Knapp 25.000 Kinder unter 15 Jahren leben in Leipzig. 25.000 junge Menschen, die sich eine lebenswerte, bunte und vielfältige Stadt wünschen. Dafür haben Leipzigs Bürgerinnen und Bürger jede Menge Ideen. Mit dem Familienfreundlichkeitspreis bekommen diese Ideen eine Bühne – und die Leipziger Messe unterstützt den Preis von Anfang an, finanziell und ideell. Steffi Schneider aus dem Team Unternehmenskommunikation ist Mitglied der Jury und setzt sich jedes Jahr intensiv mit den eingereichten Ideen auseinander. „Unsere Jury besteht aus verschiedenen Erwachsenen. Das Wunderbare am Preis: Auch Kinder sind dabei. Sie prüfen die Ideen auf Herz und Nieren“, erzählt sie. Das heißt aber nicht nur Projektpapiere lesen: Drei Projekte werden in Online-Interviews geprüft, drei weitere vor Ort besichtigt. „Uns ist wichtig, wirklich zu sehen, was die Projektpartner mit dem Geld vorhaben.“
Foto: Leipziger Messe
Familienfreundlichkeitspreis: Die Stadt durch Kinderaugen sehen
Besonders wertvoll sind die Fragen der Kinder: Was passiert mit dem Geld? Wie sieht das Projekt am Ende aus? Und was haben wir Kinder davon? „Diese direkte Art ist unglaublich hilfreich“, sagt Steffi Schneider. In den vergangenen Jahren wurden so etwa ein Verein ausgezeichnet, der „Leih-Großeltern“ vermittelt, sowie eine Familienolympiade und das Angebot „Kochen verbindet“, bei dem Menschen verschiedener Generationen und Kulturen gemeinsam kochen. Im vergangenen Jahr fand die Preisverleihung im Rahmen eines Familienspielfestes statt – „eine schöne Umsetzung, denn so wurden die Projekte direkt für ihre Zielgruppe sichtbar.“ Trotz des Aufwandes ist die Juryarbeit für Steffi Schneider ein Herzensprojekt. „Wenn man sieht, wie sich Menschen – meist ehrenamtlich – für unser Miteinander einsetzen, ist man manchmal fast ehrfürchtig.“
Foto: Leipziger Messe
Forschungsprojekt KRIDEM: Wie nachhaltig kann Messe sein?
Um Nachhaltigkeit bei Veranstaltungen dreht sich alles bei KRIDEM. Hinter dem zunächst kryptisch klingenden Namen steckt eine klare Idee: die Beobachtung der Kreislaufwirtschaft in der Messewirtschaft. Unter der Leitung der Hochschule Osnabrück wird untersucht, wie es bei Messen und Kongressen gelingen kann, möglichst viele Produkte und Materialien im Kreislauf zu halten – also wiederzuverwenden, statt sie zu entsorgen. Blaupause des Projekts ist die OTWorld, Weltleitmesse für die moderne Hilfsmittelversorgung. „Die Veranstaltung eignet sich hervorragend, da sie Messe und Kongress verbindet, zu den größten Fachmessen gehört und eine große Fläche bespielt“, erklärt Michel Ghattas-Kämpfner. Als Nachhaltigkeitsmanager bei der Leipziger Messe ist er Teil des KRIDEM-Projektteams. Neben der Hochschule gehören auch das Messe- und Architekturunternehmen imb Troschke, die Agentur 2bdifferent, der Messeverband AUMA und die Fachzeitschrift tw tagungswirtschaft dazu. Sie alle bringen ihre Expertise ein, um möglichst viele Aspekte der Nachhaltigkeit in einem Circular Scan zu betrachten.
Circular Scan für alle Aspekte der Kreislaufwirtschaft
Wie genau die Forschungsarbeit bei KRIDEM aussieht? In einem Leistungskatalog werden unterschiedliche Aspekte einer optimalen Kreislaufwirtschaft gebündelt. „Das ist ein Rundumblick auf die Messe – von Abfall über Catering bis hin zum Stromverbrauch“, so Ghattas-Kämpfner. Die Liste ist entsprechend lang. Einige Daten können schon vor der Messe erhoben werden. Andere werden direkt während der Laufzeit untersucht, indem Abläufe beobachtet und Materialien geprüft werden. Neu ist, dass nach der OT World der entstandene Abfall erstmals detailliert getrennt wird. „So sehen wir genau, welche Materialien eingesetzt wurden und welche recycelbar sind. Das passiert bislang viel zu selten“, so Ghattas-Kämpfner. „Wir wollen zeigen, wo man trotz Zeitdruck nachhaltiger werden kann.“
Werden wir eine komplett nachhaltige OTWorld erleben? „Die Leipziger Messe ist bei vielen Nachhaltigkeitsthemen schon sehr weit, etwa im Catering oder im zunehmend papierlosen Marketing. Trotzdem gibt es weiterhin Verbesserungsbedarf.“ Eine vollständig nachhaltige Messe gebe es derzeit in ganz Deutschland nicht. „Aber Projekte wie KRIDEM bringen uns einen großen Schritt in die richtige Richtung.“ Die gewonnenen Erkenntnisse sollen weit über die OTWorld hinaus wirken: Ein Leitfaden mit konkreten Handlungsempfehlungen soll Ende 2026 vorliegen und zu mehr Nachhaltigkeit in der deutschen Messelandschaft beitragen.
