aus dem Keller. Die Geschichte bedient sich bei der historischen Faustfigur, einem Wunderheiler und Magier, der um 1541 bei alchimistischen Experimenten sein Leben verloren haben soll. Faust und Mephisto in Bronze markieren bis heute den Eingang zu Auerbachs Keller in der Mädler-Passage.

 

Auch in jüngster Geschichte blieb die Gaststube nicht von Teuflischem verschont. Der Immobilienmakler Jürgen Schneider trieb Mitte der 1990er-Jahre mit geplatzten Millionenkrediten die Mädler-Passage und damit auch Auerbachs Keller in den Ruin.

 

Aber schon am 12. April 1996, am selben Tag wie das neue Messegelände, wurde die traditionsreiche Gasstätte wieder eröffnet. Ein Erfolg, der bis heute anhält.

1946 – Friedensmesse – erste Messe nach dem Krieg

Messe zwischen Ruinen – ob das Foto 1946 zur ersten Friedensmesse oder erst 1947 entstanden ist, ist nach aktuellen Recherchen des Leipziger Stadtarchivs nicht eindeutig festzustellen, Bildnachweis: Leipziger Stadtarchiv, 0563 (Fotosammlung), Nr. 38674

Am 8. Mai 1946, genau ein Jahr nach der Kapitulation des Dritten Reiches, erließ der Chef der sowjetischen Militäradministration in Deutschland, Wassili Sokolowski, den Befehl: „Zur Förderung des Handels und der Industrie in der sowjetischen Besatzungszone ist die alljährliche Durchführung der Leipziger Messe wiederaufzunehmen. Die 1. Leipziger Messe ist vom 8. bis 12. Mai 1946 durchzuführen.“

 

170.000 Besucher kamen zur ersten Frühjahrsmesse der Nachkriegszeit und verpassten der Stadt einen gehörigen Aufschwung. Über 2.700 Aussteller präsentierten sich in fünf, oft notdürftig instand gesetzten Messehäusern. Und natürlich nutzte auch die Politik die Gunst der Stunde: Der damalige Vorsitzende der aus der Zwangsvereinigung von KPD und SPD hervorgegangenen Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), Wilhelm Pieck, lobte Leipzig als Paradebeispiel einer sozialistischen Gesellschaft über alle Maßen. Den Besucherinnen und Besuchern war es egal. Sie feierten lieber ausgelassen auf der ersten Kleinmesse seit 1939.

Die Leipziger Messe als politische Bühne

Der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß wird 1987 erneut vom DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker auf der Leipziger Messe empfangen, Bildnachweis: Bundesarchiv 183-1990-0226-315

Die Leipziger Messe stand bereits nach dem Ende des Krieges 1945 wieder hoch im Kurs. Bis 1989 bliebt sie ein zentraler Ort politischer Repräsentation. Ein regelmäßiger Messerundgang gehörte für die Staats- und Parteiführung der DDR faktisch zum Pflichtprogramm. Und auch ausländischen Gästen wurden so oft es ging auf der Messe die „Errungenschaften des Sozialismus“ präsentiert. Darunter fielen unter anderem:

 

  • 1958 – Vorstellung des Pkw Trabant auf der Herbstmesse

  • 1965 – Vorstellung des ersten programmgesteuerten elektronischen Lochkartenrechners der DDR

  • 1969 – Erste Datenfernübertragung Leipzig-Moskau-Leipzig

In all den Jahren war die Messe in Leipzig erstens ein Treffpunkt der Diplomatie hinter den Kulissen. 1984 beispielsweise empfing der Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, den damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß während der Frühjahrsmesse zu informellen Gesprächen in Leipzig. Zwei weitere Male – 1985 und 1987 – trafen sie sich in Leipzig erneut – und jedes Mal auf dem alten Messegelände.

 

Zweitens war sie das Eingangstor für westliche Unternehmen, die Geschäfte mit dem Ostblock machen wollten. Volker Lange, 1982 bis 1987 Hamburger Senator für Wirtschaft, Verkehr und Landwirtschaft, erinnert sich: „Die Frühjahrs- und die Herbstmesse in Leipzig waren für die Unternehmen weltweit Pflicht – und für die westdeutschen sowieso. Auch ich war in meiner Funktion als Hamburger Wirtschaftssenator alljährlich zwei Mal in Leipzig. Seinerzeit habe ich in den sozialistischen Staaten neben anderen auch die Messe in Budapest besucht. Doch ich stellte fest, dass die Leipziger Messe im Ostblock konkurrenzlos war. Wie wichtig diese seinerzeit war, verdeutlicht meiner Meinung nach eine Zahl recht deutlich: Allein aus Hamburg waren stets etwa 150 Unternehmen präsent.“

Leipzig als Zentrum des Pelzhandels und sein Niedergang mit der Shoah

Unzählige Menschen laufen täglich über den Brühl, aber kaum jemand ahnt, dass diese Straße einst das Zentrum des weltweiten Pelzhandels war. Leipzig hatte 1928 über 800 Rauchwarenhandlungen und die Branche war der größte Steuerzahler der Stadt.

Exkurs Rauchwarenhandlung:

Eine Rauchwarenhandlung ist ein Betrieb, der sich auf den Handel mit Pelzfellen spezialisiert. Der Begriff „Rauchwaren“ hat nichts mit „Rauch“ zu tun, sondern leitet sich vom Adjektiv „rauch, rauh/rau“ ab, das „zottig, behaart“ bedeutet.

Möglich hatten das die Leipziger Messen gemacht: Hier trafen sich seit dem 15. Jahrhundert Händler aus Russland, Polen und ganz Europa und brachten Karawanen voller Felle und Rohstoffe mit. Der Pelzhandel hatte sich nach dem Untergang der Hanse vom Wasser auf die Straße verlagert. Seine gute Lage machte Leipzig somit zum Dreh- und Angelpunkt im Ost-West-Handel.

 

Im 19. Jahrhundert befeuerten gesetzliche Neuerungen und die Gewerbefreiheit den Boom des Rauchwarenhandels in der Stadt. In den Straßen rund um den Brühl herrschte reges Treiben wie auf einem Basar. Die umliegenden Höfe nutzten die Händler als Umschlagplätze für ihre Ware. In den Häusern waren die Läden und Büros eingerichtet.

 

Der letzte Höhepunkt dieser „goldenen Zeit“ war die sogenannte IPA 1930. Zu dieser internationalen Pelzfach-Ausstellung präsentierten 285 Aussteller aus 24 Ländern 17 Wochen lang Pelze aus aller Welt. Die Läden der Unternehmen am Brühl wurden dafür teilweise originalgetreu an eigens errichteten Messehallen am Völkerschlachtdenkmal nachgebaut. Die Besucher konnten sich vor Ort in einer Art „Gläserner Manufaktur“ die Arbeit der Zurichter, Färber und Kürschner anschauen.

 

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zerfiel der Rauchwarenhandel in Leipzig. Grund dafür: Ein Großteil der Geschäftsleute war Juden. Schon 1425 hatte der damalige Kurfürst Friedrich I. einen Schutzbrief für die Leipziger Juden ausgestellt und die schon damals hohe Bedeutung ihrer Geschäftstätigkeit im Rauchwarenhandel erkannt.

Seine Propaganda bestärkte den Antisemitismus und schuf in der Bevölkerung das für die Shoah notwendige Feindbild – Joseph Goebbels, Propagandaminister des nationalsozialistischen Regimes, besucht die Leipziger Messe im Jahr 1934, Bildnachweis: 102-15582

Mehr als 20.000 Leipzigerinnen und Leipzigern wurden während des Nationalsozialismus als Juden verfolgt. Etwa 13.000 waren 1925 noch in der Jüdischen Gemeinde aktiv. Viele konnten sich dank ihrer internationalen Geschäftsbeziehungen aus dem Rauchwarenhandel in zunächst friedliche Nachbarländer wie die Niederlande, Belgien oder die Tschechoslowakei absetzen. Die weniger Vermögenden konnten jedoch nicht fliehen. Das betraf oftmals auch jüdische Handwerker und Händler im Rauchwarenhandel, zumeist vor wenigen Jahrzehnten aus Russland oder Polen immigriert. In der Datenbank „Leipziger Opfer der Shoah“ des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig ist eine sicher recherchierte Zahl von 5.724 ermordeten Leipziger Jüdinnen und Juden verifiziert. Die Datenbank gibt auch den vorherigen Beruf der Ermordeten an: 154 waren Kürschner, 270 waren im Handel mit Rauchwaren tätig, weitere in anderen, verwandten Berufen tätig. Hinzuzuzählen zur Zahl derer, die ihren Lebensunterhalt durch den Rauchwarenhandel und den Messestandort Leipzig sichern konnten, sind in einigen Fällen mit Sicherheit auch jene Menschen, bei denen als Angabe „Ehefrau“ vermerkt ist.



Eine Inschrift des Gedenksteins an der ehemaligen Synagoge im Kolonnadenviertel und heutigen Mahnmals erinnert ungenauerweise an 14.000 jüdische Leipziger, die dem faschistischen Terror zum Opfer fielen. Der Stein wurde in den 1960er-Jahren errichtet. Heute ist davon auszugehen, dass sich damals auf die Zahl sowohl der Vertriebenen als auch der Ermordeten bezogen wurde.

Der Gedenkstein am Mahnmal für die Ermordeten der Shoah im Leipziger Kolonnadenviertel wurde in den 60er-Jahren aufgestellt. Die Angabe „14.000 Opfer des faschistischen Terrors“ bezieht sich aller Wahrscheinlichkeit nach sowohl auf die Zahl der Vertriebenen als auch der Ermordeten.

Nach der Shoah verlagerte sich der Pelzhandel in die amerikanische Besatzungszone nach Frankfurt am Main. Dort entstand der „Neue Brühl“. Die DDR versuchte mit dem „VEB Brühlpelz“ in den 1960er-Jahren eine kurze Renaissance des Rauchwarenhandels in Leipzig. Mit der Ermordung und Vertreibung der Leipziger Juden waren allerdings auch ihr Wissen und ihre Netzwerke vernichtet worden und der Versuch scheiterte.

