Messe Magazin

50. OTWorld: Der kleine große Unterschied

Mit dem Jubiläum der OTWorld feiert die Branche im Mai 2026 auf der Leipziger Messe das Leben, das durch moderne Hilfsmittelversorgung gewinnt.

Inhaltsverzeichnis

„Du machst den Unterschied!“ Dieser Satz steht seit 2024 über der OTWorld, der führenden Plattform für Hersteller, Händler, Leistungserbringer und Dienstleister in der modernen Hilfsmittelversorgung. Vom 19. bis 22. Mai 2026 feiert die Veranstaltung auf der Leipziger Messe ihr 50-jähriges Jubiläum. Dass sie die führende Branchenveranstaltung der Welt ist, steht dabei außer Frage. Doch nicht, weil Expertinnen und Experten im Elfenbeinturm die neusten Entwicklungen besprechen, sondern weil sie den Menschen und seine optimale Versorgung in den Mittelpunkt stellen – in der Theorie, vor allem aber in der Praxis. Ein Blick auf eine Veranstaltung, die seit 50 Jahren lebendig bleibt.

„Du machst den Unterschied!“ – dieser Satz steht seit 2024 für die OTWorld.
Foto: Leipziger Messe

Wer die OTWorld einmal besucht hat, weiß, was der Satz „Du machst den Unterschied!“ bedeutet. Auf der internationalen Fachmesse und im Weltkongress begegnet man Orthopädie(schuh)-Technikern, Sanitätshausmitarbeitern, Ärzten und Physiotherapeuten. Und man erlebt sie nicht nebeneinander, vielmehr im Austausch miteinander. „Wenn ich ein zentrales Element der OTWorld benennen müsste, dann ist es die zunehmende Verbindung aller Professionen rund um die Versorgung der Menschen“, sagt Antje Feldmann, Projektleiterin der Confairmed GmbH, einer Tochtergesellschaft des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik (BIV-OT). In ihrer Funktion hält sie die organisatorischen Fäden des Kongresses der OTWorld zusammen. „Unser Handwerk lebt von jedem einzelnen Handgriff, jeder Zuwendung, jedem Gedanken an eine Alternative. Und genau diese wird auf der OTWorld sichtbar.“

Antje Feldmann, Projektleiterin der Confairmed GmbH
Foto: Confairmed GmbH

Seit über 20 Jahren arbeitet sie mit Antje Voigtmann zusammen. Diese ist als Projektdirektorin bei der Leipziger Messe verantwortlich für die internationale Fachmesse. „Auf der OTWorld wird deutlich: Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht das Hilfsmittel. Allen Machern hinter der OTWorld geht es darum, die Versorgung der Menschen mit Hilfsmitteln immer weiter zu verbessern und damit noch mehr Teilhabe und Lebensqualität zu ermöglichen.“ Man merkt es: Beide sind stolz auf „ihre“ OTWorld – weil der Veranstaltung mehr gelingt als bloßer Wissenstransfer.

Antje Voigtmann, Projektdirektorin bei der Leipziger Messe
Foto: Leipziger Messe

Plattform seit 1976: 50 Jahre Geschichte

Wir schreiben das Jahr 1976. In Düsseldorf öffnet die erste ORTHOPÄDIE TECHNIK international ihre Türen. Auf Initiative des BIV-OT treffen sich zahlreiche Orthopädie-Techniker, um aktuelle Themen zu diskutieren und Versorgung weiterzudenken. Die Veranstaltung tourt zunächst durch Deutschland, bevor sie im Jahr 2000 erstmals in Leipzig stattfindet – und hier ihre Heimat findet. „Bei den ersten Veranstaltungen standen vor allem Prothetik und Orthetik im Fokus“, erinnert sich Antje Voigtmann. „Doch mit zunehmendem Wachstum kamen weitere Bereiche hinzu, von der Schuhtechnik bis hin zu angrenzenden Disziplinen.“ Damit wuchsen auch Ausstellung und Kongress.

Einer der Bereiche, die über die Jahre die OTWorld bereichert haben: Orthopädie-Schuhtechnik
Foto: Leipziger Messe

2010 folgte ein weiterer Meilenstein: Parallel zur OTWorld fand der ISPO-Weltkongress statt und holte weiteres internationales Publikum nach Leipzig. Dann zwingt die Pandemie auch die OTWorld zum Innehalten. „Im Jahr 2020 mussten wir die Veranstaltung sechs Wochen vor Beginn absagen. Das war schon hart für uns alle“, erinnert sich Voigtmann. Doch die Branche wäre nicht die Branche, wenn sie nicht weitergemacht hätte. Im Herbst 2020 wurde mit OTWorld.connect ein digitales Format umgesetzt. So konnten zumindest virtuell neueste Erkenntnisse ausgetauscht werden.  „Die Veranstaltung war auch ein Meilenstein für die Veranstaltungsbranche. Wir waren damals die erste Veranstaltung in Leipzig, die komplett digital stattfand und auch funktionierte“, sagt Voigtmann. Und trotzdem waren alle erleichtert, als sie sich 2022 wieder persönlich begegnen konnten.

