Messe Magazin

Kerstin Stelzer, Sekretärin und die gute Seele der Gebäudeleittechnik empfängt uns und bietet Kaffee an. Zwei Servicetechniker beißen am großen Tisch des offenen Pausenplatzes gerade genüsslich in ihre Frühstücksbrote. Männer in Arbeitsanzügen wuseln geschäftig umher. Blaue Helme liegen griffbereit auf dem Schrank neben der Eingangstür. Die Zentrale der Gebäudeleittechnik ist ein hoher heller Raum mit durchgehenden Fensterfronten an drei Seiten. An der Stirnseite stehen große Schalttafeln. Sie zeigen die Umrisse des Messegeländes, Steuerungsprozesse und Live-Bilder zahlreicher Kameras. Überall blinkt und leuchtet es. Vor den Schalttafeln sitzen zwei Mitarbeiter vor einer Reihe Monitore, die im Halbkreis angeordnet sind.
Blick in die Zentrale der Gebäudeleittechnik auf der Leipziger Messe.
Foto: Leipziger Messe

Der Ringkanal: Hauptschlagader der Leipziger Messe

Auftritt René Leuckert. Begrüßung, Hände schütteln. „Hier in der Zentrale sind wir für die Überwachung und Steuerung der Gebäudetechnik mit circa 40.000 Datenpunkten verantwortlich“, erklärt der Abteilungsleiter. „Dazu gehören alle Prozesse und Systeme, die mit Wärme, Kälte, Beleuchtung und Sicherheit zu tun haben.“ Leuckert zeigt auf dem Plan auf einen grau schraffierten Kanal, der sich über das gesamte Gelände schlängelt. „Das ist der unterirdische Ringkanal – die sieben Kilometer lange Hauptschlagader der Gebäudetechnik.“ Hier liegen alle Medien, wie Wasser- und Heizrohre oder Strom- und Datenkabel. „Das ist schon eine eigene Welt. Wenn ich da hinabsteige, weiß ich selbst nach fast vier Jahren manchmal nicht ganz genau, wo ich wieder herauskomme.“

Heat me up: Wo kommt die Energie her?

Unter dem Fahnenplatz vor dem Hauptgebäude stehen die Heizkessel und zwei Blockheizkraftwerke. Aus Erdgas erzeugen sie Wärme und Strom. Der Messeturm ist ihr Schornstein. „Wenn wir das heute nochmal planen könnten, würden wir eher auf eine dezentrale Versorgung setzen. Im Ringkanal geht schon verhältnismäßig viel Energie verloren. Als 1996 die GLT installiert wurde, war das aber die allerneueste Technik.“

 

Die Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern des Handwerkerzentrums und des Messehauses liefern zusätzlich 15 Prozent des bisher zugekauften Strombedarfs. „Die Dächer der Messehallen können wir allerdings nicht mit PV-Anlagen belasten, weil wir sonst die Hängepunkte der Hallendecken nicht mehr optimal nutzen können.“ Heißt: In den Hallen könnte weniger von den Decken abgehangen werden. In Zukunft könnten innovative leichtere Produkte dieses Problem lösen.

Im Falle eines Feuers

Plötzlich erklingt ein Alarm an einem der Bildschirme. René Leuckert bleibt cool und erklärt: „Die Servicetechniker warten gerade die Brandmelder. Da kommt es hin und wieder zu solchen Störungsmeldungen.“ Mehr als 3.000 Brandmelder gibt es auf dem gesamten Gelände. Alle Hallen und viele Nebenräume sind zusätzlich mit Sprinklern ausgestattet. Das Wasserreservoir und die Pumpen dafür stehen im Keller des CCL, des Congress Center Leipzig. Wenn es brennt, erhält die Feuerwehrleitstelle in Großzschocher automatisch einen Alarm.

Das Gelände der Leipziger Messe im Überblick.
Foto: Leipziger Messe

Vogelperspektive Veranstaltung

Bei einer Veranstaltung sind die Männer der Gebäudeleittechnik besonders wachsam. Sie reagieren sofort, wenn beispielsweise ein Alarm in den Aufzügen oder den Behinderten-WCs ausgelöst wird. Außerdem steuern sie die Temperatur in den Hallen und, was besonders schwierig ist, in der großen Glashalle. Leuckert erinnert sich: „Vor einiger Zeit hat dort Florian Silbereisen im Sommer eine Schlagerveranstaltung gemacht. Da waren trotz Lüftung über 40 Grad unter dem Dach der Glashalle.“ Die Mitarbeiter der GLT leiten in Absprache mit den Messe-Veranstaltungsleitern auch Besucherströme. „Einmal war die Halle 1 zur Buchmesse viel zu voll. In so einem Fall schließen wir Kassen und sperren bestimmte Bereiche so lange, bis sich die Menschenmassen verteilt haben.“

Nachts auf der Messe

In Zeiten, in denen keine Veranstaltungen stattfinden, ist die Zentrale von 6 bis 20 Uhr besetzt. Nachts verteilt die Wache Süd ankommende Notfallmeldungen und klingelt im schlimmsten Fall die Bereitschaft aus dem Bett oder informiert, je nach Schaden, direkt die zuständige Havarie-Stelle.

Worst Case Stromausfall?

„Stromausfall ist bei uns kein Worst Case-Szenario. Wir haben im Falle eines Stromausfalls genügend Batteriepuffer, um alle sicherheitsrelevanten Anlagen für mindestens drei Minuten nahtlos weiter zu versorgen“, erklärt René Leuckert gelassen. Danach springt das Notstrom-System an. Das besteht aus drei riesigen Dieselaggregaten mit jeweils 1 MW Leistung.

Bewerbung als Gebäudeleittechniker möglich

René Leuckert arbeitet seit 2020 in der GLT. Zusammen mit sieben Kollegen und Kerstin Stelzer im Büro halten Sie die Technik 24/7 am Laufen. Die meisten Mitarbeiter im „technischen Ring“ der Zentrale haben eine handwerkliche Ausbildung, beispielsweise als Steuerungstechniker, Elektriker oder Heizungsmonteur. Leuckert selbst ist Ingenieur, hat an der HTWK Leipzig Maschinenbau studiert und sich später bei einem Mittelständler für die Gebäudetechnik qualifiziert. „Einige der Kollegen stehen kurz vor der Rente. Da brauchen wir in absehbarer Zeit neue Leute.“ Qualifiziert dafür sind vor allem Menschen mit einer technischen Ausbildung, im besten Fall sogar mit Erfahrung in der GLT.

Foto: Leipziger Messe

Neue Software

Wie wird sich die GLT der Leipziger Messe in den nächsten Jahren verändern? Leuckert holt aus: „Wir werden in absehbarer Zeit eine komplett neue Software einführen. Die alte basiert noch auf Unix. Da geht uns bald die Hardware aus. Die Umstellung dauert bei 40.000 Datenpunkten und über 1.000 Bediengrafiken aber eine ganze Weile.“ Der Auftrag wird an einen externen Dienstleister vergeben. Er tauscht dann auch die 232 Controller im Gelände und installiert ein webbasiertes System im geschützten und bestehenden IT-Netz der Leipziger Messe. „Natürlich wäre es einfacher, in der Gebäudeleittechnik eines komplett neuen Systems zu arbeiten. Aber ich mag auch die Herausforderungen, denen wir uns hier jeden Tag stellen müssen“, sagt er und jagt schon wieder zum nächsten Termin in irgendeiner Halle auf dem riesigen Gelände der Leipziger Messe.