1995 – der „Glockenturm“ der Leipziger Messe

Weithin sichtbar: der Messeturm mit dem allseits bekannten Doppel-M der Leipziger Messe, Foto: Leipziger Messe, Silvio Bürger

Die 85 Meter hohe Campanile auf dem Messegelände ist eigentlich gar kein Turm, sondern ein Schornstein für die Heizkessel und Notstromaggregate, die sich direkt darunter befinden. Die ausführenden Architekten von Gerkan, Marg und Partner beschrieben ihn 1995 so: „Ein nach dem Outrigger-Prinzip [Anm.d.Red.: Ausleger-Prinzip] ausgesteifter Mast aus Stahlrohren, stabilisiert die vier nichttragenden Kamine. Biege- und Querkräfte werden von der Tragkonstruktion getrennt abgeführt und sichtbar gemacht. Gussteile verbinden die Stahlrohre untereinander und dienen der Verankerung der vier vorgespannten, von unten nach oben abgestuften Seilstränge.“ Eine bloße Esse ist er aber trotzdem nicht. Er trägt an allen vier Seiten das Doppel-M und ist somit seit 30 Jahren das weithin sichtbare Wahrzeichen des Messegeländes.

Ein herzliches und großes Dankeschön geht an die Archivarinnen Heike Gärtner vom Stadtarchiv Leipzig, Friederike Degner vom Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig, Birgit Richter vom Sächsischen Staatsarchiv Leipzig und Britta Weyel vom Bundesarchiv in Koblenz für ihre Mühen beim Heraussuchen des Bildmaterials und der zusätzlichen Recherche bezüglich einiger der hier gezeigten Bilder! Ein ebenso herzliches und großes Dankeschön auch an Johanna Sänger, Kuratorin für Stadt- und Landesgschichte ab 1800, beim Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig für ihre schnelle, umfassende und unkomplizierte Unterstützung bei der Recherche zu den Zahlen der ermordeten und verfolgten Leipziger Jüdinnen und Juden. Die gesamte Datenbank des Stadtgeschichtlichen Museums zu den Leipziger Opfern der Shoah finden Sie hier.

Verwendete Quellen

Was genau war los in diesem Mai 2025?

Es gab Weltklassesport – mit den Europameisterschaften im Gerätturnen in HALLE:EINS. Parallel dazu war die Leipziger Messe zentraler Austragungsort des Internationalen Deutschen Turnfestes. Heißt: Die Mehrheit der insgesamt 23 Turnfest-Sportarten erlebten Besucher in vier Messehallen und der Glashalle der Leipziger Messe. Dazu gab es mehrere Open-Air-Festivalformate im Messepark und 200 Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Caravan-Stellplatz. Nicht zu vergessen: In einem Segment von Halle 2 und im Congress Center Leipzig (CCL) fand gleichzeitig der Deutsche Ärztetag, die Jahreshauptversammlung der Bundesärztekammer statt. So blieb tatsächlich kein Fleckchen des Messegeländes ungenutzt. Darüber hinaus lud die Turnfest-Akademie in die KONGRESSHALLE am Zoo Leipzig ein.

Zum Turnfest kamen 80.000 Sportlerinnen und Sportler sowie bis zu 800.000 Gäste nach Leipzig – die meisten davon auch aufs Messegelände.
Foto: FAIRNET

Internationales Deutsches Turnfest: Auf Umwegen zurück nach Leipzig

Simone Dietz ist Prokuristin der Leipziger Messe Gastveranstaltungen GmbH. Zusammen mit ihrem Team war sie die erste Ansprechpartnerin für die Veranstalter von Turnfest und Turn-EM, allen voran für das Leipziger Organisationskomitee des Vereins Deutsche Turnfeste und den Deutschen Turner-Bund. Bis zum eigentlichen Start musste das Turnfest 2025 übrigens mehrere Anläufe nehmen. Bereits im Mai 2017 übernahm Leipzig in Berlin den Staffelstab und die Vorbereitungen fürs Turnfest 2021 begannen. Pandemiebedingt kam alles anders. Selbst eine „kleine Variante“ mit Wettbewerben ohne Publikum wurde abgesagt. Und auf dem Weg zum Turnfest 2025 entschied der Deutsche Turner-Bund schließlich noch, auch die Turn-EM nach Leipzig zu bringen. „Für uns hieß es im Sommer 2024 also: Umplanen!“, erinnert sich Simone Dietz. Warum? „Unsere HALLE:EINS war zu dieser Zeit bereits fest fürs Turnfest eingeplant und wir haben die gesamte Aufplanung der Halle geändert.“ Sommer 2024 – das war knapp ein Jahr vor Start des Turnfestes und damit schon in der heißen Phase der Vorbereitungen. Doch Spontanität und Flexibilität gehören zur Jobbeschreibung im Veranstaltungsgeschäft. Die geplanten Turnfest-Shows wurden in die Quarterback Immobilien Arena verlegt und HALLE:EINS bewies einmal mehr ihre Wandelbarkeit.

Schritt für Schritt wurde HALLE:EINS ab Mitte Mai 2025 für die Turn-EM vorbereitet.
Foto: Leipziger Messe

Alles unter einem Dach: Die Turn-EM in HALLE:EINS

Das Beste an der Standortwahl: Dank der Größe von HALLE:EINS konnten Training, Warm-up und die Wettkämpfe der Turn-EM unter einem Dach stattfinden. Unterteilt wurden die rund 20.000 Quadratmeter in Infield, Warm-up-Area und Office Bereiche, unter anderem mit Büros der Wettkampfleitung, Dopingkontrolle und Umkleiden. Mit dem messeeigenen Tribünensystem und weiteren Einbauten wurden 5.500 Zuschauerplätze geschaffen. Ab 23. Mai trainierten die Sportlerinnen und Sportler bereits unter Wettkampfbedingungen in HALLE:EINS. Am 26. Mai starteten die Qualifizierungsrunden und bis 31. Mai erlebte das Publikum hier sportliche Höchstleistungen, Gänsehautmomente und strahlende Medaillengewinner. Insgesamt traten 136 Turnerinnen und 165 Turner aus 37 Nationen an die Geräte.

Trainingsbereich zur Turn-EM in HALLE:EINS
Foto: Leipziger Messe

Von Ballfangnetz bis Bodenanker: Messehallen werden zur Sportarena

Drumherum verwandelte sich das gesamte Messegelände ab Mitte Mai: Auch die anderen vier Messehallen wurden auf den „Einzug“ der Sportgeräte vorbereitet. Dafür war das erfahrene Servicenetzwerk der Leipziger Messe gefragt. Beispielsweise standen auf der To-do-Liste der Messetochter FAIRNET die Ausstattung der Wettkampf- und Aktionsflächen mit Bühnen, Podesten, Beschallungs-, Licht- und Videotechnik, Raumbau und Bodenbeläge, Möblierung sowie das gesamte Branding von Besucherführung bis Werbeflächen. In allen Hallen wurden Tribünen für die Zuschauer errichtet – insgesamt 17 Tribünen mit Kapazitäten zwischen 300 und 1.500 Sitzplätzen. In der Glashalle wurden Showflächen, eine Bühne und zahlreiche Messestände aufgebaut.

Präsentationsflächen und Aussteller in der Glashalle zum Turnfest 2025
Foto: Leipziger Messe

Das Spannende für die Messeprofis:

Von den Abhängungen unterm Dach bis zum Boden gab es zahlreiche Einbauten, die der Messebetrieb sonst nicht kennt. So wurden an den Traversen nicht nur Sicht- und akustische Raumtrennungen angebracht, sondern auch Ballfangnetze. In den Messeböden wurden insgesamt 256 Bodenanker installiert, um die Stahlseile zur Sicherung der Turngeräte zu spannen. Neben Bodenbelägen wie Teppich und PVC wurden für die sportartspezifischen Böden großflächig Unterböden verlegt, beispielsweise Schwingböden mit federnder Struktur und stoßdämpfender Wirkung.

Einer von insgesamt 256 Bodenankern in den Böden der Messehallen, um die Sportgeräte sicher aufzustellen
Foto: Leipziger Messe

Eine weitere Herausforderung gab es aufgrund der langen Aufbauzeit: die Parallelität zu anderen Veranstaltungen. Der komplexe Aufbau für Turnfest und Turn-EM musste mit allen anderen Messen, Kongressen und Business Events auf dem Gelände eingetaktet werden. Nur wenige Stunden lagen beispielsweise zwischen dem Abbau der therapie LEIPZIG in HALLE:EINS und dem Aufbaubeginn für die Turn-EM. In Halle 5 waren die Rauchgasabzüge der WORLD OF FIREPLACES noch installiert, als schon die Bodenarbeiten fürs Turnfest begannen.

Eindrücke Gregor Baumert,
Team Event bei FAIRNET

Als Projektmanager war ich an der Planung der Turnflächen und technischen Anforderungen auf dem gesamten Messegelände beteiligt. Jede Sportfläche hatte ihre eigenen Herausforderungen – von speziellen Bodenaufbauten bis hin zu großen Tribünenlösungen. Während des Turnfestes war ich Venue Manager für die Hallen 3 und 5 – zwei zentrale Austragungsorte, in denen unzählige Wettkämpfe stattfanden. Ein besonderes Highlight: die Turnfest-Arena mit der Rhönrad-Weltmeisterschaft. Ich bin stolz, Teil eines Teams gewesen zu sein, das dafür gesorgt hat, dass tausende Sportlerinnen und Sportler unter optimalen Bedingungen ihre Leidenschaft leben und tolle Erinnerungen sammeln konnten.

Nicht zu vergessen: Um auch optimale Bedingungen für den Deutschen Ärztetag zu schaffen, wurde ein Viertel der Halle 2 optisch und akustisch abgetrennt und die Besucherströme sowie die Logistik von Anlieferungen, Auf- und Abbau separat koordiniert.

Deutscher Ärztetag 2025 auf der Leipziger Messe
Foto: Leipziger Messe

Einmal mit alles: Aus Messepark wird Festivalgelände

Und dann war da noch der Messepark. Die sonst nicht genutzte Open-Air-Fläche um den Hubschrauberlandeplatz auf dem Messegelände wurde zum Festivalgelände für bis zu 10.000 Besucher. Um eine verkehrssichere Fläche für den Aufbau von Bühne und Zelten zu schaffen, gab es im Vorfeld viel zu tun, angefangen bei der Bodenregulierung. Zudem wurde die gesamte Infrastruktur geschaffen – von Umzäunung und Schleusen über Bereiche für Gastronomie und Backstage bis hin zu Wasserversorgung und mobilen Toiletten. Ein großer Skyliner sorgt für eine Teilüberdachung der Fläche. Die Erhebung des Hubschrauberlandeplatzes wurde als natürliche Tribüne genutzt.