Foto: KRIDEM
Public Value Award: Gemeinwohl meets Start-up
Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema des Public Value Award for Start-ups. Der Preis zeichnet gemeinwohlorientierte Gründungen aus, die einen messbaren Nutzen für die Gesellschaft stiften. Dr. Andreas Knaut, Unternehmenssprecher und Bereichsleiter Kommunikation der Leipziger Messe, ist Mitglied der Jury. „Hier verbinden sich gesellschaftlich relevante Ideen mit wirtschaftlichem Spirit“, sagt er. Die Bandbreite der Themen reicht vom nachhaltigen Bauen über Bildungsinitiativen bis zu Gesundheit und IT – „und sie ist ein gesellschaftlicher Gradmesser, denn die Projekte geben Antworten auf aktuelle Herausforderungen: begrenzter Wohnraum oder die Überalterung der Gesellschaft.“
Bei der Preisverleihung in der KONGRESSHALLE am Zoo Leipzig ging der erste Preis 2025 an „TRIQBRIQ“ aus Stuttgart, ein modulares Holzbausystem aus Industrie- und Restholz. Auf den weiteren Plätzen folgten „Perspective Care“, eine intelligente Pflegeunterstützung, sowie „coobi“, eine medizinisch zertifizierte Plattform zur Nachsorge bei Suchterkrankungen.
Foto: Leipziger Messe
Messen als Plattform für Start-ups
„Die Einreichungen sind für uns immer ein spannendes Beobachtungslabor“, so Knaut. „Hier werden Themen und Trends früh sichtbar, die auch für kommende Messen interessant sein könnten.“ Start-ups sind der Leipziger Messe nicht fremd. Viele Veranstaltungen verfügen über eigene Start-up-Areale. „Wer weiß, vielleicht treffen Preisträgerinnen und Preisträger und unsere Messekonzepte einmal ganz real aufeinander.“ Die Auswahl wäre in jedem Fall groß. Denn der Public Value Award hat sich seit 2016 in der Start-up-Szene fest etabliert. Insgesamt wurden in den vergangenen Jahren rund 600 Einreichungen gezählt. Zunehmend gibt es auch internationale Bewerbungen. Mehr als 80 Prozent der Preisträger haben sich bis heute am Markt etabliert. „Denn auch darauf legt der Preis Wert: auf wirtschaftliche Tragfähigkeit. Gemeinwohl braucht schließlich starke finanzielle Partner.“
Foto: Leipziger Messe
Runder Tisch Gemeinwohl: Ideen für ein lebenswertes Leipzig
Wie wird Leipzig zu einer lebenswerten Stadt, in der gesellschaftliches Miteinander gefördert wird und funktioniert? Dieser Frage widmet sich der Runde Tisch Gemeinwohl. Initiiert von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung bringt er seit 2022 rund 45 Leipziger Unternehmen und Institutionen zusammen, die das Stadtleben maßgeblich prägen. Neben der Leipziger Messe gehören dazu BMW, die Leipziger Stadtwerke, aber auch Feuerwehr, Polizei oder die Verbraucherzentrale. „Die Beteiligung am Runden Tisch war für uns sofort klar“, sagt Andreas Knaut. „Denn der Gedanke des Gemeinwohls ist fest in der DNA der Leipziger Messe verankert.“ Jede Messe leistet ihren Beitrag, schon dadurch, dass sie wirtschaftliche Impulse in die Region bringt – ob für Restaurants, Hotels oder den ÖPNV. Darüber hinaus unterstützt die Leipziger Messe zahlreiche Projekte und Akteure der Stadt, etwa den Handballbundesligisten SC DHfK. „Und die Messe ist ein Ort, an dem gesellschaftliche Themen verhandelt werden und Impulse entstehen – auch das ist ein wichtiger Beitrag für Leipzig.“
Foto: Runder Tisch Gemeinwohl / Anika Dollmeyer
Premiere für das Leipziger Gemeinwohlparlament
Der Runde Tisch Gemeinwohl hat zuletzt das Gemeinwohlparlament Leipzig an den Start gebracht. Im Dezember 2025 stimmte das Parlament erstmals demokratisch darüber ab, wofür die gesammelten Fördergelder aus dem Gemeinwohltopf eingesetzt werden. „Gemeinwohl wird hier durch direkte Bürgerbeteiligung erlebbar.“ Andreas Knaut sieht darin eine große Chance für Leipzig. „In dieser Stadt steckt enorm viel Entwicklungspotenzial, welches im Miteinander noch stärker zum Leuchten kommt.“
Foto: Runder Tisch Gemeinwohl / Anika Dollmeyer