Simone Dietz ist Prokuristin von LM Gast, wie das Unternehmen intern genannt wird. Der studierten Ökonomin für Außenhandel ist es wichtig, dass die Leipziger Messe brummt. „Wenn ich so wie heute früh schon kurz nach acht vor der Messe-Allee im Stau stehe, freut mich das. Das heißt, dass was los ist und sich jede Menge Besucher und Aussteller bei uns auf dem Gelände tummeln“, erzählt sie im April 2024, während die agra Landwirtschaftsausstellung in zwei Messehallen und auf dem Freigelände läuft.
Simone Dietz, Prokursitin der Leipziger Messe Gastveranstaltungen GmbH
Simone Dietz, Prokuristin der Leipziger Messe Gastveranstaltungen GmbH

Größter Messestandort in Mitteldeutschland

Kein anderes Gelände in Mitteldeutschland bietet so ideale Bedingungen für Veranstalter wie die Leipziger Messe. 70.000 Quadratmeter Außenfläche und 111.900 Quadratmeter überdachte Fläche in fünf Hallen sprechen für sich. „Der Veranstalter sagt uns, wie viel Fläche er braucht und wir stellen ihm das perfekte Gelände zur Verfügung. Diese Bedingungen sind einzigartig in der Region“, schwärmt Simone Dietz von den Möglichkeiten des Standorts. Doch die Vorteile der Leipziger Messe gehen weit über die Größe des Geländes hinaus. Für viele Mieter sind auch die Anbindung zur Autobahn und das große Angebot von Parkflächen für Aussteller und Besucher ausschlaggebend. Für Simone Dietz ist klar: „Dass die Leipziger Messe mit Besucherströmen umgehen kann, zeigt sie jedes Jahr beispielsweise mit der Leipziger Buchmesse. Die schnelle Anbindung an die S-Bahn und die Straßenbahn sind sehr attraktiv für alle Beteiligten.“
Viel Platz für Veranstalter – das Gelände der Leipziger Messe im Überblick.
Viel Platz für Veranstalter – das Gelände der Leipziger Messe im Überblick.

Leipziger Messe = Alles aus einer Hand

Die Infrastruktur der Leipziger Messe ist ein Paradies für Veranstalter. Alle Zugänge sind ebenerdig und die Hallen für Maschinen bis zur Größe eines mittleren Mähdreschers befahrbar. „Wir haben in den Hallen schon Züge ausgestellt. Der Boden ist also sehr belastbar“, sagt Simone Dietz lachend. Zudem werden alle Aussteller, ob in der Halle oder auf der Freifläche, nach ihren Vorstellungen mit Strom, Wasser, LAN oder WLAN versorgt. Kooperationspartner FAIRNET, ebenfalls Teil der Unternehmensgruppe, bietet von der Planung bis zum Standbau für einzelne Aussteller jeden Service, den Veranstalter sich wünschen können. Und um das leibliche Wohl kümmert sich vor Ort die fairgourmet. „Dank der idealen Bedingungen können Veranstalter bei uns sehr genau planen und minimieren so ihre Risiken.“
Ebenerdig befahrbare Hallen und tragfähiger Boden für Schwergewichte.
Ebenerdig befahrbare Hallen und tragfähiger Boden für Schwergewichte.

Ein ganz normaler April

Simone Dietz und ihr Team bringen häufig mehrere Gastveranstaltungen gleichzeitig auf und über die Bühne, oft auch parallel zu den Eigenveranstaltungen der Messegesellschaft. So wird die Leipziger Messe immer wieder zu einem Ort der besonderen Vielfalt. Vom 4. bis 7. April fand die CAGGTUS statt, sodass 1.900 Gamer auf Deutschlands größter LAN-Party vor Ort waren. Zeitgleich fanden in der Glashalle Leipziger Wollefest und Stoffmesse als Gastveranstaltung statt, in den Hallen 2 und 5 lief der Aufbau der agra. „Da kam es schon zu einigen verwunderten, aber auch sehr schönen Begegnungen zwischen den doch recht unterschiedlichen Besuchern“, erinnert sich Simone Dietz. Diese Vielfalt an Möglichkeiten auf und mit der Messe ist es auch, die so verschiedene Veranstalter anlockt. Am 30. März feierten beispielsweise mehr als 10.000 Metalcore-Fans auf dem Impericon Festival. Mitte April kamen dann über 50.000 Besucher, um sich auf der agra Nutztiere und Landmaschinen anzuschauen.

Parallel zur CAGGTUS waren Wollefest und Stoffmesse zu Gast in der Glashalle.
Parallel zur CAGGTUS waren Wollefest und Stoffmesse zu Gast in der Glashalle.

agra 2024 - von Kühen und Traktoren

Die agra ist die größte Messe für Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft in Ost- und Mitteldeutschland. Zwischen dem 11. und 14. April waren knapp 800 Aussteller in zwei Hallen und auf der Freifläche vertreten – 17 Prozent mehr als 2022. „Hier können wir für den Veranstalter alle Vorteile der Leipziger Messe ausspielen“, betont die Prokuristin Dietz. Neben riesigen Landmaschinen präsentierten die Aussteller über 1.100 Tiere in Bundes- und Landeswettbewerben. Dabei steht der Tierschutz an oberster Stelle. Damit die Tiere bei der An- und Abreise nicht unnötig unter Stress geraten, gibt es einen minutiös ausgearbeiteten Zeitplan für die Transporte. Außerdem werden die Schafe, Rinder, Hühner und Lamas in der gut belüfteten Halle Tag und Nacht von ausgebildeten Tierpflegern betreut.

Ein Kuhstall in der Messehalle mit Rund-um-die-Uhr-Betreuung – die Nutztierschau im Rahmen der agra Landwirtschaftsausstellung
Ein Kuhstall in der Messehalle mit Rund-um-die-Uhr-Betreuung – die Nutztierschau im Rahmen der agra Landwirtschaftsausstellung

Die agra war für die Veranstalter ein voller Erfolg. Sie wissen, dass die Flächen auf der Leipziger Messe auch in Zukunft weiteres Wachstum zulassen. Und so wird die agra auch 2026 wieder ihre Tore öffnen – selbstverständlich auf der Leipziger Messe.

Die zwei G in CAGGTUS stehen für „Good Game“ und bedeuten gutes Spiel. Das sagen sich Gamer nach einer spannenden Partie. Ein „Good Game“, ein voller Erfolg, war auch die CAGGTUS 2024, sowohl für die Aussteller und Partner der Messe als auch für die zahlreichen Besucher. Sebastian Kober und sein Team haben sich dabei besonders um den Support der LAN-Party gekümmert, die – by the way – die größte ist, die in Deutschland in diesem Jahr stattfindet. Die 47 Tischreihen mit insgesamt 1.900 Plätzen waren beinahe komplett und rund um die Uhr besetzt. „Die LAN ist sehr entspannt gelaufen. Einzig und allein das neue Counter-Strike hat uns vor einige Rätsel gestellt. Das war vorher noch nie in einer solch großen Umgebung getestet worden.“ Für Sebastian Kober ist die CAGGTUS ein ganz besonderer Check der Systeme am Standort. Sein Team nutzt den Support bei der LAN-Party auch, um beispielsweise die Hardware-Performance zu verbessern oder die Switch-Anschlüsse an den Tischen zu automatisieren. „Wir wollen die LAN in den nächsten Jahren noch größer machen. Damit in der Halle mehr als 2.000 Leute zocken können, optimieren wir ständig unsere Prozesse.“
Die Messehalle 3 verwandelt sich zur CAGGTUS in eine riesige LAN-Area. Foto: Leipziger Messe / Niclas Schmidt
Die Messehalle 3 verwandelt sich zur CAGGTUS in eine riesige LAN-Area.
Foto: Leipziger Messe / Niclas Schmidt

Ausnahmezustand CAGGTUS

Während auf jeder anderen Messe maximal 600 Geräte im lokalen Netzwerk (LAN) angemeldet werden, sind es auf der CAGGTUS unglaubliche 2.000. Bei der Vorbereitung arbeitet die Leipziger Messe deshalb mit dem Berufsförderungswerk (BFW) Leipzig zusammen. Bis zu 50 IT-Umschüler des BFW lernen hier sozusagen am lebenden Netzwerk. Zusammen mit dem Dienstleister der Leipziger Messe verlegen sie allein 54 Kilometer Kabel und stellen und verkabeln bis zu 50 Switches. Sie sichern auch den sogenannten First-Level-Support, sind also die Ersten, die bei technischen Problemen vor Ort zur Stelle sind. Falls das nicht ausreicht, stärken ihnen die IT-Mitarbeiter rings um Abteilungsleiter Sebastian Kober den Rücken.