Aus dem Messepark wurde zum Turnfest ein Festivalgelände.
Foto: FAIRNET

Eindrücke von Luzie Edlich,
Team Event bei FAIRNET

Ich hatte die Projektleitung für den Messepark und habe mich um die komplette Realisierung der Fläche gekümmert – von Bühnenbau über die Technik und Umsetzung des Turnfest-Programms bis hin zu Toilettencontainern und allen notwendigen Versorgungsanschlüssen. Die größte Herausforderung: Der Messepark ist bislang nicht als Veranstaltungsfläche vorgesehen und es war erst die zweite Nutzung für eine Veranstaltung seit Eröffnung des Messegeländes. In dieser Variante wurde der Messepark sogar zum allerersten Mal genutzt. Es gab also wenig bis gar keine Erfahrungen mit dieser Fläche und einige Herausforderungen, bis es schließlich losgehen konnte. Mein Highlight: die Tuju-Party am Donnerstagabend. Es war schon sehr besonders, die Fläche in ihrer ganzen Gestaltung im Dunklen mit so vielen glücklichen Menschen zu erleben.

Rundum-Service – auch im Hintergrund

Wenn vom gesamten Messegelände die Rede ist, sind übrigens nicht nur Hallen und Freiflächen gemeint. Das Turnfest-Team hat auch im Messehaus zahlreiche Räume genutzt – etwa für das Akkreditierungszentrum, die Sicherheitszentrale, das Teilnehmenden-Management und das Fundbüro. Der Presseclub wurde zum Medienzentrum. In den Konferenzräumen gab es Workshops und Seminare. Darüber hinaus hat sich fairgourmet um die gesamte Verpflegung auf dem Messegelände gekümmert, in den Hallen genauso wie bei den Partys im Messepark. Hinzu kam technische Unterstützung im Hintergrund, damit beispielsweise alle Ticketinhaber problemlos aufs Messegelände gelangen konnten. Stichworte: Verkehrsmanagement und Eintrittsmanagement. 

Die Glashalle war der zentrale Eingang zum Turnfest auf dem Messegelände.
Foto: Leipziger Messe

Eine Aufgabe für die gesamte Unternehmensgruppe

Wenn Simone Dietz und Katja Kuhl von Leipziger Messe Gastveranstaltungen von einer besonderen Komplexität sprechen, sei auch erwähnt, dass die beiden schon das Turnfest 2002 auf der Leipziger Messe erlebt haben. Auch damals waren alle Hallen in Nutzung. „Aber damals war es ein reiner Mietvertrag und der Veranstalter hat sich um sämtliche Services und technische Dienstleistungen selbst gekümmert. Dieses Mal hat die Leipziger Messe Unternehmensgruppe auch die gesamte Geländeausstattung und Nebenleistungen übernommen und ihr gesamtes Serviceportfolio zum Erfolg der Veranstaltungen beigetragen“, erzählt Simone Dietz. Neben Leipziger Messe Gastveranstaltungen und FAIRNET war bei dem Event auch die ganze Bandbreite der fairgourmet gefragt und die Gastronomiespezialisten sorgten auf dem gesamten Messegelände für eine abwechslungsreiche Versorgung bis hin zu festivaltauglichen Angeboten im Messepark.

Detlef Knaack, Prokurist fairgourmet

Turn-EM, Turnfest, Deutscher Ärztetag, Turnfestakademie, parallel und an vielen Standorten – das war für uns eine besondere Herausforderung, natürlich auch logistisch. Allein bei der Turn-EM in HALLE:EINS haben wir neben den Getränke- und Speisenangeboten für Besucher auch die gesamte Versorgung der Sportler, des Organisationsteams und der VIPs übernommen. Auf dem Messegelände gab es an allen Veranstaltungstagen rund 30 Stände mit unterschiedlichen Angeboten, dazu kamen Mittagsangebote und die Versorgung von Schiedsrichtern, Trainern, VIPs et cetera. Besonderer Aufwand war mit dem Messepark verbunden, ein Highlight hier: die Tuju-Party mit vielen Tausend Besuchern an einem Abend. 

Einer von vielen Einsatzorten der fairgourmet während des Turnfestes
Foto: Leipziger Messe

Turnfest-Akademie in der KONGRESSHALLE

Apropos KONGRESSHALLE am Zoo Leipzig: Ja, noch eine weitere Location der Leipziger Messe war in das Großevent involviert. Und auch hier gab es ein Kontrastprogramm zu den sonst stattfindenden Kongressen und Ausstellungen. Gewissermaßen hieß es: Sport in Tagungsräumen.

Sport, wo sonst getagt wird: Turnfest-Akademie im Weißen Saal der KONGRESSHALLE
Foto: Leipziger Messe

Karoline Specht,
Projektmanagerin KONGRESSHALLE

Zehn intensive, aber großartige Tage und ein echtes Highlight für uns – das war die Turnfest-Akademie zum Internationalen Deutschen Turnfest in der KONGRESSHALLE. Auf dem Programm standen mehr als 400 Workshops und Vorträge in Bereichen wie Fitness, Neuroathletik, Kinderturnen und Vereinsmanagement – verbunden mit vielfältigen Aufgaben für mich, darunter die Abstimmung mit Technik, Catering, Reinigung, Bewachung und die Bestuhlung, die Planung der Saalausstattung und die enge Zusammenarbeit mit dem Organisationsteam. Eine knifflige Herausforderung: Unsere Säle für die vielen Sportgeräte und Teilnehmenden freizubekommen – in einem denkmalgeschützten Haus ohne eigene Lagerflächen gar nicht so leicht. Also hieß es: kreativ werden und Mobiliar auslagern. Auch die engen Zeitfenster zwischen Vor- und Nachveranstaltungen erforderten viel Absprache und einen kühlen Kopf. Umso schöner war es, dass nach dem dreitägigen Aufbau während der fünf Akademie-Tage alles reibungslos lief und wir durchweg positives Feedback von Gästen, Referierenden und dem Orga-Team bekommen haben. Das macht mich richtig stolz. Denn so ein Event steht und fällt mit dem Team und das Zusammenspiel aller Beteiligten war einfach stark. Die Turnfest-Akademie hat mir einmal mehr gezeigt, wie wandelbar und besonders die KONGRESSHALLE ist: mit ihrer Jugendstil-Architektur, den flexiblen Räumen und einem Team, das auch in stressigen Phasen zusammenhält.

Impressionen

Mirko Kunze bezeichnet sich als Generalist. Eine überraschende Aussage von einem Elektromeister – zumindest für all jene, die froh sind, das verletzungsfreie Anschließen einer Lampe ohne YouTube-Tutorial zu ihrer Allgemeinbildung zählen zu können. Doch im Gespräch wird schnell klar, was er meint. Von der simplen Verteilersteckdose am Schreibtisch über die Schaltanlagen in den Hallen bis hin zur gigantischen Netzersatzanlage in den Technikräumen unterhalb des Messehauses muss er den Überblick über all das auf dem Messegelände behalten, durch das Strom fließt. Mitzudenken, wann ein Gerät oder eine Anlage überholt oder gar ersetzt werden muss, gehört auch dazu.

Elektromeister Mirko Kunze auf beständiger Suche nach nachhaltigen Lösungen für das eigene Haus. Foto: Leipziger Messe

Direkt vom Aussteller zum Einsatzort

Wie gut, dass es mit der efa:ON und der netze:ON ein Messedoppel auf der Leipziger Messe gibt, bei dem Mirko Kunze sich ohne Umwege zu neuen Produkten und Anbietern informieren kann. Doch wird er auf „der efa“, wie sie im Haus genannt wird, auch fündig? „Elektrizität steckt so gut wie überall drin, und auf der efa finden sich Lösungen für alle möglichen Bereiche, mit denen auch wir hier zu tun haben“, so Generalist Kunze. Gefragt, welche Projekte er und seine Kollegen mit Hilfe der efa:ON und netze:ON schon umsetzen konnten, beginnt er zu erzählen.

 

Da sind zum Beispiel die USV-Anlagen des efa:ON-Ausstellers Riello – unterbrechungsfreie Stromversorgungsanlagen, die sich inzwischen auf dem Gelände der Leipziger Messe wiederfinden. Mit ihnen wird im Falle eines Stromausfalls die weitere Versorgung mit Elektrizität sichergestellt – unterbrechungsfrei eben. Die batteriebetriebenen Anlagen versorgen die notwendige Beleuchtung, Entlüftung, Hubtorsteuerung und den Betrieb der elektroakustischen Anlage, sodass auch Hallendurchsagen weiterhin möglich sind. Innerhalb weniger Minuten läuft die Netzersatzanlage an und übernimmt den Job von den USV-Anlagen. Doch es sind gerade diese ersten Minuten, die entscheidend sein können.

 

Großes Einsparpotenzial auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit bietet die Beleuchtung. Die Leipziger Messe ist hier mittendrin im Umrüstungsprozess. Angefangen bei den Restaurants und den Fluren über den derzeitigen Austausch der Außenbeleuchtung ist das eines der größten Projekte für Kunze und das gesamte Betriebsmanagement. Als nächstes stehen die Halle 1, das CCL-Logo und das Doppel-M – das Logo der Leipziger Messe am Messeturm an. Die efa:ON bietet alle zwei Jahre immer wieder neue Möglichkeiten, die den Weg hin zur vollständigen LED-Beleuchtung erleichtern. Denn eine Lampe muss oftmals nur LED-fähig gemacht und gar nicht ausgetauscht werden. Für die Beleuchtung in den Restaurants fand sich etwa ein einfacher Adapter-Ring. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit – denn wenn sich so eine Lösung findet, dann müssen unter anderem keine Kabel neu verlegt werden.