 

2024 ging die OTWorld mit einem noch breiteren Kongressprogramm, mehr Ausstellungsfläche und einer gewachsenen Zahl wissenschaftlicher und praxisnaher Workshops an den Start. Die Verbindung aus wissenschaftlichem Austausch, der Präsentation von Produktneuheiten und praktischem Ausprobieren ist inzwischen Markenzeichen der Veranstaltung. In ihrem Jubiläumsjahr 2026 öffnet die OTWorld mit mehr als 570 Ausstellern aus über 40 Ländern und einem umfassenden Kongress- und Workshopprogramm mit mehr als 100 Stunden Vortragszeit, die mehr als 300 Referenten aus über 30 Ländern gestalten.

Am 19. Mai 2026 öffnet die OTWorld wieder ihre Türen auf der Leipziger Messe.
Foto: Leipziger Messe

Sprachrohr der Branche: Versorgungskonzepte, die funktionieren

Dass der Weltkongress und die Weltausstellung OTWorld seit Jahren in Deutschland stattfinden, ist kein Zufall. Das Orthopädie-Technik-Handwerk Deutschlands gilt international seit Jahrzehnten als Leuchtturm für eine qualitätsgesicherte individuelle Hilfsmittelversorgung. Forschung und Entwicklung haben hier traditionell einen hohen Stellenwert. Weltmarktführer wie Otto Bock und Bauerfeind prägen die Branche industrieseitig maßgeblich. Ein hoch entwickeltes Gesundheitssystem schafft überdies die Voraussetzungen, neue Technologien in die Versorgung zu integrieren und unter realen Bedingungen zu erproben.

Messeauftritt von Bauerfeind auf der OTWorld
Foto: Leipziger Messe

Gleichzeitig steht die Branche vor großen Herausforderungen: steigende Kosten und eine alternde Gesellschaft erhöhen den Druck auf alle Beteiligten. „Nicht alle Entwicklungen finden direkt Eingang in das Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes“, sagt Antje Feldmann. „Aber auch dabei ist die OTWorld ein wichtiges Sprachrohr. An ganz konkreten Beispielen sehen Verantwortliche, wie neue Versorgungskonzepte funktionieren und wie sie Menschen wieder in ihren Alltag zurückholen.“ Die OTWorld sei ein sichtbarer Beweis für das, was die Branche leisten könne, ergänzt Voigtmann.

Im Start-up-Bereich der OTWorld werden Innovationen vorgestellt.
Foto: Leipziger Messe

Weitergeben – vor der Tür und in der ganzen Welt

All diese Erkenntnisse hält die Branche in Deutschland nicht hinter verschlossenen Türen, sondern trägt ihr Wissen in die Welt. In vielen Schwellenländern fehlen noch immer Strukturen für eine flächendeckende Hilfsmittelversorgung. Der Bedarf ist groß, die Möglichkeiten sind aber oft begrenzt, praktische Erfahrung und Ausbildungsmöglichkeiten ausbaufähig. „Dank unserer internationalen Ausrichtung sind wir stark vernetzt und sprechen hier ganz konkret darüber, wie wir Lösungen für den Alltag in Länder bringen können, die noch viel mehr Unterstützung brauchen“, sagt Antje Feldmann. Dabei geht es nicht um die neueste Technologie, es geht vielmehr um Wissenstransfer, um Ausbildung, um nachhaltige Strukturen.

Austausch über Innovationen auf der OTWorld, hier am Stand von Otto Bock
Foto: Leipziger Messe

Das Weitergeben beginnt direkt vor der eigenen Haustür. Der Fachkräftemangel macht vor dieser Branche nicht halt, doch das Team der OTWorld ist überzeugt: Die Berufe entlang der Versorgungskette sind attraktiv, man muss nur zeigen, welche Perspektiven sie bieten. Mit einem Azubi-Programm lädt die OTWorld bis zu 500 Auszubildende aus Europa nach Leipzig ein. Auf dem Programm stehen Führungen, Vorträge, Workshops, eine Party – und vor allem viel Raum für Austausch. Ein eigener Campusbereich macht die Arbeit der Hochschulen sichtbar, auf der Start-up-Fläche werden frische Innovationen präsentiert. „In diesem Jahr haben wir zudem für unseren Kongress erstmals Nachwuchskräfte eingeladen, eigene Sessions zu gestalten“, so Feldmann. Das Echo war durchweg positiv. Junge Orthopädie-Techniker stehen dann zum ersten Mal auf der Bühne und teilen ihr Wissen mit dem Publikum. Natürlich gehört Aufregung dazu. Aber genau dieses Sich-Öffnen, dieses Weitergeben, ist es wieder – der kleine Unterschied.

