Was Kinder essen, prägt ihr Leben – in jeder Kita, an jeder Schule, jeden Tag. Die Fachtagung Future Food auf der ISS GUT! 2025 verwandelte diese großen Fragen der Gemeinschaftsverpflegung in konkrete Antworten. Erzieherinnen trafen Küchenprofis. Landwirte kamen mit kommunalen Entscheidern ins Gespräch. Cateringunternehmen diskutierten mit Politik und Verwaltung. Alle einte ein Ziel: digitale Lösungen für eine gesunde, regionale und zugleich bezahlbare Verpflegung zu finden. Formate und Räume der ISS GUT! machten diesen Austausch möglich. „Wenn wir Ernährung neu denken wollen, müssen wir alle an einen Tisch bringen – Politik, Verwaltung, Produzenten und Küchen“, forderte Thomas Marbach, Leiter der ANSTALT für Koch- und Lebensmittelkultur. Für ihn war die ISS GUT! genau dieser Tisch.
Foto: Leipziger Messe
Technik, die das Kochen leichter macht
Wie digitale Werkzeuge Küchen bei Einkauf, Planung und Umsetzung unterstützen können, wurde auf der ISS GUT! ganz konkret gezeigt:United Against Waste machte mit Abfallanalysen sichtbar, wo in Großküchen Lebensmittel verloren gehen. Auf dieser Basis entstehen smartere Speisepläne, die Verschwendung verringern und Abläufe effizienter machen.
Einen anderen Ansatz verfolgt der Robotic Kitchen Assistant von GoodBytz: Er bereitet täglich bis zu 3.000 Gerichte mit klassischen Kochtechniken zu. So bleibt Küchenkräften Zeit für kreative Aufgaben, während der Roboter repetitive Tätigkeiten übernimmt.
Der regionale Saisonkalender des FoodHub Leipzig beantwortet eine weitere wichtige Frage: Wie lassen sich regionale Produkte zuverlässig in die Speisepläne integrieren? Das digitale Tool zeigt, welche Lebensmittel in der Region gerade Saison haben, wer sie produziert – und wie sie in die Küchen gelangen. Auch Zubereitungstipps sind hinterlegt. So können Küchen saisonal im Voraus planen und Landwirte verlässlich liefern.
Eine weitere Perspektive brachte Ernährungsexpertin Sarah Schocke ein. Sie wirbt für „Speisepläne mit Mitbestimmungsfunktion“. Kinder sollen selbst entscheiden können, was sie essen – nur so entsteht Akzeptanz für gesundes Essen und ein spielerischer Zugang zu Ernährungskompetenz.
Auch die kommunale Verwaltung erhielt konkrete Argumente: Investitionen in digitale Küchenstrukturen sparen langfristig Kosten, verbessern Abläufe und bringen mehr Qualität auf die Teller.
Foto: Leipziger Messe
Wenn die Bäuerin den Koch trifft
Wie regionale Versorgung heute funktionieren kann, demonstriert der FoodHub Leipzig. Die Plattform bringt Produzenten, Handel und Großküchen zusammen, um Lebensmittel aus einem Umkreis von unter 100 Kilometern planbar zur Verfügung zu stellen.
„Wir bringen Küche und Landwirtschaft in direkten Kontakt“, erklärt Thomas Marbach. „Daraus entstehen nicht nur neue Rezepte, sondern auch neue Wertschätzung.“ Neben digitalen Tools wie Saisonkalender und Großanzeigen-Marktplatz gehören auch analoge Formate wie Speed-Datings und die „Köche Safari“, die professionelle Köchinnen und Köche zu Produzenten im Leipziger Umland führt, dazu. Sie schaffen Vertrauen – und kurze Wege.
In Kitas und Schulen zeigt sich die Wirkung unmittelbar: Kinder erkennen Zutaten wieder, fragen nach Herkunft und Verarbeitung und essen bewusster. Regionale Küche wird zum Lernmoment.
300 Kilogramm Edamame-Bohnen gerettet
Ein Beispiel machte auf der ISS GUT! die Wirkung digitaler Vernetzung greifbar: Ein Landwirt stellte über den Großanzeigen-Marktplatz 300 Kilogramm Edamame ein, die er nicht verkaufen konnte. fairgourmet übernahm die Bohnen, verarbeitete sie in der Messeküche – und rettete sie so vor der Abfalltonne.
„Die Leipziger Messe hat verstanden, dass Regionalität nur funktioniert, wenn man Menschen zusammenbringt“, lobte Marbach. „Und genau das macht sie möglich.“
Was bleibt: Regionalität in der Praxis
Der FoodHub Leipzig zeigt, wie Regionalität in der Praxis gelingt. Die Leipziger Messe geht voran und beweist: Nachhaltigkeit beginnt am eigenen Standort – und wirkt weit über das Messegelände hinaus.
Die nächste ISS GUT! findet im November 2027 auf der Leipziger Messe statt.