Jede Menge Inspiration für moderne Beleuchtung auf der efa:ON

Elektromobilität auf dem Vormarsch: Ladesäulen, Wallboxen und mehr

Schon seit 2012 existieren Ladesäulen für Elektroautos auf den Parkplätzen an Messehaus und Congress Center Leipzig (CCL) – ein Projekt, auf das Kunze besonders stolz ist. efa:ON und netze:ON trugen maßgeblich dazu bei, dass die Leipziger Messe gemeinsam mit der Stadt Leipzig und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) das Projekt umsetzen und so einen Beitrag zur Elektromobilität leisten konnte. Auch die Fahrzeugflotte des Unternehmens aus E- und hybriden Fahrzeugen profitiert von efa:ON und netze:ON. So werden heute an der Entsorgungsinsel der Messehalle 1 Wallboxen – elektrische Ladestationen – von ABL Sursum betrieben.

E-Ladesäule auf dem Parkplatz der Leipziger Messe

Bietet das Messedoppel noch weitere Möglichkeiten als die der beständigen Modernisierung des Messegeländes für Kunze und sein Team? Unter anderem ist es der fachliche und kollegiale Austausch, der Mirko Kunze einfällt. Er erinnert sich an einen Rundgang mit 60 Elektromeistern aus der Region, den er mit begleitet hat. Die Heizungsanlage, die PV-Anlagen, der kilometerlange Ringkanal unterhalb der Messehallen und die Netzersatzanlage sorgten offenbar für Erstaunen. Denn auch ein Elektromeister sieht eine Netzersatzanlage in den Dimensionen, wie sie die Leipziger Messe vorweisen kann, nicht alle Tage. Wobei Kunze einschränkt: „In einem Krankenhaus sind die noch viel größer!“

Grenzen der Erneuerbarkeit

Die Netzersatzanlage, bestehend aus Dieselmotoren und drei Generatoren, ist übrigens eines der Systeme, das auf lange Sicht wohl noch auf fossile Rohstoffe angewiesen sein wird – und damit eines derjenigen, die wohl erst in ferner Zukunft auf der efa:ON und netze:ON auftauchen werden. Eine nachhaltige Versorgung über erneuerbare Energien oder wenigstens Gas ist im Ernstfall nicht umsetzbar. „Wir müssen garantieren können, dass das System autark agieren kann“, meint Kunze, „denn im Notfall muss Elektrizität für ein reibungsloses Entfluchten der Hallen sorgen.“ Die Heizöltanks mit einem Fassungsvermögen von 29.000 Litern können im Volllastbetrieb ganze 48 Stunden für die Stromversorgung der Leipziger Messe garantieren.

Und doch ist Kunze zuversichtlich, dass er auch in diesem Jahr fündig wird auf efa:ON, Fachmesse für Elektro-, Gebäude- und Lichttechnik, und netze:ON, Fachmesse für Energietechnik, Verteil- und Breitbandnetze. „Die efa:ON ist und bleibt das Nonplusultra“, sagt er. Für welches Projekt er zur nächsten Laufzeit vom 23. bis 25. September 2025 Ausschau halten wird, kann er noch nicht genau sagen, vielleicht eine neue Mittelspannungsschaltanlage mit 20 kV. Aber: Das Messegelände ist 29 Jahre alt. Dass sich neue Lösungen für bestehende Wehwehchen finden werden, ist gewiss.


P.S. Bei der Leipziger Messe ist derzeit eine Stelle als Elektrotechniker (m/w/d) zur Verstärkung der Abteilung Betriebsmanagement ausgeschrieben.

Eine zentrale Stelle für nachhaltige Veränderungen bei der Leipziger Messe

Für Michel Ghattas-Kämpfner verbindet sein neuer Job als Nachhaltigkeitsmanager der Leipziger Messe Beruf und Überzeugung. Bereits während seines Studiums hat er seinen Fokus auf Nachhaltigkeit gelegt. Im Masterstudiengang hat er Nachhaltige Unternehmensführung studiert. „Ich wusste schon früh, dass ich mit meiner Arbeit einen Unterschied machen will. Und da ich mich schon lange für die ökologischen und sozialen Aspekte der Wirtschaft interessiere, war der Beruf des Nachhaltigkeitsmanagers wie geschaffen für mich.“ Der 30-Jährige weiß, dass nachhaltige Veränderungen in einem Unternehmen wie der Leipziger Messe nur zusammen mit allen Mitarbeitern funktionieren kann. „Da renne ich hier gewissermaßen offene Türen ein, denn die Kolleginnen und Kollegen wissen, wie wichtig es ist, dieses Thema langfristig zu denken und unterstützen mich nach Leibeskräften“, sagt Michel Ghattas-Kämpfner.

Das Verwaltungsgebäude der Leipziger Messe. Hier hat auch der Nachhaltigkeitsmanager seinen Arbeitsplatz.

Teamwork und neue Ideen für Ressourcenschonung auf dem Weg zur Klimaneutralität

Und was bedeutet das konkret? „Ich verstehe mich in erster Linie als Koordinator und Impulsgeber für alle Nachhaltigkeitsprojekte der Leipziger Messe. Das, was die Unternehmensgruppe schon seit vielen Jahren im Bereich Nachhaltigkeit macht, systematisieren und standardisieren wir jetzt immer weiter.“ Hinzu kommen natürlich auch neue Projekte, mit denen die Nachhaltigkeit bei Veranstaltungen vorangetrieben wird. So geht es beispielsweise um die weitere Reduktion der Treibhausgasemissionen auf dem Weg zur Klimaneutralität, die Einführung einer Nachhaltigkeitspauschale und mehr Barrierefreiheit. Dabei arbeitet Michel Ghattas-Kämpfner mit zahlreichen Abteilungen der Unternehmensgruppe zusammen – beispielsweise den Kollegen der technischen Infrastruktur, des Energiemanagements und der Kommunikation. Außerdem ist er immer im engen Austausch mit der Geschäftsführung.

Auf dem Messegelände gibt es viele Ansatzpunkte für Nachhaltigkeit.

Unterwegs auf Messen und Konferenzen – wertvoller Input in Sachen Nachhaltigkeit

Michel Ghattas-Kämpfner ist in seinem Bereich immer auf der Suche nach Innovationen. „Auf der Gastmesse Solar Solutions hier auf der Leipziger Messe habe ich mich im Januar zu neuen Entwicklungen im Photovoltaik-Bereich beraten lassen. Denn langfristig ist es unser Ziel, noch mehr Solarstrom auf dem Messegelände selbst erzeugen zu können.“ Auf der Nachhaltigkeitskonferenz SECON, veranstaltet von den Branchenverbänden German Convention Bureau und EVVC, holte sich Ghattas-Kämpfner jede Menge Input zu nachhaltigen Ansätzen im Veranstaltungsgeschäft – vor allem zur sogenannten Twin Transformation, dem Zusammenspiel von Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Im Mai war er beim Forum Nachhaltigkeit des RKW Sachsen. Das tagte in der KONGRESSHALLE am Zoo Leipzig zum Thema „Green Events & Marketing – Nachhaltig beeindrucken statt grünfärben“ und gab Best-Practice-Beispiele für nachhaltige Eventplanung, umweltfreundliche Werbemittel, digitale Nachhaltigkeit und den Umgang mit Greenwashing-Fallen. Vom Austausch mit den Kollegen anderer Messeplätze profitiert Michel Ghattas-Kämpfner im Arbeitskreis Nachhaltigkeit beim Branchenverband AUMA. Spannende Anregungen bot außerdem das GreenTech Festival auf der Messe Berlin.

Freiwilliger Nachhaltigkeitsbericht: Transparenz, Vergleichbarkeit und Wettbewerbsvorteil

Die gesetzlichen Vorgaben für die Berichterstattung zum Thema Nachhaltigkeit ändern sich derzeit sehr schnell. Bis vor Kurzem stand noch eine Berichtspflicht für alle Unternehmen im Raum. Momentan sieht es so aus, als wäre der Nachhaltigkeitsbericht für Unternehmen wie die Leipziger Messe eher freiwillig. Das heißt aber nicht, dass das Thema für die Messegesellschaft damit vom Tisch ist. Im Moment prüft sie, ob und mit welchen Maßstäben in absehbarer Zeit ein freiwilliger Bericht entstehen kann, der sich auf wesentliche Aspekte und Maßnahmen konzentriert und die nachhaltigen Bemühungen transparent macht.

Vorteile eines freiwilligen Berichts:

  • Die freiwillige Berichterstattung erfordert weniger Schreibtischarbeit, da es weniger um das Erfüllen starrer Vorgaben geht. So bleibt mehr Raum für die tatsächliche Umsetzung von nachhaltigen Maßnahmen.
  • Die komplexe Struktur für das Datenmanagement wird trotzdem aufgebaut und die Datenerfassung automatisiert, um langfristig Vergleichbarkeit zu schaffen. So lassen sich Verbesserungen klar nachvollziehen.
  • Immer mehr Veranstalter – vor allem im Kongressbereich, aber auch zunehmend bei Messen und Events – legen Wert auf Nachhaltigkeit und wünschen sich auf der Suche nach ihrer nächsten Location konkrete Nachweise. Diese Anforderungen sind kein Problem für die Messegesellschaft.

Hintergrund

Die Leipziger Messe arbeitet schon mehrere Jahre auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit. Bereits seit 2009 ist das Unternehmen Green-Globe-zertifiziert und punktet in der Veranstaltungswirtschaft nachweislich mit dem Thema.

Was sowohl für Green Globe als auch für den Nachhaltigkeitsbericht eine Rolle spielen wird, sind beispielsweise folgende Maßnahmen: 

Wissenswertes und News zum Thema Nachhaltigkeit der Leipziger Messe gibt es hier.

Hinter jedem Prozess, der Fingerspitzengefühl benötigt, braucht es eine Koordinatorin, für die Diplomatie und innere Ruhe keine Fremdworte sind. Der lang geplante Relaunch der Logos und der Erscheinungsbilder der Leipziger Buchmesse, der Manga Comic Con sowie von Leipzig liest und dem Preis der Leipziger Buchmesse war ein solcher Prozess. Den Job der Koordinatorin hat Wiebke Weber übernommen. Eine Aufgabe mit viel Verantwortung. Begegnet das Logo doch in Leipzig und dem Bundesgebiet Millionen von Menschen – auf Plakaten, Social-Media-Kanälen, in Medienberichten und auf Stickern.