 

Erste Erfahrungen mit jeder Menge Gaming-Power konnte die IT-Abteilung der Leipziger Messe schon zwischen 2002 und 2008 sammeln. „In den Jahren der Games Convention haben wir viel dazugelernt. Damals mussten wir uns aber vor allem vor den Sicherheitslücken der Aussteller schützen“, lacht Kober und ergänzt: „Vor meiner zweiten DreamHack 2019 hatten wir uns entschlossen, nur noch auf eigene LAN-Systeme zu setzen. Wir haben inhouse genügend Know-how, um das abdecken zu können. Diesen Schritt haben wir nie bereut.“

Für die IT der Leipziger Messe dreht sich zur CAGGTUS alles um Kabel, Switches & Co. Foto: Leipziger Messe / Niclas Schmidt
Für die IT der Leipziger Messe dreht sich zur CAGGTUS alles um Kabel, Switches & Co.
Foto: Leipziger Messe / Niclas Schmidt

Die IT der Leipziger Messe

Die Informationstechnik der Leipziger Messe ist in zwei Abteilungen organisiert: Hard- und Software. Sebastian Kober leitet die Hardware-Abteilung mit ihren 14 Mitarbeitern. „Unser Team ist bunt gemischt. Dazu gehören ehemalige Elektriker, Informatiker und im Moment ein BA-Student“, zählt der 40-Jährige auf. Seine Abteilung kümmert sich einerseits um die Ausstattung der hausinternen IT bis hin zum Betriebssystem der Mitarbeiter. Das umfasst auch die Betreuung des Ticketshops der Leipziger Messe. „Die existierenden Ticket-Shops waren uns damals zu teuer und nicht spezifisch genug. Da haben wir selbst einen entwickelt. Mittlerweile werden unsere Systeme auch von Bundesligist Eintracht Frankfurt genutzt“, erzählt Kober. Aktuell kümmern sich drei Kollegen aus der Abteilung ausschließlich um diese Infrastruktur.

 

Andererseits organisiert Sebastian Kobers Abteilung die Versorgung während der Messen. Dafür stehen dem Team in zwei Rechenzentren in Halle 2 und 5 je drei 19-Zoll-Racks zur Verfügung. Jedes Rack besteht aus 40 Höheneinheiten – ein üblicher Server darin belegt eine Höheneinheit und enthält 1,5 Terabyte RAM. Die Daten in beiden Zentren werden aktiv gespiegelt und zusätzlich in einem Backup-Zentrum in der Verwaltung gesichert. Auf dem gesamten Gelände arbeitet die IT mit 25 physischen und 450 virtuellen Servern, 275 Switches und 500 WLAN-Access-Points. Das Netzwerk verbindet die über 700 Windows-PCs und circa 3.500 Geräte im gesamten Netzwerk. Während einer Messe sind das natürlich noch deutlich mehr.

IT-Abteilungsleiter Sebastian Kober Foto: Leipziger Messe
IT-Abteilungsleiter Sebastian Kober
Foto: Leipziger Messe

Die Krise als Chance

Sebastian Kober und sein Team haben den ersten Lockdown 2020 genutzt, um das komplette System auf ein sogenanntes Software-defined Networking (SDN) umzustellen. Das hat die Netzwerkverwaltung der Leipziger Messe revolutioniert und Prozesse, die bisher von Hand erledigt werden mussten, automatisiert. „Im laufenden Betrieb wäre eine solche Umstellung nur schwer möglich gewesen. Das klingt paradox, aber für uns kam der Lockdown damals genau zur rechten Zeit.“

IT für Aussteller

Bei der Anmeldung zu einer Messe legen die Aussteller im Online-Shop der Leipziger Messe fest, welche Geräte sie an ihrem Stand nutzen wollen. Der Dienstleister bereitet dann rechtzeitig die jeweiligen Anschlüsse vor und Sebastian Kober und sein Team stellen während der Messe den Support sicher.

IT-Recruiting

Auch die IT-Abteilung der Leipziger Messe ist immer auf der Suche nach guten Mitarbeitern. Seit diesem Jahr bildet sie wieder Azubis und Studenten der Berufsakademie aus. Sebastian Kober wirbt für den Job in seiner Abteilung: „Unsere IT deckt viele unterschiedliche Bereiche ab und der Job ist damit sehr abwechslungsreich. Wir gehören zu den wenigen Unternehmen in der Region, bei denen die Mitarbeiter mit 100-Gigabyte-Leitungen und modernster Technik arbeiten und ständig an innovativen Ideen mitentwickeln können.“

Erweitertes Frühstück mit Eggs Benedict

Anne-Marie Gillert und Andrea Kempe verstehen es, viele Fakten auf angenehme Art und Weise zu vermitteln. Die beiden Oberkellnerinnen und Ausbilderinnen lockern die zunächst theoretische Schulung immer wieder mit konkreten Aufgaben und Übungen auf. Im praktischen Teil bereiten die Azubis mit Koch und Ausbilder Arend Neisser dann Rührei, Omelett, Spiegelei und Eggs Benedict zu – ein Muss auf dem guten Frühstückstisch. Genau das macht die azubi akademie leipzig aus: Sie steht für eine Ausbildung, die über die Grundlagen hinausgeht und die Azubis dazu befähigt, später als exzellent vorbereitete Fachkraft zu glänzen.

Die ersten Schritte zum perfekten Frühstück.
Foto: azubi akademie leipzig

Zwei Männer, ein Gedanke

Detlef Knaack, Geschäftsführender Direktor von fairgourmet, und Ingo Winkler, Chef des Ratskellers, sind nicht nur Kollegen, sondern auch privat befreundet. Sie stellten irgendwann fest, dass sie für ihre Azubis jährlich Veranstaltungen zu ganz unterschiedlichen Themen inklusive Prüfungsvorbereitungen organisieren. Schnell stand da schnell die Frage im Raum: Wollen wir das nicht zusammen machen? So war die Idee zu einer gemeinsamen Azubi-Initiative für angehende Köche, Restaurantfachleute, Fachkräfte für Gastronomie und Gastgewerbe geboren. Die azubi akademie leipzig (aal) erblickte das Licht der Welt.


Seitdem bieten die beiden Gastronomiebetriebe für ihre Auszubildenden zehn bis zwölf bis Veranstaltungen im Jahr an. „Wir vermitteln spezielles, tiefergehendes Wissen auf besonders praktische und anschauliche Art“, sagt Detlef Knaack. „Unser Credo: Wenn wir nicht gescheit ausbilden, dann dürfen wir auch nicht über zweitklassige Fachkräfte jammern. Und für die Azubis ist uns wichtig, dass auch der Spaß nicht zu kurz kommt.“ Dabei geht es insbesondere um Inhalte, die in der Berufsschule nicht oder nur am Rande vorkommen. Mit diesem Angebot schließen Knaack und Winkler eine Leerstelle für die Azubis, um sie richtig fit zu machen für ihr späteres Berufsleben.            

