Man nehme eine Wärmepumpe, nutze eine Fernwärme-Leitung, installiere zwei, drei oder ganz viele Photovoltaik-Anlagen, greife auch mal auf Geo- und Solarthermie zurück, transferiere grauen Wasserstoff, nein, besser noch, grünen Wasserstoff übers Firmengelände und wenn es im Klärwerk zu heiß wird, dann gibt’s noch einen Schlag Abwärme obendrauf – fertig ist das neue Energiekonzept für die Leipziger Messe.
Ganz so viele Teile hat das Energiekonzept am Ende vielleicht nicht. Doch Katja Krautkrämer und Stephan Kostka, beide im Betriebsmanagement der Leipziger Messe tätig, beschreiben ihre Aufgabe durchaus als ein Puzzle. Kontinuierlich arbeitet die Leipziger Messe daran, ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren und orientiert sich dabei an der Stadt Leipzig und den Vorgaben des Bundes. Doch was heißt das konkret im Jahr 2026?
Foto: Leipziger Messe
„Wir wissen, dass wir auf einer Reise sind, aber noch nicht genau, wohin sie führt“, sagt Katja Krautkrämer, Abteilungsleiterin Betriebsmanagement 1 der Leipziger Messe. Welche Technologie die bisherige Versorgung mit Erdgas ablösen soll, hängt auch vom Messegeschehen ab. Wärmepumpen beispielsweise sind als alleinige Option eher ungeeignet. Wo Aussteller heute noch Stände aufbauen – bei offenen Toren, auch mitten im Winter –, wollen Besucherinnen und Besucher schon morgen eine wohltemperierte Messe erleben. Die Technologie muss also in kurzer Zeit Spitzenleistungen erbringen und das ist mit Wärmepumpen nur schwer zu realisieren. Im Mix mit anderen Technologien ergeben sie womöglich wieder Sinn. Und dann ist die Weiterentwicklung der Technologien einer von vielen Faktoren, die die Entscheidungen von Krautkrämer und Kostka beeinflussen.
Sonnenenergie für Großveranstaltungen
Was für die Wärmepumpe spricht: Sie ermöglicht eine gewisse Unabhängigkeit, anders als Fernwärme, die sich noch klimaneutral entwickeln muss. Photovoltaik-Anlagen ermöglichen bereits beides, Unabhängigkeit und Erneuerbare Energien. Damit steht bereits fest, dass sie eine entscheidende Rolle im Energiekonzept der Leipziger Messe spielen werden. Schon heute befinden sich auf einigen Dächern der Leipziger Messe 2.646 PV-Module, konkret auf den Dächern von Handwerkerzentrum und Messehaus. Gut 750.000 kWh konnten mit ihnen im letzten Jahr erzeugt werden.
Foto: Leipziger Messe
Wenn ein durchschnittlicher Haushalt im Jahr etwa 3.500 kWh verbraucht, dann ließen sich damit 200 Haushalte versorgen. Die Leipziger Messe kann damit mehrere Großveranstaltungen im Jahr abdecken. Noch mehr wären möglich, wenn es Speicher gäbe. Denn gerade im veranstaltungsintensiven Winter scheint weniger Sonne. Auch damit beschäftigen sich Katja Krautkrämer und ihr Team. Die Batterietechnologie mag noch längst nicht dort sein, wo sie hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sein sollte, doch die neuesten Entwicklungen in der Forschung zu Energiespeichern haben sie im Auge.
PV-Anlagen auf Messehallen? Nur nach ausreichender Ertüchtigung!
Hallen im neuen Licht!
Die Umrüstung der Hallen-Beleuchtung auf LED-Technologie wirkt im Vergleich dazu fast unspektakulär – und ist doch ein riesiges Projekt. Exakt 576 Lampen pro Halle müssen ersetzt werden und das immer dann, wenn gerade keine Veranstaltungen in den Hallen stattfinden. Der Sommer 2026 – also dann, wenn so gut wie keine Messe stattfindet – ist der beste Zeitraum für die Umsetzung. Mitte Mai ging es in der ersten Halle los, bis Ende September ist der Prozess weitgehend abgeschlossen. „Die derzeitigen Lampen werden schlicht nicht mehr produziert.
Da kam auch ein Ersatzteilproblem auf uns zu.“ Neben der besseren Leistung bietet die LED-Technologie einen weiteren Vorteil. Bislang war es nicht möglich, die Beleuchtung in den Hallen zu dimmen. Die LED-Lampen können nun auf die einzelnen Lichtanforderungen verschiedener Events eingestellt werden, jede einzelne Lampe kann individuell gesteuert werden. Stephan Kostka resümiert: „Wir erreichen so ein deutliches Mehr an Flexibilität in der Veranstaltungsorganisation.“
Foto: Leipziger Messe
Ein großes Puzzlespiel?
Angesichts all der Lösungen, die für die individuellen Bedürfnisse der Leipziger Messe gefunden werden müssen – wie kreativ ist der Job im Betriebsmanagement? Katja Krautkrämer erkennt den spielerischen Charakter im Job. Schlussendlich sind aber Zahlen, Daten, Fakten, die Wirtschaftlichkeit ausschlaggebend. Und doch, so meint Stephan Kostka, funktioniere Schema F bei einem Haus wie der Leipziger Messe nicht. Um die Ecke denken, nach dem passenden Puzzle-Teil suchen, ohne manchmal zu wissen, wie es überhaupt aussieht – all das mache den Job aus. Die Nachhaltigkeit ist dabei längst nicht mehr nur gesetzliche Verpflichtung, sondern auch aus Gründen der Wirtschaftlichkeit ein Antrieb für kreative Lösungsfindung. Das merken die beiden auch dann, wenn sie sich im Austausch mit anderen Unternehmen im Leipziger Norden befinden. Es herrsche eine gemeinsam getragene Aufbruchstimmung in Leipzig. Und diese Selbstwirksamkeit im eigenen Job, das spürt man im Gespräch mit den beiden, die bereitet Freude.