 

Inzwischen ist der Prozess abgeschlossen und Weber freut sich: Die Balance zwischen der Kontinuität des altbekannten Logos und der notwendigen Neuentwicklung ist gelungen. Damit wird ihre Arbeit als Marketingmanagerin der beiden Messen künftig etwas einfacher zu bewältigen sein: „Das Logo ist nun gut auf allen Hintergründen platzierbar, auch auf Fotos. Das macht die Arbeit um ein Vielfaches leichter.“

Visuell wächst zusammen, was schon lang zusammengehört

Über den rein pragmatischen Aspekt hinaus ist es die Harmonie, die zwischen den Logos und Erscheinungsbildern der Buchmesse-Familie besticht. Denn jede Untermarke erhält nun eine eigene Hauptfarbe. Lebendig kontrastiert Zitronengelb im Hintergrund beim schwarz-weißen Logo der Leipziger Buchmesse und beim Preis der Leipziger Buchmesse. Veilchenblau übernimmt diese Aufgabe bei Leipzig liest. Koralle lässt die leidenschaftliche Schwester der Buchmesse – die Manga Comic Con – in neuem Licht erstrahlen.

Allseits bekannte Elemente – aber in modern

Die Entwürfe für „die Neuen“ kamen von der Agentur Ballhaus West aus Berlin. Auch sie orientierte sich an dem traditionsreichen Logo. Das große Auge, das Buch sowie – hier variiert interessanterweise die Bezeichnung je nach Betrachterin – die Zacken, Wimpern, Haare oder Krone – stehen weiterhin für die beliebten Messen. Diese drei Elemente schuf der Leipziger Designer Tom Unverzagt im Jahr 1994 ursprünglich für ‚Leipzig liest‘. „Es wäre ein großer Verlust gewesen, den Wiedererkennungswert einer solch starken Marke aufzugeben“, sagt Weber. „Allerdings haben wir uns getraut, die allseits bekannten Elemente stark zu modernisieren. So sind beispielsweise die Konturen entfallen.“ Damit herrscht zwar einerseits größere Einheitlichkeit zwischen den verschiedenen Logos der Buchmesse-Submarken. Jedoch sind überall Variationen zu beobachten. Und tatsächlich, einmal schaut beispielsweise das Auge ins Buch, dem Betrachter aufgeweckt entgegen oder hat – ganz mangamäßig – eine fantasievoll gestaltete Pupille.

Ein Teil nach dem anderen – so vollendet Wiebke Weber den Prozess um den Relaunch der Logos um die Buchmesse

Für die Neugestaltung des Logos wie des gesamten Erscheinungsbildes haben sich Wiebke Weber und das Team übrigens die Perspektive von Besucherinnen und Besuchern eingeholt. „Wir wollten unsere Selbst- und Fremdwahrnehmung abgleichen. Dafür haben die Kolleginnen und Kollegen aus der Marktforschung im Frühjahr 2024 Interviews in sogenannten Fokusgruppen durchgeführt“, so Weber. Das heißt, kleine, moderierte Gruppen aus Ausstellern und Besuchern besprachen gemeinsam ihre Wahrnehmung der Leipziger Buchmesse und der drei weiteren Marken.

Verantwortung, Erfahrung und Kreativität – der Job der Marketingmanagerin

Alles in allem war es ein aufwändiger Prozess, den die Marketingmanagerin gemeinsam mit ihren Team-Kolleginnen und -Kollegen da gestemmt hat. Denn ein solch großer Relaunch ist am Ende natürlich auch ein Teamsport, an dem viele mitwirken. Weber koordinierte den gesamten Prozess – neben ihren regulären Tätigkeiten für die Leipziger Buchmesse. Im Gespann mit ihrem Kollegen Felix Wisotzki, verantwortlich für die PR, und Kollegin Maike Henkel, Online-Managerin der Leipziger Buchmesse, entwickelt sie die Kommunikationsstrategie, plant die Aktivitäten, führt sie durch und stimmt sich beständig mit externen Dienstleistern und Grafikagenturen ab. Darüber hinaus plant Weber, wo Werbung geschaltet werden soll oder erstellt Werbemittel wie Poster, Flyer oder Sticker. Mit ihrem Organisationstalent hinterlässt sie dabei ganz eigene Spuren in der Welt der Leipziger Buchmesse. An ihr liegt es, Ideen zu entwickeln und im Zweifel – kraft ihrer Kompetenz – an den entscheidenden Stellen Überzeugungsarbeit zu leisten.

 

Auch das eine oder andere Give-away ist auf Weber zurückzuführen – zum Beispiel die schützenden Buchbeutel, die sie für die Buchmesse 2025 entwerfen ließ. Oder die Lesesocken. Lesesocken? Was soll das sein? „Na Socken. Aber zum Lesen. Ganz klar. Ist halt mein Begriff“, antwortet sie und lächelt schelmisch. Eine weitere wichtige Aufgabe ist es, über das Budget – oder wie Weber es nennt, die Schatztruhe – der gesamten Kommunikation zur Buchmesse und Manga Comic Con zu wachen. Verantwortung – auch dieser Begriff ist kein Fremdwort für sie.

Ein Logo im Wandel der Zeit – von den 1990ern bis heute

Befürchtungen? Nicht nach einem solch intensiven Prozess

Auch in den kommenden Wochen wird ihr diese Einstellung helfen. Denn am Ende werden Hunderttausende Fans der Leipziger Buchmesse über das neue Erscheinungsbild befinden. Befürchtet Weber, dass ihr nach dem offiziellen Relaunch die konservativen Anhänger der Leipziger Buchmesse aufs Dach steigen werden? Ist das nicht auch ein ganz schöner Druck? Bei solchen Fragen bleibt Wiebke ganz entspannt und lächelt erneut. „Ich habe mit Kolleginnen und Kollegen gesprochen, die schon seit Anfang der 2000er bei der Buchmesse arbeiten. Sie meinten zu mir, dass sie die Entwicklung wirklich gelungen finden.“ Die Reaktion überrascht nicht – ist es doch nicht nur die Harmonie der Erscheinungsbilder und Logos, die überzeugt hat, sondern auch der gesamte Prozess im Hintergrund.

Mit markantem Globuskopf, blauem Anzug und dem stets griffbereiten Koffer ist das Messemännchen weit mehr als nur ein Maskottchen. Es ist eine Kultfigur mit bewegter Geschichte und Symbolträger für Weltoffenheit, Reisefreude und den Geist des internationalen Handels.

Geboren zur Herbstmesse 1964

Die Geschichte des Messemännchens beginnt genau genommen bereits 1964: Damals beauftragte das Leipziger Messeamt den Berliner Puppengestalter Gerhard Behrendt – bekannt als Vater des Sandmännchens – mit der Entwicklung einer beweglichen, künstlerisch gestalteten Puppe. Sie sollte die Leipziger Messe als weltoffenen Umschlagplatz zwischen Ost und West repräsentieren.

 

Ein Jahr später – zur Frühjahrsmesse 1965 – ging Behrendts Werk erstmals in den Verkauf: 40.000 Exemplare verließen die Produktion. Besucher nahmen die Figur als Andenken mit nach Hause. Das Messemännchen wurde schnell zum gefragten Souvenir und sympathischen Werbeträger auf Postkarten, Plakaten und sogar Tischdecken.          

Im Jahr 1965 konnte Messebesucher das Messemännchen erstmals kaufen.
Foto: Leipziger Messe

Kleiner Mann mit großer Symbolkraft

Das Messemännchen ist durch und durch Symbolfigur – jedes Element hat eine Bedeutung:

 

  • Der Globuskopf steht für die Weltoffenheit der Leipziger Messe und ihre Rolle als internationales Handelszentrum.
  • Der blaue Anzug und die ursprünglich gelbe Farbe des Kopfes greifen die Farben der Stadt Leipzig auf.
  • Der Hut mit dem Doppel-M verweist auf das Markenzeichen der Messe.
  • Die Tabakpfeife im Mundwinkel – inzwischen nur noch selten zu sehen – unterstreicht den Charakter der Figur als „Mann von Welt“.
  • Der Koffer ist stets dabei – fertig gepackt, als wäre der nächste Handelstermin nur eine Zugfahrt entfernt.

Diese Mischung aus liebevollem Detail, klarer Symbolik und zeitlosem Design machte das Messemännchen schnell zu einer beliebten Werbefigur.

Sandmännchen zu Besuch

Auch medienwirksam wusste das Messemännchen zu begeistern – besonders in Kombination mit seinem populären „Bruder“, dem Sandmännchen in seinem „Abendgruß“. Bereits 1965 begegneten sich die beiden Figuren im Rahmen der 800-Jahr-Feier der Messe. Auch später besuchte das Sandmännchen die Leipziger Messe regelmäßig – mal mit dem Bus der VEB Robur-Werke, mal per Senkrechtstarter.

Comeback, um zu bleiben

Nach der Wiedervereinigung verlor das Messemännchen zunächst seinen Platz im offiziellen Auftritt der Leipziger Messe. 1992 verschwand es als Werbeträger – aber nicht aus den Herzen der Leipzigerinnen und Leipziger. 2004 kehrte es schließlich zurück und wird seitdem wieder im Originaldesign produziert. Im selben Jahr erschien eine limitierte Auflage als echt erzgebirgisches Räuchermännchen.

60 Jahre jung – und kein bisschen müde

Ob auf Messen, bei Stadtfesten, Preisverleihungen oder als animierte Version in Werbeformaten der Leipziger Messe – das Messemännchen ist überall präsent und beliebtes Fotomotiv. Es hat im Laufe der Jahre zahlreiche Freundschaften geschlossen und bringt noch immer Menschen aus aller Welt zusammen. Als charmanter Botschafter der Leipziger Messe zeigt es, wie lebendig Tradition sein kann.

Das Messemännchen mit Martin Buhl-Wagner (li.), Geschäftsführer der Leipziger Messe, und Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung auf der Hobbymesse Leipzig 2024
Foto: Leipziger Messe

Heute, 60 Jahre nach seinem ersten Auftritt, hat das Messemännchen nichts von seinem Charme verloren. Es steht für die Verbindung von Tradition und Moderne, von lokaler Identität und globaler Ausrichtung. Und es erinnert uns daran, dass die Leipziger Messe weit mehr ist als ein Ort für Wirtschaft und Innovation – sie ist ein Ort mit Herz, Geschichte und Persönlichkeit.