Campusbereich der OTWorld
Foto: Leipziger Messe

Aus der Theorie in die Praxis: Der Kongress als Zukunftsweiser

Interdisziplinarität ist auf der OTWorld nicht nur ein Schlagwort, sondern im Kongress gelebtes Prinzip. Ganz praktisch zeigt sich das seit einigen Jahren daran, dass das Kongresszentrum bewusst mitten in die Messehalle integriert wird. „Wir haben gemerkt, dass eine räumliche Trennung unserem Grundgedanken widerspricht“, erklärt Antje Voigtmann. So werden heute mitten im Messegeschehen wissenschaftliche Erkenntnisse präsentiert, Trends diskutiert und neue Perspektiven eröffnet. Jedes Jahr übernimmt ein Kongresspräsidenten-Duo die inhaltliche Leitung und setzt eigene thematische Akzente. „In den vergangenen Jahren haben wir oft erlebt, dass Themen, die hier diskutiert wurden, wenige Jahre später in der Praxis angekommen sind“, berichtet Feldmann.

Das Kongresszentrum der OTWorld ist direkt in die Messehalle integriert.
Foto: Leipziger Messe

In diesem Jahr kommt erstmals KI-gestützte Übersetzungstechnologie zum Einsatz. „Gerade bei unseren vielen Fachbegriffen ist das eine Herausforderung“, sagt Feldmann. Perspektivisch soll es möglich werden, Inhalte in zahlreiche Sprachen zu übertragen und so noch mehr Menschen den Zugang zu aktuellen Themen der Branche ermöglichen. Denn Versorgung ist längst ein globales Thema. Gerade in einer zunehmend krisengeprägten Welt gewinnt die Hilfsmittelversorgung in Kriegs- und Krisengebieten an Bedeutung. „Angesichts der Weltlage gehört dieses Thema auf unsere Agenda“, sagt Feldmann. „Aber unser Ziel muss es sein, selbst dieses so schwierige Feld ein Stück besser zu machen.“ Verantwortung sehen und annehmen. Auch das ist der kleine große Unterschied.

Auch im Jubiläumsjahr 2026: Der Mensch im Mittelpunkt

Und wie wird das Jubiläum gefeiert? Natürlich mit dem Menschen im Mittelpunkt. Seit Monaten werden Geschichten gesammelt, von Menschen, deren Leben sich durch eine gute Versorgung verändert hat. Diese Geschichten – 50 werden es am Ende sein – werden unter anderem auf LinkedIn veröffentlicht und finden ihren Höhepunkt während der Messe selbst. Dann werden sie vor Ort erzählt – und vor allem sichtbar sein. Und natürlich wird auch gefeiert, nicht nur in den Messehallen, sondern an gleich drei Orten in der Stadt. „Und unsere Partys sind legendär“, sagt Voigtmann schmunzelnd. „Da die Branche nicht riesengroß ist, fühlt es sich wie ein großes Familientreffen an.“ Jenes, auf dem gesprochen und diskutiert, am Ende aber gemeinsam gelacht und getanzt wird.

Das Jubiläum der OTWorld wird gefeiert – auf der Messe und an Orten in der Stadt.
Foto: Leipziger Messe

Blick in die Zukunft der OTWorld

Und wie sieht die Zukunft der Veranstaltung aus? Der Wunsch der Projektleiterinnen ist klar: Dieses Familientreffen darf weiter wachsen, international seine Bedeutung halten und dabei nicht den Kern verlieren. „Ich hoffe, dass wir diesen Weg weitergehen – und auch dem Nachwuchs die Attraktivität dieses Berufsfelds aufzeigen können“, sagt Feldmann. Antje Voigtmann ergänzt: „Mein Ziel ist, dass wir mit all unserem Wissen, aber auch mit dem Spirit der OTWorld die Versorgung der Menschen weiter verbessern.“

Für die diesjährige Veranstaltung haben beide eine klare Erwartung: „Wenn am 22. Mai die Menschen nach Hause fahren, sollen sie sagen: Diese Tage haben sich für mich und meine Arbeit mehr als gelohnt“, so Antje Voigtmann. Antje Feldmann ergänzt: „Und ich hoffe, dass wir alle mit einem etwas größeren Herzen zurückfahren.“ Da ist er wieder – dieser kleine große Unterschied, der die OTWorld mehr als zu einer bloßen Fachveranstaltung macht.

Das Jubiläum der OTWorld im Überblick

  • Erstveranstaltung: 1976 (als ORTHOPÄDIE TECHNIK international in Düsseldorf)
  • Standort: seit 2000 auf der Leipziger Messe
  • Turnus: alle zwei Jahre
  • Termin der OTWorld 2026: 19. bis 22. Mai
  • Veranstalter: Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) / Confairmed GmbH
  • Bestandteile: internationale Fachmesse und Weltkongress
  • 2026 (Jubiläumsausgabe):
    • Aussteller: über 570 aus mehr als 40 Ländern
    • Referenten: über 300 aus mehr als 30 Ländern
    • Kongressprogramm: mehr als 100 Stunden Vorträge und Workshops
  • Schwerpunkte: Prothetik, Orthetik, Orthopädieschuhtechnik sowie angrenzende Disziplinen
  • Besonderheit: enge Verzahnung von Praxis, Wissenschaft und Industrie
  • Internationalität: führende Plattform der Branche weltweit
  • Nachwuchsförderung: u. a. Azubi-Programm mit bis zu 500 Teilnehmenden, Campus- und Start-up-Bereich

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