Zwei Gastro-Profis, eine gute Idee: Detlef Knaack und Ingo Winkler (r.), Initiatoren der azubi akademie leipzig
Foto: Leipziger Messe

Von Allergenen über Käseherstellung bis Zusatzstoffe

Jeder Termin widmet sich einem bestimmten Thema. Das kann Weinkunde sein, Käseherstellung, Meeresfrüchte und Fisch, Kaffeerösterei, Bierbraukunst oder Wissen über Tee. Wenn es sich anbietet, gehen die Azubis zu einer Manufaktur und schauen sich alles ganz genau an und probieren ganz viel selbst aus. Einmal im Jahr zum Beispiel fährt die Truppe nach Freyburg (Unstrut) in die Weinberge zur dortigen Winzergemeinschaft. Von der Weinlese bis zum Abfüllen in die Flaschen erleben die Azubis hier, wie Wein entsteht. Wenn es um Tee geht, dann beginnt die Ausbildung tatsächlich bereits beim Pflücken der Blätter. Beim Kaffee erfahren sie die Unterschiede zwischen verschiedenen Bohnen und Röstungen. Und aus der Käserei bringt am Ende jeder einen selbstgemachten, eigenen Käse nach Hause. So bleibt das Gelernte natürlich viel besser in Erinnerung als die bloße Theorie. „Es gibt allerdings auch sperrigere Themen wie Allergene, Zusatzstoffe oder Ernährungslehre“, weiß Detlef Knaack, der sie zum Teil gleich selbst übernimmt. „Aber wir achten auch hier einen hohen praktischen Anteil, damit wir dieses Wissen so anschaulich und lebendig wie möglich vermitteln können.“

Auch Bierbrauen stand schon auf dem Schulungsplan – natürlich in der hauseigenen Braumanufaktur des Ratskellers.
So werden aus 1.500 Litern Milch Käse und die Azubis waren mit der aal direkt dabei.
Auch Schulungen zum Thema Südfrüchte stehen auf dem Programm.
Fotos: azubi akademie leipzig

Gute Angebote sprechen sich rum

An den Schulungen der aal nehmen nicht nur Azubis von fairgourmet und Ratskeller teil, sondern auch von anderen Unternehmen, zum Beispiel vom Hotel und Gasthof Holländische Mühle in Schkeuditz. Sie ergänzten hier Ausbildungsinhalte, die ihr Betrieb zumindest im Praktischen nicht leisten kann, da sie gar kein derartiges Frühstück anbieten. Sie nahmen das Angebot der aal gern an – vor allem mit Blick auf die Prüfungen, bei denen solche Inhalte abgefragt werden.

 

„Wir hatten die aal bereits im zweiten Jahr für alle fachlich passenden Azubis aus ganz Leipzig geöffnet – kurz darauf sogar für ganz Sachsen“, erklärt Ingo Winkler die Hintergründe. Durch die gemeinsame Zeit in der Schule berichten die Azubis untereinander von den Veranstaltungen und Auszubildende anderer Betriebe wünschten sich, an diesen Angeboten auch teilnehmen zu können. „Das spricht für das Konzept und für die Qualität der Veranstaltungen“, freut sich Detlef Knaack über das große Interesse. „Die aal ist ein echtes Herzensprojekt, auf das wir auch wirklich stolz sind.“ Dieses Jahr stehen unter anderem noch Cocktails, Fleischzubereitung, vegetarische und vegane Küche auf dem Programm. Da will man doch gleich noch einmal Azubi sein!

So sehen die Variationen vom Ei vom Profi aus.
Foto: Leipziger Messe

Interessierte Azubis aufgepasst: Ihr wollt Teil dieser spannenden und praxisorientierten Ausbildung werden? Besucht www.azubi-akademie-leipzig.de und meldet euch für die Schulungen an!

Ihre Ausbildung bei der Leipziger Messe begann Maxi Zaumseil im Jahr 2010. Da war „die Messe“ noch eines der wenigen Unternehmen in der Stadt, das Veranstaltungskauffrauen ausbildete. „Als junge Abiturientin kam ich damals in den großen Erwachsenenjob. Das war schon spannend“, erinnert sich Maxi. „Ich weiß noch genau, wie nervös ich war, als ich am ersten Tag am Fahnenplatz durch die Drehtür gegangen bin.“ Das erste Mal, dass Maxi hinter die Kulissen der Leipziger Messe geschaut hat, war aber schon viel früher. In der 9. Klasse ergatterte sie in der „Woche der offenen Unternehmen“ einen der begehrten Plätze für den Rundgang durch die verschiedenen Abteilungen. „Mir ist damals die Führung durch das Haus im Gedächtnis geblieben. Vor allem Halle 1 hat mich sehr beeindruckt. Danach wusste ich, dass ich hier arbeiten will.“

SCHAU REIN! – Woche der offenen Unternehmen

SCHAU REIN! ist ein Projekt des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus (SMK). Das Ziel: Jugendliche sollen praktische Einblicke in die Arbeitswelt bekommen. Angesprochen sind alle Schüler ab der 7. Klasse. Die Plattform https://www.schau-rein-sachsen.de/ gibt ihnen Orientierung in der Welt der Berufsausbildungen und Studiengänge und die Gelegenheit, sachsenweit Kontakte zu Unternehmen zu knüpfen.

Azubis zeigen Schülern die Leipziger Messe

Die Schüler, die sich dieses Jahr bei SCHAU REIN! angemeldet hatten, wurden von Personalreferentin Irma Schulze und Auszubildenden des ersten Lehrjahres empfangen. „Wir haben uns ein Programm für die Jugendlichen ausgedacht, die sich vor allem für kaufmännische Berufe und die dualen Studiengänge BWL und IT interessieren“, erzählt die Auszubildende Marlene Siebel. Zusammen mit ihrer Kollegin Alexandra Heimpold stellte sie zehn Jungen und Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren die Leipziger Messe vor und nahm sie dann mit auf eine Rundtour. So ging es unter anderem durch Halle 1 und die Glashalle, wo der Aufbau für die Leipziger Buchmesse in vollem Gang war. „Am Ende der Tour sind die Schüler bei mir gelandet und ich konnte ihnen von meinen Erfahrungen während der Ausbildung und meiner Arbeit heute erzählen“, erklärt Maxi ihren Part. „Während der dreijährigen Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau bei der Leipziger Messe habe ich damals alle Abteilungen kennengelernt, von der Finanzbuchhaltung über die Presseabteilung bis zur Technik. Danach konnte ich mir den Bereich, in dem ich arbeiten wollte, faktisch aussuchen.“

             

Maxi Zaumseil, Assistentin der Kommunikationsabteilung der Leipziger Messe, stellt Schülerinnen und Schülern ihren Beruf vor.
SCHAU REIN! bei der Leipziger Messe im März 2024.
Foto: Leipziger Messe

Maxi wird zu MaCoCo

So kam Maxi als Assistentin in die Kommunikationsabteilung und ist immer noch happy mit ihrer Entscheidung. „Ich liebe meine Arbeit. Sie ist vielseitig und spannend und kein Tag ist wie der andere. Wir betreuen so viele unterschiedliche Messen und damit auch so viele verschiedene Themen.“ Dass sie spontan ist und keine Berührungsängste hat, konnte Maxi direkt nach ihrer Lehre unter Beweis stellen. In einem Meeting zur Leipziger Buchmesse 2013 fragte eine Kollegin sie, ob sie Lust hätte, in das Kostüm von MaCoCo zu schlüpfen. Gesagt, getan. Seitdem verwandelt sich Maxi jedes Jahr zur Manga-Comic-Con in das Maskottchen mit den blauen Haaren. Einzige Ausnahme: „Vergangenes Jahr war ich für ein Sabbatical in Australien. Da hat eine Kollegin den Job übernommen.“ 2024 war sie selbst wieder dabei. Sie hat sich an den Rummel um die Figur gewöhnt und mag vor allem den Kontakt zu den Fans. „Die meisten Leute sind wirklich sehr nett und es macht Spaß, mit ihnen zu sprechen und sich fotografieren zu lassen.“