Herzlichen Glückwunsch an den kleinen Helden mit großer Geschichte – und auf viele weitere Jahre als Botschafter der Leipziger Messe.

„In Chemnitz wird das Geld verdient, in Leipzig gehandelt und in Dresden verprasst.“ Diesen Spruch hört die Kulturbürgermeisterin von Chemnitz, Dagmar Ruscheinsky, nicht gern. Denn jede Stadt habe ihren eigenen Charakter, sowohl die Residenz- als auch die Handels- und die Industriestadt. Denn selbstverständlich gebe es in allen drei großen sächsischen Städten „Kultur, Arbeit und Glanz“.

Im Interview mit der Leipziger Messe zieht Ruscheinsky eine erste Zwischenbilanz zum bisherigen Jahr 2025 in Chemnitz, dem Jahr der Europäischen Kulturhauptstadt. Denn Verbindungen zwischen den Leipziger Messen und Chemnitz – dem Tor zum Erzgebirge – finden sich in der Vergangenheit wie in der Gegenwart.

 

Kuxe – Leipziger Kapital ermöglicht tiefe Gruben

Anlässlich des Kulturhauptstadt- Jahres zeigt das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz (smac) noch bis 29. Juni 2025 die Ausstellung „Silberglanz und Kumpeltod“. Hier tauchen unter anderem die sogenannten „Kuxe“ auf. Kuxe sind Anteile, die ab dem 15. Jahrhundert für die Bergwerke im Erzgebirge erworben werden konnten. In Schneeberg fand sich 1471 das erste Silber, 1496 folgte Joachimsthal (das heutige Jáchymov in der böhmischen Schweiz) und zuletzt Marienberg im Jahr 1520. An all diesen Orten musste tief gegraben werden, um an das Silber, aber auch an weitere Rohstoffe wie Zinn, Nickel, Wismut oder Kobalt zu gelangen. Tiefer, als man es zuvor in den inzwischen um Freiberg versiegten Gruben gewöhnt war. Jedoch: je tiefer die Grube, desto mehr Kapital war nötig. Die Kuxe waren die Lösung, um Investoren zu gewinnen.

Von der Möglichkeit der Kuxe machten insbesondere Leipziger Kaufleute Gebrauch. Der Handel mit den Schätzen aus dem Erzgebirge – vor allem mit dem Silber – versprach hohe Gewinne. Doch wehe, eine zuvor vielversprechend erscheinende Ader führte bald in bloßen Stein. Dann wurden für die Leipziger Kaufleute sogenannte „Zubußen“ fällig. Heißt: Anteilseigener mussten die Zechen, die keine Erträge erbrachten, bezuschussen. Die Investition in den Bergbau bedeutete damals ein erhebliches Risiko. Glück hatte, wer Anteile an einer „Ausbeutzeuche“ hielt. Dann floss das Silber, wurde oftmals noch in Chemnitz „geseigert“ – also von unnützem Geröll getrennt – und ging dann seinen Weg in die Messestadt und von dort weiter bis in die bis dahin bekannte Welt.

Das Henne-Ei-Problem

Der frühere Direktor der Leipziger Stadtbibliothek Ernst Kroker widmet sich in seinem 1925 erschienen Werk „Handelsgeschichte der Stadt Leipzig“ eingehend der Beziehung zwischen Leipzig und dem Chemnitzer Umland. Dort führt er unter anderem ein Zitat aus dem Jahr 1485 an. Der damals in Leipzig lehrende Universitätsprofessor Konrad Wimpina antwortete auf die Frage, woher Leipzig all die Mittel für die vielen Prachtbauten habe, mit „Aus seinen Messen und aus Schneeberg.“ Doch war es keine einseitige Beziehung zwischen der Messestadt und den südlich gelegenen Industrieregionen. Schließlich benötigten die Gewerbe im Erzgebirge und in weiteren Industrieregionen um Chemnitz – wie dem Vogtland – einen Markt von internationaler Bedeutung. Den bot Leipzig und sorgte beim Kaiser für die dafür notwendigen Privilegien. So mussten Lieferanten und Kaufleute auf dem Hin- und Rückweg zur und von der Messe geschützt werden. Zudem waren Bannmeilen um Leipzig ein entscheidendes Privileg, denn in deren weitreichenden Kreis durften keine weiteren Messen – damals noch Jahrmärkte genannt – stattfinden.

 

So stellt sich nach einiger Recherche die Frage, wer ist Henne und wer ist Ei? Die Größe der Chemnitzer Industrieregion oder die Anziehungskraft der Leipziger Messe? Beide hätten wohl über Jahrhunderte nicht ohne den jeweils anderen wachsen können.

 

Und doch, so schreibt Kroker: „Die Leipziger [hatten] es verstanden, ihre Verbindung mit den Bergwerken zu einer dauernden Quelle des Reichtums zu gestalten.“ Die, die dagegen das Silber in den Schächten abbauten, gingen ein ganz anderes Risiko als das des finanziellen Ruins ein. Sie setzten ihr Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel – der Kumpeltod kannte viele Ursachen, wie die Chemnitzer Ausstellung zeigt. Und alle Vorsorge war oft nicht genug. Manchmal brauchte es auch hier einfach Glück, um dem einstürzenden Schacht zu entkommen.

Eine Tafel mit Klopfzeichensignalen, noch bis zum 29. Juni 2025 im smac, dem Staatlichen Musem für Archäologie Chemnitz, zu sehen
Foto: LfA/smac, Annelie Blasko

Ein Schatz, der bis heute blieb

Wie steht es um die Verbindung heute? Schätze aus erzgebirgischen Schächten werden längst nicht mehr in Leipzig gehandelt. Die Verbindung hat dennoch gehalten. Das erzgebirgische Handwerk präsentiert sich auf der HANDWERK live. Aussteller aus Chemnitz und dem Erzgebirge sind wichtiger Teil der  denkmal – der Europäischen Leitmesse für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung. Die Tourismusregion nutzt die Touristik & Caravaning als Plattform zur überregionalen Vermarktung. Die Innovationen Chemnitzer Ingenieure bereichern die Intec – der Internationalen Fachmesse für Werkzeugmaschinen, Fertigungs- und Automatisierungstechnik. Mehr noch, im Beirat der Intec sind zahlreiche Geschäftsführer und Wissenschaftler aus Chemnitz und der Region vertreten. Aus gutem Grund, stammt die Intec doch ursprünglich aus Chemnitz und feierte dort ihre Premiere im Jahr 1998. Ihr rasantes Wachstum führte dazu, dass die Branche sich erstmals im Jahr 2007 auf dem größeren Gelände der Leipziger Messe zusammenfand.

Erzgebirgische Holzschnitzereien sind bis heute auf der Leipziger Messe zu finden
Foto: Christian Modla, Leipziger Messe

Darüber hinaus hat sich ein Produkt über die Jahrhunderte bis heute gehalten. Wenn die Bergarbeiter früher aus den Schächten kamen, vertrieben sie sich den Feierabend oftmals mit Schnitzereien. Die Tradition erzgebirgischen Holzspielzeugs entstand. Heute werden Holzspielsachen wie Puppenhäuser und Kugelbahnen genauso wie der allseits bekannte Weihnachtsschmuck wie Schwippbögen und Pyramiden auf der CADEAUX Leipzig – der Fachmesse für Geschenk- und Wohntrends ausgestellt. Der Verband erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e. V. war gar maßgeblich an der Gründung der CADEAUX Leipzig im Jahr 1992 beteiligt. Zu finden sind die Spielzeuge und Dekorationen übrigens schon seit dem 16. Jahrhundert in Leipzig. Da erreichten sie die Messehöfe und wurden – wie hätte die Geschichte anders ausgehen sollen – fleißig in alle Himmelsrichtungen gehandelt und erlangten ihren weltweiten Ruhm.

Der Text „Glück auf! Das Silber kommt nach Leipzig“ entstand unter maßgeblicher Verwendung der folgenden Quellen:

 

Leipziger Messe GmbH (2014): Märkte, Muster, Menschen – 850 Jahre Leipziger Messen – Leipziger Medien Service GmbH, Leipzig

 

Kroker, Ernst (1925): Handelsgeschichte der Stadt Leipzig – Die Entwicklung des Leipziger Handels und der Leipziger Messen von der Gründung der Stadt bis auf die Gegenwart – Walter Bielefeld Verlag, Leipzig

 

Schirmer, Uwe: Messen als Silberhandels- und Finanzplatz, in: Zwahr et al (1999): Leipzigs Messen 1497 – 1997 – Teilband 1: 1497 – 1914 – Böhlau Verlag, Böhlau

 

Steinmüller et al (1958): Vom Jahrmarkt zur Weltmesse – Urania-Verlag, Leipzig / Jena

Chemnitz 2025: Aufbruch, Erbe und europäische Visionen

Vier Monate nach dem Start der Kulturhauptstadt Chemnitz zieht Kulturbürgermeisterin Dagmar Ruscheinsky eine erste positive Bilanz. Volle Veranstaltungen, wachsendes Selbstbewusstsein und große Erwartungen an die Zukunft bringen eine neue Dynamik nach Chemnitz.

Chemnitz feiert das Kulturhauptstadtjahr 2025
Foto: Chemnitz 2025, Christian Nopper

Wir befinden uns im vierten Monat der Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz 2025. Wie ist die erste Zwischenbilanz?

 

Wunderbar! Die Eröffnung im Januar mit 80.000 Besucherinnen und Besuchern war ein riesiger Erfolg – besonders für eine Open-Air-Veranstaltung im Winter. Seitdem sehen wir in allen Bereichen wachsenden Zulauf: Stadtführungen sind ausgebucht, Hotellerie und Gastronomie zufrieden, ebenso Museen – und das in den sonst eher ruhigen Monaten.

Das freut mich. 2020, als der Titel der Kulturhauptstadt verliehen wurde, war mein Eindruck, dass sich die Chemnitzer:innen, die ich kenne, wahnsinnig gefreut haben. Können Sie das bestätigen, was hat das in der Stadt ausgelöst, wie haben Sie die Stimmung wahrgenommen?