MaCoCo, das Maskottchen der Manga-Comic-Con (MCC), auf einer Treppe in der Glashalle der Leipziger Messe sitzend. Die Treppe wurde zu 10. Ausgabe der MCC mit dem Maskottchen gestaltet.
Einmal im Jahr heißt es Rollenwechsel: Maxi wird zu MaCoCo
Foto: Leipziger Messe

Falsche Fragen gibt es nicht

Als Maxi 2010 ihre Ausbildung begann, bekam sie eine Mentorin an die Seite, eine Person, die Azubis den Start im Unternehmen erleichtert und bei Fragen und Probleme hilft. Heute ist sie selbst Mentorin und teilt ihre Erfahrungen gern. „Ich kann allen Azubis nur empfehlen, sich unvoreingenommen auf das Universum Leipziger Messe einzulassen und vom ersten Tag an Fragen zu stellen. Nur wenn ihr fragt, kriegt ihr Antworten.“

Berufsstart bei der Leipziger Messe

Die Leipziger Messe bietet folgende Ausbildungen

  • Veranstaltungskaufmann (m/w/d)
  • Kaufmann für Marketingkommunikation (m/w/d)
  • Kaufmann für Büromanagement (m/w/d)
  • Koch (m/w/d)
  • Fachmann für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie (m/w/d)
  • Fachinformatiker (m/w/d) (Fachrichtung: Systemintegration)
  • Fachkraft für Veranstaltungstechnik (m/w/d)

Duales Studium in den Bereichen

  • Messe-, Kongress- und Eventmanagement (B.A.)
  • Informatik (B.Sc.)
  • Wirtschaftsinformatik (B.SC.)

Mehr dazu hier.

Maxi ist sich sicher, dass sie noch eine Weile bei der Leipziger Messe arbeiten wird. Auf die Frage „Wäre die Leipziger Messe ein Mensch, in welcher Beziehung würdest du zu ihr stehen?“ lacht sie und antwortet: „Sie wäre auf jeden Fall ein Teil der Familie. Vielleicht eher eine Großtante aus der Stadt, von der ich lernen kann und die ich ein klein wenig bewundere.“

Anerkannte Experten in Leipziger Kliniken und Forschungsinstituten bringen genau diesen Standort immer weiter voran. Einer von ihnen ist Prof. Dr. Wieland Kiess, langjähriger Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig – eine Koryphäe seines Fachs, Initiator viel beachteter Projekte (siehe Infokasten) und wichtiger Partner der Leipziger Messe. Bereits zum achten Mal lud er 2024 als Kongresspräsident zum Paediatric Research nach Leipzig ein. Es war zugleich ein letztes Highlight seines jahrelangen Engagements am Tagungsstandort Leipzig. Der verdiente Ruhestand ruft.
Porträtfoto von Prof. Dr. Wieland Kiess, langjähriger Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig
Prof. Dr. Wieland Kiess, langjähriger Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig
Foto: Leipziger Messe

Leipzig als attraktiver Austragungsort von Medizin-Veranstaltungen

In den vergangenen Jahren trug Prof. Kiess maßgeblich dazu bei, wichtige medizinische Tagungen mit jeweils mehreren tausend Teilnehmern nach Leipzig zu holen – darunter die Jahrestagungen der Deutschen Diabetesgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, der europäischen Gesellschaft für pädiatrische Endokrinologie und der Deutschen Adipositas Gesellschaft. „Solche großen Fachtagungen werden mit jahrelangem Vorlauf geplant und festgelegt“, gibt Prof. Kiess einen Einblick in die Planungsarbeit. Entsprechend vorausschauend müssen bei den veranstaltenden Gesellschaften die Bewerbungen abgegeben werden. Zusammen mit der Stadt und dem Kongressbereich der Leipziger Messe konnte er Leipzig dabei immer wieder so gut platzieren, dass es den Zuschlag bekam. Kiess brachte das Renommee in seiner Fachwelt mit und zeichnete zugleich für die anspruchsvolle inhaltliche Ausrichtung verantwortlich. Das Kongressteam der Leipziger Messe steuerte die passenden Räumlichkeiten, die professionelle Planung und die reibungslose Organisation bei. Leipzig überzeugte mit Charme und Gastfreundschaft.
Kongress Paediatric Research 2024 in der KONGRESSHALLE am Zoo Leipzig
Paediatric Research Leipzig im März 2024 in der KONGRESSHALLE am Zoo Leipzig
Foto: Leipziger Messe

Kultur für Kongressbesucher

„Für solche Großprojekte bedarf es Personen, die gerne Zeit und Willen investieren“, sagt Kiess. „Personen, die auch die Öffentlichkeit nicht scheuen und ihrer Stadt etwas Gutes tun wollen.“ Aus vielen persönlichen Gesprächen weiß er, dass Leipzig unter seinen Kollegen beliebt ist und auch aufgrund des kulturellen Angebots einen herausragenden Ruf genießt. So mancher Teilnehmer eines europäischen Kongresses schwärmt zum Beispiel noch heute von Bach-Konzerten in der Thomas-Kirche. Auch in den Bewerbungen werden daher die Vorzüge Leipzigs geschildert, zu denen beste Bedingungen für Tagungen eben genauso gehören wie touristische Highlights und eine lebendige Kulturszene.

Persönliches Engagement und Netzwerk

Man ahnt: Neben guter Organisation und einem eingespielten Team ist persönliches Networking essentiell – und dieses gute persönliche Netzwerk hat sich Prof. Kiess über die Jahre aufgebaut. Dazu gehören natürlich Kollegen seines Fachs weltweit, aber auch Menschen vom Oberbürgermeister über den Porsche-Manager bis zum Polizeipräsidenten. Und sie alle holt er immer wieder mit ins Boot, um Projekte in der Stadt und Leipzig als moderne Großstadt weiterzuentwickeln. „Forschung ist gut und richtig“, sagt Kiess. „Mir war es immer wichtig, auch Ansprechpartner für gesellschaftliche Themen zu sein. Doch das ist ein ganz anderer Job als der eines Wissenschaftlers und Arztes.“ Um genau diese Themen geht es bei Projekten wie dem Ronald McDonald Haus Leipzig, beim Childhood House Leipzig und bei der der LIFE Child Studie, einer großangelegte nLangzeitstudie zur Kindergesundheit. Projekte, mit denen Leipzig weit über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung findet und mit denen Prof. Dr. Wieland Kiess untrennbar verbunden ist.

Besonderes Engagement für Kinder

  • Ein großes Herz für Kinder – Prof. Kiess ist Initiator u.a. von

    • Ronald McDonald Haus Leipzig für die Betreuung von Familien mit schwerkranken Kindern
    • Childhood House Leipzig als Schutzraum für missbrauchte Kinder und bietet umfassende Betreuung durch Ärzte, Psychologen, Jugendamt, Polizei und Justiz
    • LIFE Child-Studie zur Erforschung von Zivilisationskrankheiten

Ein erfolgreiches Berufsleben endet

Er hinterlässt große Spuren, wenn er sich im April 2024 nach mehr als 40 erfolgreichen Berufsjahren in den Ruhestand verabschiedet. Sicher wird sein Engagement nicht von 120 auf Null abfallen. Doch kürzertreten ist angesagt – und sehr viel mehr Zeit mit seiner Familie.

Ende Januar war Felix auf Pressereise in den diesjährigen Buchmesse-Gastländern Niederlande und Flandern unterwegs. Im Interview erzählt er, wohlgemerkt bei einer Tasse Tee, über literarisches Speed-Dating, Grachtenspaziergänge in Amsterdam und die Geheimnisse belgischen Trappistenbiers.

Ich versuche mir gerade vorzustellen, ich müsste drei Tage beinahe rund um die Uhr mit zehn Journalistinnen und Journalisten verbringen. Puh, ist das nicht wahnsinnig anstrengend?

(Lacht laut). Zugegeben, ich bin schon eher der Typ, der am Abend auch mal seine Ruhe haben will. Aber drei Tage halte ich das gut aus. Abgesehen davon, jagte ein Programmpunkt den nächsten und die Tage flogen nur so vorbei.

Porträtfoto Felix Wisotzki, Pressesprecher der Leipziger Buchmesse
Felix Wisotzki, Pressesprecher der Leipziger Buchmesse
Foto: Leipziger Messe

Warum laden die Gastländer, die ja ihren Auftritt auf der Leipziger Buchmesse selbst organisieren, zu so einer Pressereise?

Das ist leicht erklärt. Die Literaturstiftungen beider Regionen und die Kuratorinnen laden die Presse ein, um einerseits die Vorberichterstattung anzukurbeln. Denn sind die Autorinnen und Autoren in den Medien präsent, erhöhen sich natürlich auch die Verkaufszahlen. Da waren beispielsweise Journalistinnen und Journalisten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, des WDR, des Börsenblattes und der Leipziger Volkszeitung dabei. Das bringt schon ordentlich Reichweite. Und wenn die steigt, steigt auch das Interesse an deutschen Übersetzungen der Neuerscheinungen. Das öffnet für die Autorinnen und Autoren einer relativ kleinen Region wie Flandern und den Niederlanden den größten europäischen Absatzmarkt Deutschland.

Die Niederlande: ein Land voll Tulpen, Käse, Windmühlen, Menschen in Holzschuhen und orangenen Fußball-Trikots – richtig, Felix?

(grinst) Auf keinen Fall. Da geht es um viel mehr. Ich habe in beiden Regionen eine unglaublich junge und dynamische Schriftsteller-Szene kennengelernt, die keine Angst hat, die harten politischen und gesellschaftlichen Themen anzupacken. Sie wollen zeigen, dass die Niederlande sicher NICHT das Land eines Geert Wilders und seiner rechten Partei der Freiheit sind, auch wenn die im November die Parlamentswahlen gewonnen haben. Die Literatur in den Niederlanden steht definitiv für Diversität und Menschenrechte und gegen den Rechtspopulismus im eigenen Land.

Messeauftritt Niederlandes und Flandern zur Leipziger Buchmesse 2023 als Ausblick auf den Gastlandauftritt 2024
Der Messeauftritt der Niederlande und Flandern bei der Leipziger Buchmesse 2023.
Foto: Leipziger Messe

Welche Themenschwerpunkte setzen die niederländischen und flämischen Autorinnen und Autoren gerade?

Wie gesagt: Politische und gesellschaftliche Geschichten des eigenen Landes aber auch anderer Regionen sind stark vertreten. Etliche Neuerscheinungen drehen sich aber auch um allgemeine Fragen zu Klimawandel, Geschlechteridentität, Kolonialismus oder Feminismus. Besonders im Fokus dieses Jahr: Die Kinder- und Jugendliteratur der Niederlande und Flanderns.

Konnte dich ein bestimmtes Buch dabei besonders überzeugen?

Mich hat besonders der Roman Trophäe von Gaea Schoeters überrascht. Darin bekommt ein Großwildjäger die Möglichkeit, seine Big Five zu vervollständigen. So nennt man die Jagd auf die fünf Tierarten Elefant, Nashorn, Kaffernbüffel, Löwe und Leopard. Als diesem angeboten wird, auf Big Six – also auch noch die Jagd auf einen Menschen – zu erhöhen, eskaliert die ganze Sache. Schoeters stellt dabei die Frage in den Mittelpunkt, was ein Menschenleben wert ist. Spannend, intensiv, detailreich … wirklich großartig.

Was stand denn so auf dem Programm oder viel mehr welches Format hat dich am meisten abgeholt?

Das war ganz klar das Speed-Dating am zweiten Tag. Dabei hatten alle Pressevertreter die Möglichkeit, sich jeweils 20 Minuten allein mit einer Autorin oder einem Autor an einem Tisch zu unterhalten. Alle hatten im Vorfeld Ausschnitte der sechs Übersetzungen der Neuerscheinungen bekommen und konnten sich so relativ gut auf die Gespräche vorbereiten. Das hat unglaublich Spaß gemacht und war sehr intensiv. In 20 Minuten die Quintessenz eines Buches von den Autorinnen und Autoren selbst präsentiert zu bekommen, ist ein wahnsinnig intensives Erlebnis. Meistens saßen sogar die Übersetzerinnen und Übersetzer daneben.

Pressereise des Buchmesse-Teams durch die Niederlande & Flandern, Gruppenfoto der Teilnehmenden
Bitte recht freundlich! Die mitgereisten Medienvertreter gemeinsam mit den Organisatoren aus Deutschland und den Niederlanden und Autorinnen und Autoren des Speed-Datings.
Foto: Celia Solf

Welches Format ist dir noch im Gedächtnis geblieben?

Interessant fand ich auch die Poetry Booth.

Klingt mystisch. Was steckt da denn dahinter?

Das ist ein Teil der digitalen Literaturwelten, die das Gastland unter der Kategorie Alles außer Literatur vorstellt. Die Poetry Booth ist eine Lyrik-Maschine des VOUW Design Studios aus Amsterdam, die mit Hilfe künstlicher Intelligenz Gedichte schreibt. Der Clou ist, dass die Maschine dafür die Merkmale des Menschen vor der Kamera verarbeitet. Das hat erstaunlich gut funktioniert.

Habt ihr neben dem straffen Zeitplan auch Gelegenheit gehabt, mal abzuschalten?

Ja, morgens sind wir meistens innerhalb der Stadt zum ersten Programmpunkt gelaufen. Das waren immer sehr schöne Spaziergänge, auf denen wir uns entspannt unterhalten und die Stadt ein wenig aufsaugen konnten.

 

Am Abend haben wir zusammen gegessen und natürlich das ein oder andere Bier probiert.

Wie gefällt dir als Hobby-Bierbrauer Belgien?

Extrem gut! Vor allem mag ich die belgischen Trappistenbiere. Das sind hochprozentige Biere, die traditionell von Trappistenmönchen in Klöstern gebraut werden. Der Erlös geht dann entweder in den Erhalt der Klosteranlagen oder wird für soziale und wohltätige Zwecke verwendet. Die meisten dieser Trappistenbiere werden in Belgien gebraut. Da bin ich natürlich auf meine Kosten gekommen.

Konntest du der Presse dein Wissen über belgisches Bier näherbringen?

(Lacht.) Ja, einige waren sehr interessiert und wir haben, meist zum Abendessen, die ein oder andere Verkostung gemacht.

 

Mit welchem Bild würdest du die Reise zusammenfassen?

Für mich war diese Pressereise eine Fahrt im Schnellzug durch die niederländische und flämische Literaturlandschaft. Und um bei diesem Bild zu bleiben: In jedem Bahnhof haben wir in unglaublicher Intensität die spannende literarische Vielfalt beider Regionen kennengelernt. Der Umgang mit den Journalistinnen und Journalisten war sehr kollegial. Ich glaube alle hatten ihren Spaß und haben sehr viel gelernt auf dieser Reise.

Ich war vorher noch nie in den Niederlanden oder in Belgien, werde aber auf jeden Fall wiederkommen. Amsterdam und seine Grachten haben es mir angetan. Da will ich alsbald mal zusammen mit meiner Frau hin.

 

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, kann bei der Leipziger Buchmesse 2024 vom 21. bis 24. März zahlreiche Autorinnen und Autoren aus den Niederlanden und Flandern in einem vielfältigen Programm live erleben.