 

An diesem Tag war ich in Berlin und habe am Monitor die Übertragung verfolgt. Ich habe die ganzen Chemnitzer Gesichter aus dem Rathaus und der Szene gesehen und wie sie alle aufsprangen, die Hände hochrissen und jubelten. Wenn ich das erzähle, bekomme ich heute noch Gänsehaut.

Die große Freude rührte sicher auch daher, dass viele Chemnitzer:innen das Jahr 2018 als besonders schrecklich wahrnahmen. Welche Rolle spielt das Jahr in der Kulturhauptstadt-Bewerbung und in der Ausgestaltung des Programms?

 

2018 war furchtbar, das kann man nicht beschönigen. Die rechte Szene hat mobilisiert, bundesweit wurde zu Aufmärschen in Chemnitz aufgerufen. Das Jahr 2018 hat dann in der Bewerbung für die Kulturhauptstadt eine aktive Rolle gespielt. Unser Programm setzt heute auf die Beteiligung der Bürgergesellschaft und eine Aktivierung der Chemnitzerinnen und Chemnitzer. Heute geht es um gesellschaftliche Verantwortung, Selbstwirksamkeit, Transformation und einer Selbstwahrnehmung, um ein neues Bild der Stadt.

Wird das so angenommen?

 

Ja, die Veranstaltungen sind voll. Programme wie die Europäische Werkstatt für Kultur und Demokratie zeigen: Die Menschen nehmen teil. Das Motto der Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 „C the Unseen“ tut der Stadt gut – es geht darum, gesehen zu werden, aber auch, sich selbst neu zu sehen.

Welche Veränderungen erwarten Sie über das Kulturhauptstadtjahr 2025 hinaus?

 

Wir wollen bleibende Strukturen schaffen. Die Hartmann-Fabrik wurde zum Besucherzentrum, das ehemalige Straßenbahndepot ist heute ein Garagen-Campus. Dazu kommt das neue Karl Schmidt-Rottluff-Haus im Elternhaus des Künstlers. Karl Schmidt wurde 1884 in Rottluff – heute ein Stadtteil von Chemnitz – geboren. Als Mitbegründer der Künstlergruppe Brücke ist er ein ganz maßgeblicher Vertreter des Expressionismus in Deutschland. Die im Kulturhauptstadtjahr etablierten Orte sollen zusammen mit den fest in der Kulturlandschaft verankerten Einrichtungen auch den Kulturtourismus langfristig stärken.

Auf der Leipziger Buchmesse wurde neben Chemnitz auch die grenzüberschreitende Europäische Kulturhauptstadt Nova Gorica in Slowenien mit Gorizia in Italien vorgestellt. In Nova Gorica sei das kulturelle Leben nach dem Zerfall Jugoslawiens weitgehend zum Stillstand gekommen, während es in Chemnitz nach der Wende aufblühte – so die These. Wie sehen Sie das?

 

Ich würde die These nicht uneingeschränkt gelten lassen wollen – kulturell war in Chemnitz auch zu DDR-Zeiten einiges los. Die Künstlergruppe Clara Mosch etwa arbeitete unabhängig vom sozialistischen Realismus und wurde überregional bekannt. Oder Hartwig Albiro, der ab 1971 das Schauspielhaus prägte und mit Größen wie Frank Castorf, Ulrich Mühe oder Corinna Harfouch arbeitete. Nach der Wende kam dann ein starker Aufschwung freier, unabhängiger Kulturschaffender hinzu.

Welche Maßnahmen machen Chemnitz heute als europäische Kulturhauptstadt aus?

 

Viele Projekte sind europäisch ausgerichtet. Etwa die Ausstellung „Tales of Transformation“ im Industriemuseum, die eine gemeinsame industrielle Entwicklung europäischer Städte zeigt. Sie wurde mit Partnern aus Manchester, Gabrowo, Łódź, Mulhouse und Tampere konzipiert. Die große Schau „European Realities“ im Museum Gunzenhauser, ein Haus der Kunstsammlungen Chemnitz, vereint Werke realistischer Kunst aus 22 europäischen Ländern – ein beeindruckender Querschnitt durch Europas Kunstgeschichte der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Ab August 2025 folgt eine Ausstellung zu Edvard Munch unter dem Titel „Angst“. Ausgangspunkt ist sein Bild Der Schrei, das gesellschaftliche Fragen unserer Zeit thematisiert – weit über die Kunstgeschichte hinaus.

Die Chemnitzer Kulturbürgermeisterin Dagmar Ruscheinsky
Foto: Leipziger Messe

Was muss sich darunter vorgestellt werden?

 

Die Ausstellung verdeutlicht die immense Aktualität von „Angst“ und die Notwendigkeit, dieses Tabu-Thema anzusprechen. Kunst, Musik, Tanz sind Möglichkeiten zur persönlichen Auseinandersetzung mit Angst. Der Pavillon der Angst wird als mobiler Begegnungsraum vor und während der Ausstellung im Chemnitzer Stadtraum die bewusste Auseinandersetzung mit diesem menschlichen wie auch diffusen und ambivalenten Grundgefühl anregen.

Welche weiteren Kooperationen mit internationalen Partnern haben sich in der Vorbereitung dieses Jahres entwickelt?

 

Die Vernetzung mit anderen europäischen Kulturhauptstädten ist sehr wertvoll. Das Programm der Europäischen Kulturhauptstädte wird dieses Jahr 40 Jahre alt – im April waren Vertreterinnen und Vertreter aus rund 60 bisherigen und künftigen Kulturhauptstädten hier zu Gast und verabschiedeten das White Paper Chemnitz. Ein Manifest mit 40 konkreten Vorschlägen zur Neugestaltung des Programms Kulturhauptstädte Europas. Die Arbeitsergebnisse werden jetzt in Brüssel vorgestellt. Die Gemeinschaft der Europäischen Kulturhauptstadt ist ein großer Gewinn.

 

Aber auch in Chemnitz lebende Menschen tragen zur Internationalität bei. Hier lebt beispielsweise eine große ukrainische Gemeinde, entsprechend kamen auch viele Geflüchtete hier an – mehr als in Leipzig oder Dresden. Viele engagieren sich in Projekten der Kulturhauptstadt, etwa über einen Chor. Alle, die in Chemnitz leben, sollen mitgestalten – das gilt natürlich auch für die Ukrainerinnen und Ukrainer.

Im ehemaligen Chemnitzer Straßenbahnhof – heute der Garagen-Campus – münden alle Projekte unter dem Titel #3000 Garagen
Foto: Leipziger Messe

Was mir vor allem im Programm ins Auge sprang, waren die Programmpunkte zu den #3000 Garagen. Warum Garagen?

 

In Chemnitz gibt es um die 30.000 Garagen, die das Stadtbild mitprägen. Ihr sozialer Stellenwert ist hoch, denn sie wurden zu DDR-Zeiten in Eigeninitiative und in Gemeinschaft errichtet. Noch heute sind sie kreative Biotope, soziale Orte und Archive. Diese Garagen sind typisch für eine ostdeutsche Stadt und haben einen Funktionswandel durchlaufen. Heute finden dort Garagenhof-Konzerte statt, auch werden Ausstellungen gezeigt. Die Garagenhöfe als bereits existierende, sozio-kulturelle Orte wurden so für das Kulturhauptstadt-Jahr aktiviert. Die Fotografin Maria Sturm hat darüber hinaus verschiedene Garagenbesitzerinnen und Garagenbesitzer porträtiert. Die Fotografien tauchen prominent in den Schaufenstern von Geschäften und Bankfilialen im Stadtbild auf. Somit rücken sonst ungesehene Macher in das Rampenlicht. Da passt das Motto „C The Unseen“ wieder gut.

Kennen Sie Museen, Ausstellungshäuser, Kunstschaffende hier in Chemnitz, die sich gegebenenfalls bei Messen neue Anregungen holen?

 

Unsere Museen und Theater setzen auch auf niedrigschwellige Formate und versuchen das Bild des hohen Kunsttempels zu kontern. Dabei setzen sie auf digitale Angebote, Podcasts und dergleichen mehr. Die MUTEC ist für unsere Museumsleute natürlich ein Muss. Dort gibt es die neuesten Trends und man holt sich Inspirationen. Ganz unabhängig von der Kulturhauptstadt ist ein solcher Branchentreffpunkt fundamental wichtig für die Kultur. Die MUTEC ist da der ideale Platz. Ohne solche Austauschformate gibt es keine Kultur, die sich weiterentwickelt.

Einen Schritt weiter gegangen – und die historischen Fakten etwas gerafft dargestellt – könnte ja behauptet werden, ohne Chemnitz gar keine Leipziger Messe. Ich spiele da auf die Ausstellung „Silberglanz und Kumpeltod“ an. In der Region Chemnitz wurden Silber und weitere Schätze aus dem Erzgebirge abgebaut und in Leipzig gehandelt. Taucht diese Verbindung hier auch auf?

 

Das hört man in Chemnitz natürlich gern – es gibt klare Verbindungen zu Leipzig und Dresden. Weniger mag ich den Spruch: „In Chemnitz wird das Geld verdient, in Leipzig gehandelt und in Dresden verprasst.“ Jede Stadt hat ihren eigenen Charakter: die Residenzstadt, die Handelsstadt, die Industriestadt. Und natürlich gab und gibt es in allen drei Städten Kultur, Arbeit und Glanz.

Vor welcher Herausforderung stehen die kulturellen Institutionen in Chemnitz trotz Kulturhauptstadt?

Wie überall in Deutschland: die Finanzierung. Öffentliche Mittel werden knapper, die Frage ist, wie wir Qualität und Vielfalt erhalten – gerade auch in der freien Szene. Es braucht neue Strukturen, etwa Kooperationen und geteilte Nutzung von Infrastruktur wie dem Garagen-Campus, der als Ort der freien Szene weiterentwickelt werden kann.

Ein Paradebeispiel für die Ostmoderne: die Chemnitzer Stadthalle, 1974 eröffnet
Foto: Leipziger Messe

Was sollten Kunstschaffende und Museumsleute in diesem Jahr in Chemnitz auf keinen Fall verpassen?

 

Ein Blick ins Programm unter chemnitz2025.de lohnt sich immer. Neben der schon erwähnten Realismus-Ausstellung im Museum Gunzenhauser – ein absolutes Muss! – möchte ich besonders auf die Ausstellung „Die neue Stadt – Chemnitz als Karl-Marx-Stadt“ im Schloßbergmuseum der Kunstsammlungen Chemnitz hinweisen. Sie beleuchtet den DDR-Städtebau und stellt die Frage nach einer möglichen Ostmoderne – ein Thema, das oft übersehen wird. Und natürlich auf die Munch-Ausstellung im August in den Kunstsammlungen am Theaterplatz.

Herr Arndt, die spannendste Frage vielleicht zuerst: Sie sind für die Sicherheit eines Unternehmens zuständig, haben aber einem Interview zugestimmt, das veröffentlicht wird. Wie lösen wir beide jetzt dieses Spannungsfeld?

 

Natürlich ist das ein zweischneidiges Schwert. Über unsere Sicherheitsvorkehrungen hier in der Leipziger Messe sprechen wir nicht öffentlich und gleichzeitig ist es in meiner Position so, dass der Öffentlichkeit, den Pressevertretern oder den Kunden kommuniziert werden muss, worin unser Sicherheitsniveau besteht. Da müssen wir dann schon konkreter werden. In einem internen Gremium sprechen wir solche Fragen ab und vereinbaren, was wir preisgeben und was nicht, und das haben wir auch in diesem Fall getan.

 

Was war der bisher größte Security Breach, den Sie als IT-Manager für Security hier auf der Leipziger Messe bekämpfen mussten?

 

Zum Glück gab es in meiner Zeit bei der Leipziger Messe keinen größeren Vorfall. Ich habe auch nie von einem vor meiner Zeit gehört. Selbstverständlich kam es dennoch zu Vorfällen. Meistens sind das Störungen an den Systemen. Das könnten zum Beispiel Technikereinsätze sein, die unglücklich verlaufen sind oder generelle Systemausfälle. Abgesehen von routinemäßigen Wartungsarbeiten mussten wir noch nie wegen eines sicherheitsrelevanten Vorfalls Systeme komplett herunterfahren.

 

Das Bundeskriminalamt erfasste für 2023 in seinem Bundeslagebild Cybercrime insgesamt 134.407 Fälle von Onlinekriminalität. Die Dunkelziffer schätzt die Behörde auf 90 Prozent. Die Schäden haben sich laut dem Digitalwirtschaftsverband Bitkom auf geschätzte 267 Milliarden Euro belaufen. Was von diesen Dimensionen kommt bei einem Unternehmen wie der Leipziger Messe an?

 

Das Maß ist überschaubar, das bei uns ankommt. Vorrangig tauchen Gefahren bei unseren Mitarbeitern auf, zum Beispiel die allseits bekannten Pishing-Mails. Es gibt Ransomware-Angriffe, bei denen sich Dokumente im Anhang befinden, die geöffnet werden sollen. Ein nicht ganz so bekanntes Beispiel sind CEO-Frauds – auch CEO-Betrug genannt -, wo sich Angreifer als Geschäftsführer oder hochrangige Führungskräfte aus dem Haus ausgeben und dann versuchen, Personen in den Leitungsebenen telefonisch oder per E-Mail in die Falle zu locken. Angriffe können auch unsere Stakeholder betreffen oder Serviceunternehmen, die Dienstleistungen bei uns erbringen oder Service-Wartungen vornehmen. Mit Ausnahme geplanter Wartungsintervalle sahen wir uns bislang nicht veranlasst, infolge sicherheitsrelevanter Vorfälle Systeme vollständig außer Betrieb zu nehmen.

Die digitale Infrastruktur gilt es zu schützen

Von der Gefahr zur Prävention: Was tun Sie, um einen solchen Angriff schon im Vorfeld abwehren zu können?

 

Ein zentrales Element unserer IT-Sicherheit ist das kontinuierliche Monitoring unserer Systeme. So können wir frühzeitig ungewöhnliche Aktivitäten oder Angriffsversuche erkennen und Handlungsempfehlungen ableiten. Gegebenenfalls binden wir externe Experten mit ein, um Vorfälle zeitnah und zielgerichtet zu bearbeiten. Zudem haben wir ein Meldesystem für die Mitarbeiter. Hier kann niedrigschwellig auch schon der Verdacht gemeldet werden. So ermutigen wir die Mitarbeiter zum Melden, bevor etwas Schlimmeres passiert. Unser IT-Team bewertet den Vorfall und zieht bei Bedarf unser Incident Response Team hinzu, das je nach Schwere des Ereignisses die passenden Maßnahmen einleitet.

 

Welchen Anteil nehmen die Schulungen von Kollegen und Vorgesetzten in Ihrem Arbeitsalltag ein?

 

Es gibt bei uns Online-Schulungen, die zweimal im Jahr stattfinden. Darüber hinaus stehen wir telefonisch parat, falls noch Fragen offen sein sollten und suchen zudem das persönliche Gespräch. Wenn ein Vorfall eingetreten sein sollte, schulen wir auch noch einmal intensiver nach. Transparenz und Offenheit sind weitere, wichtige Bestandteile. Das heißt, wenn ein Vorfall auftritt, informieren wir die Belegschaft darüber und leiten Schlussfolgerungen für künftiges, sicheres Agieren ab.

 

Wo gibt es Kooperationen mit anderen Unternehmen, womöglich gar Behörden, um präventiv agieren zu können?

 

Als Leipziger Messe unterliegen wir der gesetzlichen Meldepflicht gegenüber dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und arbeiten eng mit relevanten Behörden und Verbänden wie der Bitkom zusammen. Im Fall sicherheitsrelevanter Vorfälle informieren wir das BSI, das bei größeren Störungen unterstützend vermitteln und – wo erforderlich – weitere Stellen wie das Bundeskriminalamt einschalten kann. Zusätzlich haben wir Dienstleister, mit denen wir im Bereich der Forensik – also der Auswertung – zusammenarbeiten. Außerdem kooperieren wir mit spezialisierten Partnern, um bei einem Ausfall zentraler Systeme eine schnelle Wiederinbetriebnahme zu gewährleisten.

 

Als Mitarbeiter des Unternehmens mit Laienwissen gehe ich nach Hause und warte, bis Sie und Ihr Team fertig sind oder kann ich dann noch was beitragen?

 

Für solche Szenarien haben wir detaillierte Abläufe definiert, die vom Incident Response Team gesteuert werden. Je nach Schwere des Vorfalls binden wir zusätzlich den Fachbereich Kommunikation und die Rechtsabteilung ein. Während unser IT-Team die technischen Maßnahmen zur Schadensbehebung umsetzt, übernehmen diese Abteilungen die interne und externe Informationsversorgung – sowohl gegenüber der Belegschaft als auch unseren Kunden.

 

Kann man sich überhaupt vollends vor Cybercrime schützen?

 

Das BSI und zahlreiche Sicherheitsexpertinnen und -experten mahnen: Irgendwann wird es jedes Unternehmen treffen. Daher bauen wir unsere präventiven Maßnahmen kontinuierlich aus und stimmen alle Schritte so ab, dass wir im Ernstfall den Schaden schnell eindämmen können. Ein Schwerpunkt liegt auf der laufenden Überprüfung unserer Back-up-Strategien und der Sicherstellung redundanter Systeme. Zusätzlich validieren wir unsere Sicherheitskonzepte regelmäßig durch kontrollierte Penetrationstests und erzielen insbesondere im Bereich Wiederanlauf durchweg sehr positive Bewertungen.

 

Welchen Stellenwert hat die Weiterbildung in Ihrem Job zu neuartigen Cyberangriffen?

 

Das ist wirklich ein Großteil meines Jobs, immer auf dem aktuellen Stand zu sein und die neuen Bedrohungslagen auf dem Schirm zu haben. Neuartig sind die KI-basierten Angriffe. Spam-Mails werden dadurch beispielsweise immer professioneller. Im Umkehrschluss bedeutet das, neues Wissen immer wieder an die Kollegen weiterzugeben. Bei unserem jüngsten Social-Engineering-Test unter den Mitarbeitenden erreichten wir sehr gute Ergebnisse. Da bin ich sehr stolz auf meine Kollegen.

Einmal im Jahr findet die protekt in der KONGRESSHALLE am Zoo Leipzig statt. Foto: Niclas Schmidt

Nun haben wir mit der protekt seit 2016 eine etablierte Konferenz im Spektrum unserer Marken, die genau Ihr Tätigkeitsprofil behandelt. Wann war Ihr erstes Mal auf der protekt und welchen Vortrag haben Sie besonders in Erinnerung?

 

Meine erste protekt war leider erst 2023. Das lag daran, dass ich nicht früher mit kritischen Systemen zu tun hatte. Was mir gut gefallen hat und was ich mir mitgenommen habe, waren die Workshops zu den klaren und kurzen Kommunikationswegen im Krisenfall. Das hat mir sehr viel gebracht, gerade bei der Frage der Incident Response Teams. Auch bei den KI-basierten Angriffen habe ich viele interessante Impulse mitnehmen können, die mir sehr gut in Erinnerung geblieben sind. Darüber hinaus ermöglicht mir die protekt, über den Tellerrand hinauszuschauen. Der Schutz weiterer kritischer Infrastrukturen, die spezifischen Risiken, die dort bestehen, und die Maßnahmen, die die Verantwortlichen ergreifen, sind eine Bereicherung.

 

Und die protekt 2025 am 25. und 26. November – schon im Kalender notiert?

 

Natürlich! Sie steht als feste Veranstaltung in meinem Terminplan. Als Sicherheitsverantwortlicher der Leipziger Messe merke ich ganz deutlich, dass der Austausch funktioniert und Teilnehmer auf mich zukommen und das Gespräch suchen. Davon gehe ich bei der nächsten protekt wieder aus, insofern werde ich in jedem Fall anwesend sein.

 

Die protekt ist seit 2016 die führende auf den Schutz kritischer Infrastrukturen ausgerichtete Konferenz in Deutschland. An zwei Tagen bietet sie als Leitveranstaltung eine Plattform, um aktuelle Themen der Cyber- und Informationssicherheit und des physischen Schutzes in Unternehmen und Einrichtungen der kritischen Infrastruktur zu diskutieren. In der begleitenden Ausstellung haben exklusive Partner die Möglichkeit, Praxisbeispiele zu präsentieren. Die protekt findet jährlich in der KONGRESSHALLE am Zoo Leipzig statt.