Johanna Kaden ist Grafikerin bei Dregeno, der Drechslergenossenschaft im erzgebirgischen Spielzeugdorf Seiffen. Das Örtchen feiert dieses Jahr sein 700-jähriges Jubiläum und gleichzeitig ist Dregeno auf der CADEAUX Leipzig, der Fachmesse für Geschenk- und Wohntrends, als Aussteller dabei und präsentiert erzgebirgische Holzkunst vom Räuchermännchen bis zum Osterschmuck.

Eine Aktion für die 700-Jahr-Feier von Seiffen

Um im Vorfeld nicht nur auf die Messe, sondern auch auf die Jubiläumsfeierlichkeiten in Seiffen aufmerksam zu machen, entstand die Idee, es Johann Friedrich Hiemann gleich zu tun. Seiner Zeit Seiffener Kaufmann, lief er der Überlieferung nach 1699 zu Fuß nach Leipzig, um hier auf der Messe Textil- und Holzwaren anzubieten. Heute – 325 Jahre später – erzählt man im Erzgebirge noch immer von seinem Marsch und davon, wie er die lokale Handwerkskunst in die große weite Welt trug.

 

„Ich mach das“, sagte Johanna sofort, als sich die Idee bis zu Dregeno in Seiffen herumgesprochen hatte. „Eine reine Bauchentscheidung. Ich habe anfangs nicht zu viel darüber nachgedacht, was da auf mich zukommt.“ Und so ging sie über Stock und Stein, über Straßen, Felder, Wald- und Pilgerwege. Schritt für Schritt der Leipziger Messe entgegen.

Johanna Kaden in historischer Kleidung auf der Fachmesse Cadeaux der Leipziger Messe, Anlass: das Jubiläum 700 Jahre Spielzeugdorf Seiffen
Johanna Kaden als Johann Friedrich Hiemann mit Gehrock, Dreispitz und Schiebock.
Foto: Leipziger Messe

Früher Notwendigkeit, heute Freizeitvergnügen

Im Gegensatz zu heute war es früher mit sehr viel größeren Strapazen verbunden, sein Produkt zum Kunden zu bringen. Sich das vor Augen zu halten, erhöht die Wertschätzung ungemein. Das trifft insbesondere auf Handgemachtes zu. In den Produkten, die Dregeno anbietet, steckt jede Menge Handwerkskunst, deren Herstellung sehr viel Zeit erfordert. Gleiches gilt auch für den Transport. Was Hiemann machte, war schließlich kein Freizeitsport: er sicherte nicht nur sein Geschäft sondern auch das weiterer Holzdrechsler aus Seiffen, die sich bei seiner Rückkehr über jede Menge neuer Aufträge freuten. Damals wie heute haben Messen einen so hohen Stellenwert, dass Kaufleute wie Hiemann sich auf den Weg nach Leipzig machen. Schon vor mehr als 300 Jahren hat es sich gelohnt, den damals beschwerlichen Weg zu solch einem zentralen Handelsplatz auf sich zu nehmen und hier seine Waren anzupreisen.

Regionale Wirtschaftsmotoren mit jahrhundertelanger Verbindung

Das Erzgebirge mit seinem traditionellen Kunsthandwerk ist ebenso wie die Leipziger Messe ein wichtiger Motor für die Wirtschaftskraft der Region. Über viele Jahrhunderte hinweg ist hier eine Verbindung gewachsen: beginnend mit dem Silberhandel, der Leipzig einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung bescherte, und später mit den Kundhandwerkern und Spielzeugherstellern, die ihre Ware wie Hiemann nach Leipzig brachten. Heute ist die CADEAUX Leipzig mit dem „Forum Erzgebirge“ die weltweit größte Schau des Erzgebirges. Sowohl die Frühjahrs- als die Herbstmesse sind für die erzgebirgischen Unternehmen nach wie vor eine enorm wichtige Plattformen für ihren Verkauf.
Blick in die Messehalle zur Fachmesse Cadeaux Leipzig 2024 (Frühjahr)
Besucher und Aussteller begrüßen Johanna Kaden im „Forum Erzgebirge.“
Foto: Leipziger Messe

Gelungene Aktion

Am Ziel kam Johanna mit Kostüm und Schiebock an, um noch authentischer an Johann Friedrich Hiemann zu erinnern. Damit zog sie natürlich die Blicke auf sich und das Forum Erzgebirge, das traditionell Teil der CADEAUX Leipzig ist. „Es war ein durchweg positives Erlebnis“, sagt die Seiffenerin. „Ich habe richtig Gefallen daran gefunden, es hat von Tag zu Tag mehr Spaß gemacht und nach den ersten beiden Etappen war der Muskelkater verschwunden.“ Was das Schönste an diesem Weg war? „Dass ich im winterlichen Seiffen gestartet bin und als ich in Leipzig ankam, brach hier gerade der Frühling aus und alles wurde langsam grün“, sagt sie verträumt. Es wird sicher nicht ihre letzte Tour über mehrere Tage gewesen sein.

Wer jetzt Lust hat, mehr über das Spielzeugdorf Seiffen und die erzgebirgische Handwerkskunst zu erfahren, der sei herzlich eingeladen zur 700-Jahr-Feier.

 

Alle Infos zum Jubiläum und Programm finden Sie hier: https://seiffen.de/700-jahre-seiffen/

 

Und die nächste CADEAUX Leipzig findet am 7.bis 9. September 2024 statt: www.cadeaux-leipzig.de

„Handwerk trifft Politik. Das ist unser Ziel mit dem HANDWERKSPOLITISCHEN FORUM“, sagt Martin Buhl Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe. „Und dieses Jahr war mehr denn je die Politik dabei.“ Die Handwerksmesse hat sich demnach als wichtige Plattform für die Präsentation des Handwerks und als relevanter Ort des Austausches nicht nur zwischen den Gewerken, sondern auch mit der Politik etabliert. Die Strahlkraft geht längst über Mitteldeutschland hinaus.

Steigende Relevanz des HAFO

Das HAFO ist ein wichtiger Treiber für diese Entwicklung. Die Idee der Initiatoren ist aufgegangen: Sie haben sich ganz bewusst für Leipzig und die Verbindung mit der Handwerksmesse entschieden, als sie dieses Diskussionsformat ins Leben gerufen haben. Hier kommen nämlich alle Akteure zusammen. Um diese Verbindung weiter zu stärken, fand das HAFO 2024 erstmals nicht nur parallel zur Handwerksmesse, sondern direkt in Halle 5 zwischen den Ausstellern und mitten im Geschehen statt.
Blick über Publikum, Medienbereich und Bühne beim Handwerkspolitischen Forum Ost bei der Mitteldeutschen Handwerksmesse am 14.02.2024 in Leipzig (Sachsen).
Das HAFO lud 2024 erstmals direkt in die Messehalle ein.
Foto: Leipziger Messe
Unter diesen Vorzeichen zieht die Veranstaltung mittlerweile auch die oberste Riege der Politik an: Sowohl Landes- als auch Bundpolitiker nutzen diese Chance, mit dem Handwerk in direkten Austausch zu kommen – nicht nur bei der Podiumsdiskussion auf der Bühne, sondern auch bei ausführlichen Messerundgängen, bei denen gern selbst Hand angelegt wird. Habeck packte kurzerhand das Jackett zur Seite und knetete unter Anleitung Hefezöpfe. Kretschmer schweißte Herzen aus Kupferrohren. Das ergab zum einen schöne Bilder für die Presse, zum anderen freuten sich die Aussteller über solch hohen Besuch –trotz aller Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Situation oder einzelnen politischen Entscheidungen. Und so nutzen beide Seiten die Möglichkeit, auf Tuchfühlung zu gehen, ihre Situation zu erklären und Argumente auszutauschen.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck in der Schaubäckerei Hennig zur mitteldeutschen handwerksmesse 2024 auf der Leipziger Messe
Robert Habeck besucht das Backhaus Hennig bei seinem Messerundgang auf der mhm.
Foto: Leipziger Messe
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer zum Messerundgang zur mitteldeutschen handwerksmesse 2024
Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, beim Messerundgang auf der mitteldeutschen handwerksmesse 2024.
Foto: Leipziger Messe

Kühle Köpfe und starke Argumente in Zeiten heißer Diskussionen

„Wir freuen uns, dass wir in Zeiten heißer Diskussionen einen Platz für Debatten mit kühlen Köpfen und starken Argumenten bieten konnten“, sagt Martin Buhl-Wagner. „Das Handwerk vermag es, an den wichtigen Themen Klimawende, Digitalisierung, Elektromobilität oder Wohnungsbau mitzudrehen. Welche Voraussetzungen die Politik schaffen kann und was das Handwerk selbst dazu beitragen kann, damit sich möglichst viele Menschen für die Selbstständigkeit im ‚Handwerk’ entscheiden, stand dieses Jahr beim HAFO ebenfalls im Fokus.“


Das große mediale Interesse mag in diesem Fall Vizekanzler Robert Habeck zu verdanken sein. Aber es steht beispielhaft für die Relevanz dieser direkten, persönlichen Begegnungen und verhilft dem Handwerk zur Sichtbarkeit in der öffentlichen Diskussion. Der Leipziger Messe spiegelt es gleichzeitig ihre Bedeutung als wichtige Plattform für aktuelle Themen, denn dieser Imagegewinn überträgt sich auch auf andere Veranstaltungen und wirkt für den Standort allgemein.

Aus mhm wird „HANDWERK live“

Die mitteldeutschen handwerksmesse ist längst über den regionalen Wirkungskreis von Sachsen und Mitteldeutschland hinausgewachsen. Ab 2025 wird dies auch im Namen deutlich: Sie heißt dann „HANDWERK live“ und bekommt gleichzeitig ein frisches Design.
Logo der Messe Handwerk Live
Auch dieser Schritt steht für die überregionale Bedeutung der Leipziger Messe. Veranstaltungen für unterschiedliche Branchen präsentieren bundesweit Innovationen, schaffen Raum für Begegnungen und geben wichtige Impulse für zukünftige Herausforderungen. Derartig aufgestellte Messen sind für Politiker auch in Zukunft der ideale Ort, um mit den unterschiedlichsten Branchenvertretern direkt ins Gespräch zu kommen.

Wasserstoffnetz Mitteldeutschland 2.0

Geht es nach den Teilnehmern der Studie, erhält Mitteldeutschland schon bald eine Schlüsselrolle in der nationalen Wasserstoffstrategie. Die besondere Infrastruktur rund um das mitteldeutsche Chemiedreieck und das hohe Potenzial für die Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien bieten jedenfalls beste Voraussetzungen. Der Freistaat Sachsen sieht in dem Aufbau einer resilienten Wasserstoffwirtschaft großes nachhaltiges Wachstums- und Beschäftigungspotenzial. Auf dem Weg zur Umsetzung der Wasserstoffstrategie steht die Leipziger Messe konsequent als starker Partner hinter der Region.

Grafik: Metropolregion Mitteldeutschland

Das muss man wissen: Was ist grüner Wasserstoff?

Wasserstoff wird je nach seiner Entstehung nach Farben unterschieden. Blauer Wasserstoff entsteht beispielsweise bei der Dampfreduzierung von Erdgas, roter Wasserstoff mithilfe von Strom aus Atomkraft. Die Farbe Grün bezeichnet außergewöhnlich nachhaltigen Wasserstoff, der mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird. Er ist also klimaneutral und damit besonders attraktiv für die Leipziger Messe.

Wofür brauchen wir grünen Wasserstoff?

Wasserstoff dient der Industrie, um Kohle in der Stahlproduktion zu ersetzen und damit viele Prozesse klimafreundlicher zu machen. In der Automobilbranche kann er für Brennstoffzellen genutzt werden, die mit Wasserstoff einen Elektromotor antreiben. Außerdem könnten wasserstoffbasierte E-Fuels zum neuen Kraftstoff für Großverbraucher wie beispielsweise im Flug- und Schiffsverkehr genutzt werden. Für die Leipziger Messe ist grüner Wasserstoff besonders im Bereich der Wärmeerzeugung interessant.
So wird Wasserstoff erzeugt, transportiert, gespeichert und angewendet.
Grafik: VNG AG

Green Hydrogen Innovation Congress im CCL

Schon länger engagiert sich die Leipziger Messe für das Themenfeld “Grüner Wasserstoff”. 2022 fand im Congress Center Leipzig (CCL) erstmals der internationale Fachkongress “Green Hydrogen Innovation Congress” unter dem Motto “Regionale Innovatoren als Wegbereiter für eine europäische grüne Wasserstoffwirtschaft“ statt. Mit spannenden Diskussionsrunden und Fachbeiträgen hat die Leipziger Messe als Gastgeber auf dem hybriden Fach- und Networking Event bereits damals klar ihr enormes Interesse und Engagement rund um das Thema verdeutlicht.
Blick in einen Saal des Congress Center Leipzig. Am Rednerpult auf der Bühne Martin Dulih, Sachsens Wirtschaftsminister
Der „Green Hydrogen Innovation Congress“ fand 2022 im Congress Center Leipzig statt. Foto: Leipziger Messe

Niemals den Anschluss verlieren

Im BMW-Werk Leipzig wird bereits jetzt grüner Wasserstoff in der Lackiererei genutzt. Ein flexibler Brenner kann dort mit Erdgas, grünem Wasserstoff oder einer Mischung aus beiden betrieben werden. In der Nähe zum BMW-Werk sieht die Leipziger Messe das Potenzial, künftig beim Ausbau der Trassierungen berücksichtigt zu werden und so vielleicht mit angeschlossen zu werden. Bis 2030 will sie schließlich ihre CO2-Emission halbieren.

„Es ist unrealistisch zu glauben, dass wir unseren Erdgasverbrauch 1:1 in Wasserstoff umsetzen können. Aber eine Mischung aus verschiedenen Erzeugern oder die grüne Belieferung einzelner Gebäude ist durchaus denkbar.“

Die Leipziger Messe beschäftigt sich intensiv mit grundlegenden Fragen rund um eine künftige Energieversorgung und der damit einhergehenden Verantwortung. Grüner Wasserstoff könnte ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit sein. Ein weiteres Puzzleteil ist die Photovoltaik-Aufdach-Anlage, welche 15 Prozent des Strombezuges abdecken soll. Sie befindet sich auf den Dachflächen von Handwerkerzentrum, Westflügel und Messehaus und soll noch in diesem Jahr in Betrieb gehen.
Photovoltaik-Aufdachanlage der Leipziger Messe, im Hintergrund der Messetur mit dem Doppel-M
Photovoltaik-Aufdachanlage auf dem Handwerkerzentrum, Foto: Leipziger Messe

Der Bedarf ist da

Im Sommer 2024 werden die Ergebnisse der Studie ‚Wasserstoffnetz Mitteldeutschland 2.0‘ vorgestellt, die gemeinsam von der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland, dem Wasserstoff-Netzwerk HYPOS, der DBI Gas- und Umwelttechnik GmbH sowie der INFRACON Infrastruktur Service GmbH & Co. KG durchgeführt wird. So viel lässt sich schon sagen: Der Bedarf an grünem Wasserstoff steigt deutlich schneller als die Menge dessen, was durch regionale Erzeugung abdeckbar ist. Deshalb soll die Region so schnell es geht an die geplante europäische und nationale Wasserstoff-Infrastruktur angebunden werden.